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Neuss
Bundesweite Hilfe für MS-kranke Frau

Neuss: Bundesweite Hilfe für MS-kranke Frau
Halfen beim Aufbau der Schränke: Christel Born, Mutter Michaela und Lara Reeck montierten gemeinsam einen Küchenhängeschrank, um einer Frau aus Neuss die Wohnung einzurichten. FOTO: Woi
Neuss. Ein besonderer Tag für die 22-jährige Neusserin. Nur ein Bett stand in ihrer Wohnung. Als sie wenige Stunden nach einem Ausflug wieder heimkehrte, fand sie eine komplette Einrichtung vor. Die Hilfe kam aus der gesamten Republik. Von Kilian Treß

Die Überraschung ist geglückt. Ein komplettes Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Couch und Sofa, ja sogar die wichtige Küchenzeile hat die 22-Jährige Frau aus Neuss in ihrer Wohnung vorgefunden. Wenige Stunden zuvor stand in der kargen zwei Zimmerwohnung nur ein Bett. "Ich kann nicht beschreiben, wie glücklich ich bin", sagt die junge Frau, in deren Leben nach neun harten und verlustreichen Jahren ein bisschen Normalität einkehrt.

Die 22-jährige Neusserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung veröffentlichen möchte, leidet seit neun Jahren an Multipler Sklerose (MS). Im Alter von 13 Jahren fielen ihr plötzlich Dinge aus der Hand. Dann reagierten bei den "Schüben" die Beine nicht mehr, beschreibt die Frau ihren Krankheitsverlauf. "Bei mir schlagen nicht mal Medikamente an", sagt sie die Neusserin, die wegen Streitigkeiten nicht auf die Hilfe ihrer Familie zählen kann. Selbst ihren Job musste sie wegen der Krankheit schmeißen. Ihr Leben: ein Scherbenhaufen.

Doch eine Facebooknachricht änderte alles. Seit 2013 stand die Neusserin mit der Kaarsterin Silke Groll (41) in Kontakt. Groll gründete damals ein europaweiteres Forum für Kinder und Jugendliche mit MS, ein Projekt, das 2014 von der "Gemeinnützigen Hertie-Stiftung" ausgezeichnet wurde. Wegen Geldmangels ist es zwar eingestellt worden, über das soziale Netzwerk blieb Groll aber Ansprechpartner für alle "MS-ler" in Deutschland. Auch für die 22-jährige Neusserin. "Ich habe Silke einfach sagen wollen, wie es mir gerade geht. Ich habe gar keine Hilfe erwartet", sagt sie.

Doch dann ging alles ganz schnell. "Als ich gelesen habe, wie es dem Mädchen geht, musste ich sofort helfen", sagt Silke Groll, die nur wenigen Minuten später via Facebook ihre "MS-Community", wie sie sagt, aktivieren konnte. Über 70 Leute haben Hilfe zugesagt. Sachspenden kamen aus der gesamten Republik. Von München bis Flensburg. Sogar Geldspenden aus den Niederlanden. "Es war unfassbar, wie viele Leute sich auf den Facebook-Aufruf gemeldet haben", sagt die Initiatorin Silke Groll. Fünf Tage nach den ersten Nachrichten wurden Tische, Stühle und Schränke in vollgepackten Transportern quer durch das Land nach Neuss gefahren. "Andere Menschen haben aus ihrer Heimatstadt per Post Sachspenden geschickt", sagt Groll. "Menschen, die wegen MS kaum laufen können, haben sich also bis zur Post gequält, nur wegen uns", betont sie. "Danke."

Auch Neusser haben geholfen. Darunter Christel Born. Mit 68 Jahren war sie die älteste Teilnehmerin. "Es tut gut, dabei zu sein", sagt Christel Born. Oft würden Ältere nicht mehr gebraucht, sagt die 68-Jährige, weil man keine Sofas mehr schleppen könnte. Aber etwas Hämmern ist noch drin. "Und Brötchen schmieren für die Helfer ist ja auch wichtig", sagt die Rentnerin.

Die Jüngste, Lara Reeck, ist gerade mal 13 Jahre alt. "MS ist eine ganz blöde Krankheit", sagt sie. Ihre Mutter Michaela ist selbst an MS erkrankt, erklärt die Kleine ihre Motivation und packte sofort mit an.

Quelle: NGZ
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