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Schützenfest Neuss 2016
Hut-Couture – Nüsser Röskes feiern wie die Royals

Nüsser Röskes und ihre Hüte
Nüsser Röskes und ihre Hüte FOTO: Endermann, Andreas
Neuss. Im Alltagsleben ist der Damen-Hut vom Aussterben bedroht. Sein Wiederaufleben feiert er alljährlich beim Neusser Schützenfest. Von Jascha Huschauer

In den Zeiten, als das Neusser Schützenfest entstand, gehörte der Hut zur Alltagskleidung von Frauen. Zu besonderen Anlässen wurde er dann mit Blumen und Schleifen geschmückt. Dekorierte Hüte waren also ein Indikator für ein wichtiges Fest.

Auch wenn der Hut ansonsten fast aus dem Alltag verschwunden ist: An Schützenfest sorgt er weiterhin für gesellschaftliche Eleganz. Auch gestern präsentierten die Frauen der Honoratioren ihre Hüte wieder stolz auf dem Rathausbalkon, von wo aus sie ihren Männern bei der Parade zusehen. "Die Damen und ihre Hüte sorgen für einen ganz besonderen Glanz bei unserem Fest", sagt Schützenpräsident Thomas Nickel.

Fotos: Königsparade beim Neusser Bürgerschützenfest 2016 FOTO: Endermann, Andreas

Doch die richtige Kopfbedeckung zu finden ist nicht leicht. Davon kann Tina Radermacher ein Lied singen. Die 23-jährige hat ihren Hut erst vor einer Woche gefunden. Sie ist als Freundin von Regimentsadjudant Ben Dahlmann zum ersten Mal auf den Rathausbalkon geladen und hat gleich eine besonders spektakulären Kopfschmuck: einen Fascinator.

Wie eine Scheibe liegt das gute Stück seitliche auf dem Kopf. Eine Schleife und ein kleines Stück Stoff, exakt in der Farbe des Kleides zieren den Fascinator. "Es war wirklich schwer, etwas Passendes zu finden", sagt Radermacher. Nächstes Jahr wird sie wohl erst den Hut und dann ein passendes Kleid kaufen. So rum sei es einfacher.

Königsparade beim Neusser Schützenfest 2016 (Teil 4) FOTO: Endermann, Andreas

Marion Hörsken (38) hat es also intuitiv richtig gemacht. Auch die Frau des neuen Neusser Sozialdezernenten Ralf Hörsken ist zum ersten Mal beim Schützenfest auf dem Balkon. Den futuristischen Hut – Farbton "Wassermelone" – hat sie schon lange. Irgendwann Mitte Mai in Düsseldorf habe sie zugeschlagen. "Das war ein Spontankauf in der Mittagspause", sagt sie zufrieden. Ihr gefällt die Tradition. "Als Frau trägt man so selten Hut", sagt sie.

Ein Satz den man so öfter auf dem Balkon hört – auch von Gaby Stieger. Die 52-Jährige ist Zugdame im Königszug "Frischlinge". "Wir haben uns natürlich besonders rausgeputzt, um ein gutes Licht auf unsere Männer zu werfen", sagt sie, "aber es macht wirklich Spaß. Ich hoffe, es gibt noch ein paar Anlässe den Hut zu tragen." Am Kleid trägt sie eine kleine Brosche. Die hat König Gerd Philipp Sassenrath als Damenorden für die Frauen des Zuges entworfen. Der Zug sei halt eine große Familie, sagt Stieger. Und so fiebern auch alle mit Walburga Ackermann. Die 55-Jährige wartet während der Parade nämlich auf die Geburt ihres ersten Enkelkindes.

Und während die Frauen auf den beginn der Parade warten, die Hüte der anderen beäugen oder sich an diesem heißen Tag mithilfe der Papp-Fächer eine kleine Abkühlung verschaffen, schreitet Königin Stefanie Sassenrath die Treppe im Rathaus hoch und liefert die Antwort auf eine der meistgestellten Fragen vor der Parade: Was wird die Königin tragen? Es ist ein schlichtes Kleid in Weinrot. Dazu Perlenschmuck und – na klar – ein Hut. Groß ist der, weiß, edel geschwungen und wahrhaft royal.

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