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Neuss
Bürger wegen Fällungen auf dem Baum

Neuss: Bürger wegen Fällungen auf dem Baum
Für viele Anwohner ein trauriges Bild: Die mehreren Jahrzehnte alten Pappeln und Kastanien, die im Bereich der Klever Straße gefällt wurden, werden in Zukunft durch einheimische Bäume ersetzt. FOTO: Thomas Rheydt
Neuss. 20 Pappeln sind in der vergangenen Woche im Bereich der Klever Straße gefällt worden. Vielen Anwohner stößt diese Maßnahme sauer auf. Im Umweltausschuss wurde nun darüber diskutiert, wie Bürger besser informiert werden können. Von Simon Janssen

Es ist kahl geworden an der Klever Straße. Wo zuvor noch reihenweise Bäume in den Himmel ragten, bestimmen nun lichte Stellen die Optik. Rund 20 Pappeln und drei Kastanien sind in der vergangenen Woche im Stadionviertel gefällt worden.

Eine Maßnahme, für die viele Bürger kein Verständnis haben. Ein wütender Anwohner hat sogar Flugblätter angefertigt, auf denen er seinen Unmut zum Ausdruck bringt. "Warum?" prangt in großen Lettern über dem Schriftstück, auf dem er unter anderem darauf aufmerksam macht, dass die Pappeln gesund und grün gewesen seien. "Sie waren die größte grüne Lunge weit und breit", führt der Anwohner aus.

Stadtverordneter Sascha Karbowiak (SPD) hat in der vergangenen Woche zahlreiche E-Mails und Anrufe von Anwohnern aus dem Bereich der Klever Straße erhalten. "Viele können die Baumfällungen nicht nachvollziehen, da die Bäume aus ihrer Sicht keine Fäulnisspuren oder sonstige Schäden aufweisen", sagt Karbowiak.

Nach Angaben von Umweltdezernent Matthias Welpmann war die Beseitigung der Pappeln eine reine Vorsichtsmaßnahme, die die Sicherheit von Anwohnern und Spaziergängern gewährleisten soll. "Ab einem bestimmten Alter sind die Bäume bruchgefährdet. Die Fällungen sind Teil des Bestandsumbaus in Neuss", sagt Welpmann. Laut des Umweltdezernenten würden die Pappeln in Zukunft durch eine Mischung aus einheimischen Bäumen ersetzt.

Das Sicherheits-Argument lässt der Verfasser des Flugblattes nicht gelten. Schließlich seien bisher alle Bäume nach Osten in Richtung des Kanals gekippt. "Wir leben in der Westwindzone", schreibt der Anwohner, und erinnert daran, dass beim Sturm "Ela" an der Klever Straße wesentlich mehr Eichen, Eschen und Kastanien gekippt seien als Pappeln.

Doch nicht nur die genannten Gründe für die Fällungen, sondern auch die angeblich mangelhafte Kommunikation seitens der Stadt stieß den Anwohnern sauer auf. Darum erwartet Karbowiak von Welpmann, dass bei zukünftigen größeren Baumfällungen eine Vorabinformation für die Betroffenen sichergestellt wird, um Irritationen frühzeitig auszuräumen. Schließlich würden im Planungsbereich die Anwohner ebenfalls frühzeitig in die Planungsprozesse einbezogen. Michael Ziege (SPD) pflichtet Karbowiak als umweltpolitischer Sprecher bei: "Wir haben schon im vergangenen Jahr darum gebeten, dass der Umweltausschuss frühzeitig eingebunden wird."

Laut Ziege solle Welpmann ein Konzept erarbeiten, wie in Zukunft Bürger bei größeren Baumfällungen besser informiert werden können. Eine weitere Option könnte eine häufigere Einberufung und Erweiterung der Baumkommission unter der Leitung des Umweltausschuss-Vorsitzenden Michael Klinkicht (Grüne) sein.

Beim Umweltausschuss am vergangenen Donnerstag zeigte sich Welpmann gesprächsbereit ob der ausgemachten Kommunikationsprobleme. "Wir werden schauen, wie wir solche Maßnahmen in Zukunft besser kommunizieren können." Laut des Umweltdezernenten habe man noch kein Konzept erarbeitet, eine Möglichkeit sei jedoch, die Anwohner mit aufgestellten Schildern zu informieren.

Welpmann machte zudem auf die Planung aufmerksam, im Stadtgebiet einen Wald anzulegen, der bewusst sich selbst überlassen werden soll. Das habe zum einen den Vorteil, dass dieser eine ökologisch bessere Struktur entwickeln kann, zum anderen fielen die Aufforstungs-Kosten weg. Eine Fläche für dieses Vorhaben stünde noch nicht fest.

Quelle: NGZ
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