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Neusser Woche
Bürgerhalle zwischen Vision und Wirklichkeit

Neusser Woche: Bürgerhalle zwischen Vision und Wirklichkeit
Der Wendersplatz in Neuss könnte Standort für eine neue Bürgerhalle sein. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Neuss ist gern Großstadt, ist stolz auf seine Geschichte, seine Unabhängigkeit trotz Kreiszugehörigkeit und Lage zwischen den Metropolen Düsseldorf und Köln. Brauchtum und Kultur sind Aushängeschilder der größten kreisangehörigen Stadt Deutschlands - und finden doch oft in vergleichsweise kleinem Rahmen statt. Von Frank Kirschstein

Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte und eng wird gern auch als gemütlich definiert. Staat machen lässt sich damit nicht. Und die Bedürfnisse von Veranstaltern und Vereinen, die die Nachfrage einer zudem noch weiter wachsenden Stadt befriedigen wollen, lassen sich so auch nicht erfüllen.

Bürgermeister Reiner Breuer will die Kultur, dem (Schützen-)Brauchtum, aber auch den Schulen und dem Sport, der in Neuss mitunter nur deshalb seine Stärke nicht ausspielen kann, weil schlicht die Spielstätte in geeigneter Größe fehlt, den seit Jahrzehnten diskutierten, aber bislang nie realisierten Raum geben. Eine multifunktionale Bürgerhalle, wie sie Breuer und die SPD jetzt in Gummersbach (50.000 Einwohner) besichtigten, um ihre Vision für Neuss zu überprüfen, wäre ohne Zweifel eine große Chance für die gesamte Stadt und - wenn architektonisch und stadtplanerisch entsprechend umgesetzt - auch das bislang eher trostlose und x-mal vergeblich überplante Areal auf dem Wendersplatz. Ob von der Vision einer Bürger- oder Multifunktionshalle mehr bleibt als ein frommer Wunsch, muss - bei aller Begeisterung - auf der Basis von Machbarkeitsstudie und Nutzungskonzepten entschieden werden.

Zu viele Hallenträume in Deutschland sind schon geplatzt und als Millionengrab geendet. Auch wenn es nicht um eine XXL-Arena geht - Breuer denkt an 2500 bis 3500 Plätze, die Neusser Stadthalle, zum Vergleich, bringt es auf 1100, die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf auf 7500, der ISS Dome auf über 14.000 - muss die Auslastung und die Finanzierung stimmen. Nichts gegen die Handballer der RheinVikings, aber der VfL Gummersbach spielt, auch wenn nicht mehr so top wie vor Jahren, doch noch in der ersten Liga.

Soll die Idee von der Bürgerhalle in Neuss funktionieren, braucht es ein klares Commitment der Akteure aus Kultur, Sport und Brauchtum für die neue Halle. Dann heißt es vielleicht in Zukunft am Wendersplatz: Vorhang auf, Anpfiff oder, an Tagen wie diesen, "Ons Nüss Helau!"

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Quelle: NGZ
 
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