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Neuss
Bürgermeister will wieder mehr Personal

Neuss. Reiner Breuer will vakante Stellen im Bereich Grünpflege wiederbesetzen. Zudem gibt es durch die Betreuung von Flüchtlingen einen personellen Mehrbedarf, dafür will er auch Pensionäre um Mithilfe bitten. Von Christoph Kleinau

Bürgermeister Reiner Breuer weicht die vor Jahren verhängte Stellenbesetzungssperre im Rathaus auf. Er muss das tun, weil alleine zur Bewältigung der Aufgabe, die sich aus der Aufnahme von Flüchtlingen ergibt, ämterübergreifend mehr Personal benötigt wird. Er will die Sperre aber auch lockern, weil der Stellenabbau vergangener Jahre für ihn hat den Nullpunkt längst unterschritten hat. "Fünf Prozent der Stellen in der Stadtverwaltung sind derzeit unbesetzt", sagt er.

Allein im Bereich der Grünpflege driften Stellenplan und Stellenwirklichkeit deutlich auseinander. Für diese - wie eine Umfrage im Frühjahr gezeigt hatte - aus Bürgersicht zentrale Aufgabe gibt es 15 Mitarbeiter derzeit nur auf dem Papier. Die Stellen sind einfach nicht besetzt worden. "Das kann so nicht bleiben", sagt Breuer. Auch für die Streifen des Kommunalen Servicedienstes fehlen seiner Überzeugung nach zwei Mitarbeiter.

Besonders drängend aber wird die Personalsituation durch die Flüchtlingsfrage. Breuer kalkuliert mit 30 neu zu besetzenden Stellen, von denen neun einer ersten überschlägigen Berechnung nach neu geschaffen werden müssten. Weil Fachpersonal schwer zu finden ist, hat Breuer am Dienstag in der Arbeitsgruppe Personal angeregt, alle Pensionäre der Stadtverwaltung anzuschreiben. Alle, die bereit wären, ihr (Verwaltungs)-Wissen noch einmal zur Verfügung zu stellen, würde er gerne in einem Pool bündeln, um personelle Engpässe ausgleichen zu können. Ob und wie das geht, werde derzeit geprüft, sagt er.

Zum Stammpersonal der Stadtverwaltung gehören aktuell 1497 Mitarbeiter, Beamte und Angestellte. Gut ein Drittel davon ist in Teilzeit beschäftigt. Damit zählt die Stadt zu den größten Arbeitgebern in der Region, hebt Personaldezernentin Dolores Burkert in ihrem Personal- und Organisationsbericht hervor. Aber die Zahl ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Vor zehn Jahren gabe es noch 270 Planstellen mehr. Allerdings wurden diese zumeist nicht wegrationalisiert, sondern im Zuge der Privatisierungen ausgelagert - an die Infrastruktur Neuss (123 Stellen), vor allem aber an das Lukaskrankenhaus, das das Altenheim Herz Jesu (70 Stellen) und alle neun städtischen Kitas (92 Stellen) übernommen hat. 20 Stellen wurden schlicht eingespart.

Aber längst nicht jede Stelle ist besetzt. Alleine im Jahr 2014 wurden 91 Stellen frei. Neun wurden eingespart, für 52 fanden sich neue Inhaber, 30 wurden auf Weisung nicht mehr besetzt. Zumindest nicht in diesem Kalenderjahr. In den ersten Monaten diesen Jahres wurde mit 35 von 60 freiwerdenden Stellen ebenso verfahren.

Eine Folge dieser Politik ist eine schleichende Überalterung der Rathausbediensteten. Ihr Altersdurchschnitt stieg in der Zeit seit 2010 von 46,9 auf 48,23 Jahre. Folge: Der Krankenstand liegt mit 6,24 Prozent schon leicht über dem Vergleichswert des Deutschen Städtetages.

"Damit gilt es insbesondere für die Stadt Neuss als Arbeitgeber, sich mit dem demografischen Wandel zu beschäftigen", sagt Burkert. Damit sich aus diesem nicht schon bald ein Fachkräftemangel ergebe.

Quelle: NGZ
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