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Neusser Bürgerschützenfest 2017
So schön wird der Fackelzug am Samstagabend

Das sind die Motiv-Fackeln zum Fackelzug
Das sind die Motiv-Fackeln zum Fackelzug FOTO: Christoph Kleinau
Neuss. Der Grenadierzug "Wisse Röskes" hat zwei seiner Fackelbauer noch einmal in die Lehre geschickt. Jacques Tilly, Großmeister des Wagenbaus im Düsseldorfer Karneval, vermittelte ihnen, wie große Figuren modelliert werden. Figuren wie der (einzige) Martin Luther im Fackelzug, der bereit scheint, mit dem Hammer drei Schützenthesen an das Schützenportal von St. Quirin zu nageln. Thesen wie: "Strafenkarte ist Ablasshandel". Von Christoph Kleinau

Eher in Tillys Tradition aber stehen Züge wie "Blaue Blömkes" und "Santa Lucia" aus dem Grenadierkorps, die sich mit dem 152-Millionen-Euro-Steuerschatz beschäftigen, der der Stadt im Frühjahr in den Schoß gefallen ist. Tick, Trick und Track verteidigen diesen Dukatenhaufen gegen alle Begehrlichkeiten, und die Panzerknacker, sagt Peter Orth, sind schon ausgemacht: Rat, Kreis und Land. Ja, ergänzt Helmut Kauschka, mit Blick auf den Dukatenesel von "Santa Lucia". Der Bürgermeister schwimme im Geld, "aber kein Geld für Tannengrün."

108 Großfackeln werden die Schützen heute Abend den voraussichtlich 100.000 Zuschauern am Wegrand zeigen, und dabei gibt es durchaus Unterschiede zwischen den Korps. "Die Fackeln der Schützenlust sind oft sehr aufwendig, die der Jäger nicht so politisch", fällt Ex-Oberst Heiner Sandmann auf. Nicht so politisch jedenfalls wie die Grenadiere. Fackeln zu Film- oder Märchenthemen sind in der Tat bei den Jägern fast obligatorisch, sagt Adjutant Peter Wallrawe. "Die sind auch eine unserer Stärken." Auch bei der Schützenlust stehen politische Themen nicht ganz hoch im Kurs. "Aktuell geht es oft um den scheidenden Major und die Suche nach einem neuen - nachdem Klaus Engels zurückgezogen hat", sagt Hauptmann Karl-Heinz Ackermann.

Neusser Schützenfest 2017: Das ist das Programm

Unpolitisch oder nicht: An zwei Themen kamen die Fackelbauer aller Korps irgendwie nicht vorbei - der Bundestagswahl im September und den Kapriolen von US-Präsident Donald Trump. Dem bläst - so hat es der Gildezug "Quirinus Stolz" inszeniert - so viel Gegenwind entgegen, dass ihm mit Regelmäßigkeit die Haartolle flöten geht, während "Löwenstolz" Trumps Ignoranz bei der Klimapolitik geißelt: "Klimawandel? - Fake News". "Was Trampolino nicht lernt, lernt Trump nimmermehr", scheint der Grenadierzug "Zunfttreue" hinzufügen zu wollen, der den US-Präsidenten zu Kanzlerin Merkel in die "Leerstunde" schickt - während die "Hippeböck" ihn als Münchhausen auf der Kanonenkugel reiten lassen. "Wer drei Mal lügt, wird Präsident", fasst Karl-Heinz Müller zusammen.

Fackeln zur Bundestagswahl gibt es wenige(r), doch die pointiertesten kommen vom Hubertuszug "Wildfüchskes", wo der Druide Miraculix beim Wahlk(r)ampf im politischen Einheitsbrei rührt, und vom Jägerzug "Alles för de Freud". Auch der transportiert das Thema szenisch in die Welt der unbesiegbaren Gallier und lässt im "Kampf der Häuptlinge" Schulzix (alias Julius Cäsar) und Merkelix (alias Obelix) aufeinandertreffen. Wer die Asterixhefte kennt, ahnt den Ausgang.

Die Neusser Kirmes 2017 - Das sind die Fahrgeschäfte FOTO: Boisserée

Politisch? Unpolitisch? Bei manchen Fackeln verschwimmen die Grenzen. Wie etwa beim Schützenlustzug "Erste Güte", der die Tour de France zum Thema macht und dabei den Zusammenhang von Sport und Kommerz angreift: Schneller Spaß, schnelles Geld. Selbst Kneipensterben, fehlende Hebammen und das Baustellenunwesen in Neuss sind am Ende ein Politikum. Ein Glück, dass es auch nur nette Themen gibt - auch wenn die Darstellung des "Power-Rösken" vom Grenadierzug "In Treue fest" das Zeug zum Aufreger haben könnte.

Quelle: NGZ
 
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