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Neuss
Brillen-Gangster ab Januar vor Gericht

Neuss: Brillen-Gangster ab Januar vor Gericht
Kriminalhauptkommissar Ulrich Jacobs leitete die Soko "Brille". Er suchte einen Einzeltäter - und ermittelte eine Bande. FOTO: A. Woitschätzke
Neuss. Die Neusser Kripo erwischte die Dreier-Bande, die bei 18 Banküberfällen rund 100.000 Euro erbeutet haben soll. Von Christoph Kleinau

Den "Brillen-Gangstern" wird der Prozess gemacht. Vom 12. Januar 2016 an verhandelt die Große Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichtes gegen drei Serienbankräuber, die von einer fünfköpfigen Sonderkommission der Neusser Polizei gejagt und schließlich auch dingfest gemacht wurden. 27 Verhandlungstage hat die Kammer angesetzt und eine Vielzahl von Zeugen vorgeladen, um den Bandenmitgliedern 18 bewaffnete Banküberfälle nachzuweisen, von denen zwei im Rhein-Kreis verübt wurden. Insgesamt soll das Trio so etwa 100.000 Euro erbeutet haben. Ein Urteil wird nicht vor Ende April zu erwarten sein.

"Brillengangster": Pressekonferenz in Neuss FOTO: Berns, Lothar

Angeklagt sind drei Männer, die eines eint: Drogen. Der 43-jährige mutmaßliche Haupttäter, der mit letztem Wohnsitz in Mönchengladbach gemeldet war, hatte an einem Methadon-Programm in Grevenbroich teilgenommen. Er lebt seit 1995 in Deutschland und ist mehrfach wegen räuberischer Erpressung vorbestraft. 2003 wurde der gebürtige Ukrainer für mehrere Raubüberfälle zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, deren Verbüßung aber zugunsten einer Therapie zurückgestellt wurde. Er soll der Kopf der Bande sein, die Überfälle geplant, seine Komplizen mit Maskierungen und Waffen versorgt haben. Die Faustfeuerwaffe war allerdings ebenso wenig funktionsfähig wie die Handgranate, mit der die Angestellten einer Sparkasse in Viersen bedroht worden waren. Zudem soll er immer im Fluchtauto auf seine wechselnden Komplizen gewartet haben.

Das soll in 14 Fällen ein 33-jähriger Mönchengladbacher gewesen sein, der eine längere Drogenkarriere aufzuweisen hat. In seiner Polizeiakte sammelte er seit 1999 insgesamt 19 Einträge, meist ging es dabei um Diebstahlsdelikte. Er war gemeinsam mit dem 43-Jährigen Ende April an einem polizeibekannten Drogenumschlagplatz in Mönchengladbach festgenommen worden.

Einige Tage später ging der Polizei ein 39-Jähriger mit Wohnsitz in Wegberg ins Netz. Er soll an vier Überfällen beteiligt gewesen sein. Der gebürtige Lette hatte in seiner Heimat zwei Jahre Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung und mehr als sieben für ein Tötungsdelikt verbüßt.

Noch Anfang April war die Polizei davon ausgegangen, es mit einem Einzeltäter zu tun zu haben. Dafür sprach, dass sich der Täter bei den Überfällen zunächst wie ein Kunde verhielt. Er wartete, bis er an der Reihe war, verlangte flüsternd nach der Herausgabe von Geld oder legte einfach einen Zettel mit dieser Forderung vor. Erst bei seinen letzten Überfällen änderte sich die Taktik, rief der Räuber laut "Überfall".

Unter Führung des Landeskriminalamtes war im März bei der Kriminalpolizei in Neuss die Sonderkommission "Brille" gebildet worden. Sie bezeichnete sich nach dem auffälligsten Requisit des Räubers, der ansonsten zur Verkleidung nur Kappen benutzte. Eine davon stellte die Polizei auf dem Fluchtweg des Räubers nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Mönchengladbach-Odenkirchen sicher. Es war die Schlüsselspur für das Team um Kriminalkommissar Ulrich Jacobs. Denn in ihr fand sich DNA des 43-Jährigen. Weil sein Aussehen nicht mit dem Bild der Überwachungskamera zusammenpasste, wusste die "Soko" von diesem Moment an: Der "Brillen-Gangster" ist eine Bande.

Quelle: NGZ
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