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Neuss
Schützen stimmen sich mit Quirinuslied aufs Fest ein

Neuss: Schützen stimmen sich mit Quirinuslied aufs Fest ein
Jochen Koenig (l.) zelebriert seit 25 Jahren die Vorabendmesse. FOTO: woi
Neuss. Seit 25 Jahren gestaltet Pastor Koenig mit seinem Gildezug "Erfttrabanten" den Vorabendgottesdienst zum Schützenfest.

Am Ende wird das Quirinus-Lied angestimmt. Immer. Zwei Strophen des Kirchenliedes - und drei aus der "Schützenfest-Edition" von Hans Mausberg, dem langjährigen Prologius des Nüsser Ovend aus dem Schützenzug der "Bänkelsänger". Das ist nicht gerade ein frommer Gesang, aber das ist Pastor Jochen Koenig egal. "Es geht mir bei der Auswahl der Lieder um die Leute und nicht um die theologische Ergänzung des Evangeliums", sagt er. Und die Leute wollen singen. Mit Inbrunst. Gerade an diesem Abend, an dem die Schützenfesttage noch vor ihnen liegen.

Seit 25 Jahren zelebriert Pastor Koenig (73) die Vorabendmesse am Schützenfestsamstag. Er kam damals dazu, weil er den erkrankten Oberpfarrer Hans Dieter Schelauske vertreten musste. Er blieb, obwohl er erst als Pfarrer in Erfttal und heute als Hausgeistlicher im Kloster Immaculata andere Aufgaben hatte. Und er blieb nie allein. Als Lektor, als Ministranten und nachher bei der Hutsammlung am Ausgang unterstützen ihn seine Kameraden vom Gildezug "Erfttrabanten". In diesem Jahr ist der Mess-Dienst für sie zugleich der Einstieg in ihr Jubiläumsjahr. 2017 wird der Zug 50.

Für Pastor Koenig hat der Gottesdienst am Vorabend des Schützenfestes eine besondere Atmosphäre. Nicht nur für ihn und nicht nur, weil "Schützen sonntags frühstücken" - und keine Zeit für die Messe haben. Von der Reveille, dem Sternmarsch der Tambourkorps, und dem anschließenden Totengedenken am Löwen-Denkmal am Freithof drängen viele herein, die innerlich berührt - und andererseits wie er voller Vorfreude sind. "Es ist erstaunlich, wie viele junge Leute dabei sind", sagt Koenig, der nach seiner Priesterweihe den damaligen Kölner Erzbischof, Josef Kardinal Höfner, um Erlaubnis bat, weiter aktiver Schütze sein zu dürfen. Er durfte: "Das machen Sie bitte weiter. Das ist Thekenseelsorge", war die Antwort.

Als Mann der Kirche mitten im Leben weiß Koenig, dass etliche der Zuhörer im übervollen Kirchenschiff vielleicht nur noch zweimal im Jahr zum Gottesdienst kommen - Weihnachten und Schützenfest. Gerade an sie wendet er sich, wenn er das Tagesevangelium deutet - kurz, frei und aus dem Herzen heraus vorgetragen. "Die Leute müssen etwas mit nach Hause nehmen. Und sei es nur einen Satz", sagt Koenig. Das ist ihm noch stets gelungen.

(-nau)
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