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Neusser Schützenfest 2016
Ein König und keine Verlierer

Neusser Schützenfest: Das Königsvogelschießen 2016
Neusser Schützenfest: Das Königsvogelschießen 2016 FOTO: Woitsch�tzke, Andreas
Neuss. Christoph Napp-Saarbourg errang am Dienstag mit dem achten Schuss die Neusser Schützenkönigswürde. Er blieb der einzige Bewerber. Von Christoph Kleinau

Um 18.29 Uhr am Dienstagabend gab es auf der Festwiese eines ganz bestimmt nicht: Verlierer. Für Christoph Napp-Saarbourg (51), der in seinem dritten Anlauf auf die Königswürde der Neusser Bürgerschützen erstmals alleine an der Vogelstange stand, und seine Königin Petra Frankenheim Napp-Saarbourg (49) war das der positive Aspekt bei diesem Schießen, das eigentlich kein Wettbewerb war. "Ich bin froh, dass ich niemanden trösten muss", sagte Napp-Saarbourg, der 2013 und 2014 selbst erfahren musste, wie es ist, wenn man antritt und nicht gewinnt. Am Dienstag durfte er jubeln. Sechs Minuten und acht Schuss Munition hatten dem 51-Jährigen gereicht, um die Neusser Königswürde zu erringen.

Hinter dem neuen König, der noch auf der Festwiese von Schützenpräsident Thomas Nickel als Christoph I. proklamiert wurde, steht der 24 Mann zählende Schützenlustzug "Dropjänger" – und hinter den Schützen stehen die Röskes. Die wussten seit der Zugversammlung am letzten Juliwochenende (da hatte der Apotheker Napp-Saarbourg seine erneute Bewerbung schon Komiteemitglied Martin Flecken in den Briefkasten geworfen), dass der Oberleutnant es noch einmal wissen will. Und sie hatten sich bestens auf den großen Tag vorbereitet. Die Transparente aus den Vorjahren "Nappi und Petra – wir wünschen Euch ein tolles Königsjahr" hatten sie hervorgekramt, den Biwakplatz mit Fähnchen und Luftballons geschmückt. Und alle wollten dabeisein, um nach Heimgeleit und Wackelzug, dem mitternächtlichen Zapfenstreich und der anschließenden Feier im Zeughaus noch "in die Stadt zu gehen", wie es Jeanette Tilmes nannte. "So etwas erlebt man schließlich nur einmal."

Vogelschuss Schützenfest Neuss 2016

Ein Rösken des Zuges hatte diese Schützennacht besonders herbeigesehnt: Die designierte Königin. "Dienstags passieren mir immer die schönsten Dinge", sagt sie auch mit Blick auf Tochter Prisca (19) – und die nickt. Sie wurde an einem Dienstag geboren. Das gestrige "Dienstagserlebnis" hätte sich Petra Napp-Saarbourg allerdings schon etwas früher gewünscht. "Es war immer so eng, und Christoph hat immer so gut getroffen", sagt sie.

Auch am Dienstag platzierte Christoph Napp-Saarbourg die Treffer von Anfang an eng beieinander. "Er weiß, wohin er schießen muss", versicherte sein Leutnant und Zugkamerad Rainer Göttges, der ihm als amtierender Korpssieger und Further Schießmeister noch ein paar Tipps gegeben hatte. Dann war der Bewerber alleine an der Stange – und auch Frau und Tochter, die sich in die erste Reihe der Zuschauer vorgearbeitet hatten, konnten nur von Ferne die Daumen drücken.

Königsparade beim Neusser Schützenfest 2016 (Teil 4) FOTO: Endermann, Andreas

Auch wenn Napp-Saarbourg der einzige Bewerber war: Getrickst wurde nicht. "Kaliber 12, Brenneke-Geschoss", erklärte Oberschießleiter Joachim Pesch die Munition, mit der Schießmeister Bernd Vennen die Flinte des Königsbewerbers lud. "Ganz normal." Und dann krachte der achte Schuss, der die Entscheidung brachte.

Petra Frankenheim Napp-Saarbourg, selbst von fast jedem Druck befreit und voller Vorfreude, wollte ihrem Mann auch keinen Druck vor dem schweren Gang an die Vogelstange machen. Sie hätte sich eine Entscheidung mit dem siebten Schuss gewünscht, weil das die gemeinsame Glückszahl ist. Aber ihren Mann hatte mit den Worten losgeschickt: "Schieß so lange du magst."

Schützenfest Neuss 2016: Schützenzüge von der NGZ fotografiert FOTO: Christian Kandzorra

Dieses Angebot nutzte der neue König nicht aus. Nach einem nur kurzen Vogelschießen setzte er der Regierungszeit von Schützenkönig Gerd Philipp I. Sassenrath ein Ende. Der nahm sichtlich bewegt Abschied und versicherte den Tausenden Gästen auf der Festwiese: "Ich bin überzeugt: Wir haben mit Christoph einen tollen König."

"Freundschaft ist ein anderes Wort für unseren Verein", zitierte der neue König, der Samstag in der Stadthalle gekrönt wird, aus dem Lied seines Zuges "Dropjänger". Und er versprach in einer knapp gehaltenen ersten Ansprache nichts weniger als dies: "Ab heute seid Ihr mein Verein."

Wir haben von allen Highlights des Schützenfestes im Liveblog berichtet, auch vom Königsvogelschießen. Hier gibt es das Protokoll zum Nachlesen.

Hier gibt es Bilder vom Vogelschuss.

Im Video sehen Sie, wie Napp-Saarbourg beim achten Schuss den Vogel herunterholt.

Hier gibt es Bilder von der Königsparade am Sonntag.

Bei unserer NGZ-Aktion konnten sich die Schützenzüge fotografieren lassen. Viele haben die Chance genutzt - hier gibt es die Bilder.

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