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Shakespeare-Festival
Bremer Shakespeare Company zeigt "Wie es euch gefällt"

Neuss. Einen Tag später gehört die Bühne des Globe den Komödianten der Bremer Shakespeare Company. Mit der Komödie "Wie es euch gefällt" zeigen sie eine der beliebten und großen Komödien Shakespeares, die eine Geschichte voller Verwirrungen im Liebes- und Ränkespiel erzählt. Von Helga Bittner

Zu Shakespeares Zeiten war diese Komödie noch ein besonderes Vergnügen für das Publikum, weil Frauen auf der Bühne im 16./17. Jahrhundert tabu waren, ihre Rollen von Männern gespielt werden mussten. Was im Falle von "Wie es euch gefällt" bedeutet, dass ein Mann eine Frau spielte, die sich in einen Mann verwandelt.

Daran knüpft auch Regisseur Thomas Weber-Schallauer in seiner Fassung an. Denn er besetzt die Rolle der Schäferin Phoebe mit einem Mann - und dann gleich noch mit einem richtig bärigen. Christian Bergmann legt eine Glanzleistung hin, weil er ohne Mühe zwischen Scharwenzeln und Grummeln hin- und herschaltet. Das Derbe seiner Komik trägt auch die anderen Rollen, die er spielt: den Ringer Charles, vor allem aber den Narr Prüfstein.

Der begleitet die beiden eng verbundenen Cousinen Rosalind und Celia in den Wald von Arden, wohin die beiden flüchten, nachdem Celias Vater nach der Verbannung seines Bruders und Rosalinds Vaters beschlossen hat, auch die Nichte rauszuwerfen. Als Ganymed und Aliena, als Bruder und Schwester, leben sie im Wald, treffen dort Orlando wieder, in den sich Rosalind schon am herzoglichen Hof verliebt hat. Auch Orlando ist geflüchtet, vor seinem Bruder, der ihn mit dem Tod bedroht. Als Ganymed gibt Rosalind ihrem Orlando Nachhilfeunterricht in Sachen Liebeswerben. Ihn verwundert dabei nur, dass er zunehmend Gefühle für diesen "schönen Jüngling" entwickelt. Bis sich am Schluss alles auflöst.

Um sie herum gibt es noch mehr Liebesirrungen: Schäfer Silvius liebt Phoebe, aber die verliebt sich in Ganymed. Prüfstein entdeckt seine Begierde für das einfältige Bauernmädchen Audrey. Orlandos Bruder Oliver besinnt sich, wird gut und verliebt sich in Celia/Aliena. Und der verbannte Herzog, der mit seinen treuen Lords ebenfalls im Wald lebt, wird natürlich rehabilitiert.

Ende gut, alles gut: Das passt natürlich auch - selbst wenn Weber-Schallauer dafür mehr als eine recht längliche, zweieinhalbstündige Spielzeit braucht. Sechs Schauspieler schlüpfen in 20 Rollen, der Kostümwechsel ist eine Herausforderung und braucht halt manches Überbrückungsspiel.

Svea Meiken Auerbach weiß als Celia und als Melancholiker Jaques ebenso Akzente zu setzen wie Tim Lee vor allem als Schäfer Silvius. Philipp Michael Börner ist ein verliebt-entrückter Orlando, Erik Roßbander gibt seinen beiden Herzogfiguren (Celias Vater und dem verbannten Bruder) Grandezza und als Audrey die schräge Parodie einer Pomeranze vom Land. Einzig Theresa Rose als Rosalind tut sich schwer, ihrer Figur eine eigene Präsenz zu geben. Als wütender Ganymed gelingt ihr das noch leidlich. Vor allem fehlt es ihrer (sehr lauten) Stimme an Modulationsfähigkeit.

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