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Neuss
Hubertusschütze wird "Ritter des Zufalls"

Neuss: Hubertusschütze wird "Ritter des Zufalls"
Andreas Lehmann präparierte gestern die frisch gereinigte Uniform für den heutigen großen Tag. Beim Krönungsball wird er zum Ritter geschlagen. FOTO: woi
Neuss. Seit 25 Jahren ist Andreas Lehmann aktiv. Lange blieb ihm das Ritual des Ritterschlags beim Krönungsball fremd, heute ist er ein Teil davon. Von Christoph Kleinau

Mehr als 20 Mal hat Andreas Lehmann bei einem Krönungsball schon beobachtet, wie der Schützenkönig vier Schützen zu Rittern geschlagen hat. Wie und warum die zu dieser Ehre kamen, erschloss sich ihm nicht wirklich. Heute Abend, wenn mit Gerd Philipp Sassenrath in der Stadthalle die neue Schützenmajestät gekrönt wird, wird Lehmann selbst dessen Ritter. Man könnte sagen, durch einen Zufall, wenn auch einen glücklichen. Denn der Adjutant der Hubertusschützen ist dieses Jahr zum 25. Mal über den Markt gezogen. "Der Ritterschlag ist eine besondere Ehre in meinem Jubiläumsjahr", sagt der 49-Jährige.

Um heute nicht durch einen Patzer negativ aufzufallen, wird Lehmann nur Augen für Thomas Nickel haben. Der Präsident des Neusser Bürger-Schützen-Vereins ist der Ritter des Kopfes, weil er das erste Pfand des Königsvogels schon mit dem Ehrenschuss am Sonntag erringen konnte. Nickel ist dabei fast ein Profi, denn er konnte schon oft in den vergangenen Jahren mit diesem allerersten Schuss auch treffen. Wie der Präsident vortreten wird, ob er grüßt und wie er dann auf - beide? - Knie geht: All das wird Lehmann ganz genau beobachten. Denn er ist Nummer zwei.

Fotos: Gerd Sassenrath ist neuer Schützenkönig FOTO: Woitschützke, Andreas

Dass Lehmann Ritter des rechten Flügels wird, hängt von einigen Zufällen ab. Erstens: Er war am Montag, als das Pfänderschießen auf den Königsvogel fortgesetzt wurde, ausnahmsweise auf der Festwiese. "Sonst bin ich dann immer bei meinem Zug", sagt der 49-Jährige, der 16 Jahre Hauptfeldwebel im Hubertuszug "Germanen" war. Zweitens: Er wollte sich das Schießen dann auch mal ansehen. Immerhin wusste er schon, dass die Schützen in der Reihe der Nummern auf ihren Aktivenkarten aufgerufen werden. Beginnend mit der 732, die auf dem Oberstehrenabend ausgelost worden war. Drittens: Lehmann hatte die Nummer 941 - und vor ihm offensichtlich keiner Lust, sich nach Aufruf am Schießstand einzufinden. "Da bin ich einfach durchmarschiert, habe mich hingesetzt und geschossen", sagt er.

Dass der Hubertusschütze traf, war allerdings kein Zufall. "Beim Schießen der kleinen Korps hole ich jedes Mal einen Schießpreis", sagt Lehmann, der 2002/2003 Hubertuskönig war und im Jahr darauf bester Schütze in seinem Korps.

Neusser Schützenfest: Es gibt einen neuen König

Ein Ritter hat nur die Pflicht, zum Krönungsball zu kommen, um den Ritterschlag entgegenzunehmen, erklärt Komiteemitglied und Oberschützenmeister Martin Flecken. Aber auch die "Vorteile" halten sich in engen Grenzen. Manche Könige laden ihre Ritter im Laufe ihrer Amtszeit ein, sagt Flecken, aber das sei die Ausnahme. Normal sei, dass Ritter beim Krönungsball erwähnt werden, aber schon nicht mehr im Programmheft. Und auch eine Einladung zum Königsmahl ist nicht automatisch mit der Ritterschaft verbunden. Lehmann ist das egal.

"Für mich ist der Krönungsball der wirkliche Abschluss des Schützenfestes", sagt der selbstständige Dachdeckermeister, der in den vergangenen 22 Jahren bei keiner Gratulationscour für König und Hohen Reitersieger gefehlt hat. Erst danach hängt er daheim das Festplakat ab.

FOTO: Andreas Woitschützke
Quelle: NGZ
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