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Neuss
Bücher zum Tauschen und Mitnehmen

Neuss: Bücher zum Tauschen und Mitnehmen
Michael Hohlmann von der Bü.NE (l.) und Heinz-Willi Mölders von RWE sind die ersten, die den Schrank mit Büchern füllen. FOTO: Woi
Neuss. Seit gestern steht an der Oberstraße 128 der erste öffentliche Bücherschrank. An seinem Inhalt kann sich jeder bedienen. Von Helga Bittner

Anders als mit Humor kann Michael Hohlmann die Geschichte kaum sehen. Rund vier Jahre hat es gedauert, bis der von der Bürgerstiftung Neuss (Bü.NE) initiierte Bücherschrank endlich in der Stadt aufgestellt werden konnte. Mit Sekt, vielen freundlichen Worten und ganz vielen Büchern wurde der Schrank gestern auf dem Bürgersteig der Oberstraße in Höhe der Nummer 128 übergeben. Nur wenige Schritte von jenem Standort entfernt, der auf der anderen Seite des Baumes schon vor im November 2013 ausgeguckt war. Die Einladungen waren schon raus, doch dann wurde alles wieder abgesagt.

Die Gründe? Nachkarten ist Hohlmanns Sache nicht, deswegen nur so viel: "Im Bürgermeister-Wahlkampf haben wir von der Bü.NE den drei Kandidaten von CDU, SPD und Grünen auch die Frage gestellt, ob sie einen Bücherschrank aufstellen würden. Und jeder hat sofort zugestimmt." Ein gutes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt als Rathaus-Chef hat Reiner Breuer (SPD) sein Versprechen wahr gemacht, konnte aber wegen einer Dienstreise nach Rijeka bei der Übergabe nicht dabeisein. Dafür kam sein ehrenamtlicher Vertreter Sven Schümann.

Seit gestern nun steht der 2,20 Meter hohe, 60 Zentimeter breite Schrank auf 0,3 Quadratmeter öffentlichem Boden. Er hat Platz für 250 Bücher, ist von zwei Seiten zu öffnen und wurde direkt in den ersten Minuten nach der Enthüllung mit Büchern gefüllt. Allein Heinz Mölder, Sparkassen-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Kinderstiftung Lesen bildet kam mit einer ganzen Kiste an: 40 Kinderbücher von Schmökern bis Sachgeschichten Lexika stehen nun auf den Regalen. "Lesen - tauschen - entdecken" ist das Motto des öffentlichen Bücherschranks, an dem sich jeder bedienen darf. Das Umfeld sei dafür günstig, sagte Michael Hohlmann: direkt an der Haltestelle der Straßenbahn, unter einer Straßenlaterne und demnächst auch mit einer Bank zum ersten Hineinlesen. "Und in Sichtweite des Rathauses, das für viele Bürger immer noch ein Buch mit sieben Sigeln ist", wie er schmunzelnd ergänzt.

Finanziert wurde der Bücherschrank von RWE, so dass auch Heinz-Willi Mölders als Vorstandsmitglied kam. Rund 5000 Euro kostet das Exemplar, das aus gerostetem Stahl und bruchsicheren Glas besteht. "Das Metall rostet nicht weiter", betont Hohlmann, "und hat sich gegen allerlei Beschädigungen bewährt. Schmierereien können einfach abgeschmirgelt werden." Auf Griffe habe man verzichtet, um jede Verletzungsmöglichkeit zu vermeiden. Gleichwohl muss auch ein Bücherschrank gepflegt werden. Schon jetzt kümmert sich eine Patin um den Inhalt, sortiert fleddrige Bücher aus und schaut auch drauf, dass die Inhalte gesetzeskonform sind. "Nicht im Sinne einer Zensur", betont Hohlmamm, "aber pornografisches oder ausländerfeindliches Material gehört da nicht rein." Nach vier Jahren übernimmt die Bü.Ne zudem die derzeit noch von RWE organisierte Wartung des Bücherschranks.

Quelle: NGZ
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