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Neuss
Boule - die Entdeckung der Langsamkeit

Neuss: Boule - die Entdeckung der Langsamkeit
Zweimal im Monat treffen sich etwa zehn bis 20 Boule-Spieler im hinteren Teil des Rennbahnparks in Neuss. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Im Neusser Rennbahnpark treffen sich zweimal im Monat Boule-Spieler, um das "Schweinchen" zu jagen. Von Katrin Haas

Argon Landgraf hat die Franzosen geschlagen. Und das ist etwas wert in der Boule-Szene, dem Volkssport der Franzosen. Der 75-Jährige spielt in den Boule-Clubs in Dormagen, Norf, in Stürzelberg, in Zons, beim Polizeisportverein oder eben im Urlaub: "Die Franzosen haben 13 zu Null verloren", sagt er zu Wolfgang Schätz. Der will das nicht so recht glauben.

Ihn trifft Argon Landgraf jeden ersten und dritten Freitag im Monat im Rennbahnpark in Neuss - zusätzlich zu all den anderen Terminen der Boule-Vereine. Punkt 15 Uhr treffen auch die anderen Sportler der Interessengemeinschaft Boule-Neuss ein, die meisten mit dem Rad, viele sind Rentner.

An diesem Freitag weiß die Natur, dass Boulezeit ist: Es ist über 30 Grad, die Grillen zirpen und die Hitze flirrt auf dem Sand. Damit der Schweiß läuft, brauchen die Sportler sich nicht zu bewegen. Würden nicht die Lkw ein paar Hundert Meter weiter über die Hammer Landstraße donnern, die Gruppe könnte sich in einer französischen Stadt befinden. Auch wenn sich die Franzosen eher in den kühleren Abendstunden treffen und das zumeist im Schatten der Platanen. Hitze hin oder her, das hält die etwa zehn Neusser nicht von ihrem Vorhaben ab. Fast alle tragen eine Kopfbedeckung: Jutta Wolf trägt einen eleganten blauen Hut, mit dem sie auch auf einer Reitsportveranstaltung oder einer Hochzeit tadellos gekleidet wäre. Argon Landgraf trägt eine rote Kappe, Schirm nach vorne; Wolfgang Schätz eine graue Kappe, Schirm nach hinten, schwarze Sonnenbrille. Argon Landgraf zieht einen ausziehbaren Magnetstab aus seiner kleinen roten Bauchtasche. Damit hebt er die schweren Boule-Kugeln vom Boden auf, ohne sich zu bücken. Das rechnet sich bei sechs Spielterminen in der Woche.

Das Treffen freitags im Rennbahnpark hat früher der Eifelverein ausgerichtet. Irgendwann waren mehr Nicht-Mitglieder da als Mitglieder des Eifelvereins. Dann haben sie die Interessengemeinschaft gegründet. Meistens bieten Tennisvereine die Sparte Boule an: "Damit die Senioren dabei bleiben. Die können das bis ins hohe Alter spielen", sagt Jörg Selzner, der sich in der Interessensgemeinschaft um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

An der Bank, die zwischen den beiden Sandflächen steht, lehnt eine Harke. Die gehört Argon Landgraf und ist nicht für den Boden der Spielfläche gedacht. Mit der Harke macht er ein bisschen sauber auf dem Gelände und unter den Hecken. Auf dem Bouleplatz soll es ordentlich aussehen. Die Boulespieler finden oft Müll, den andere Gäste der Anlage hinterlassen haben. Wenn sie hier spielen, wollen sie sich wohlfühlen. Aber wieso benutzt der 75-Jährige die Harke nicht auch für die Spielfläche? "Der Boden ist egal. Jeder hat die gleichen Chancen."

"Auf glattem Boden rollt die Kugel weiter, auf Sand bleibt sie direkt liegen", erklärt Wolfgang Schätz. "Man sollte aber immer ein bisschen Gefühl mitbringen." Wenn das Augenmaß nicht ausreicht, messen die Spieler mit einem Maßband oder dem Magnetstab nach. "Aber nicht mit der falschen Seite", scherzt Argon Landgraf.

Quelle: NGZ
 
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