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Neuss
CDU-Vorsitz: Geerlings geht die Ochsentour

Neuss: CDU-Vorsitz: Geerlings geht die Ochsentour
Eine Pause zum Durchatmen zwischen den Terminen: Jörg Geerlings (43) will Vorsitzender der CDU bleiben. Darum ist er viel unterwegs. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Dienstag wählt die Neusser CDU ihren Vorsitzenden. Die NGZ stellt die Kandidaten im parteiinternen Wahlkampf vor. Heute: Jörg Geerlings. Von Ludger Baten

Jörg Geerlings kämpft. Kein Termin ist ihm zuviel. Mit mehr als 200 Parteimitgliedern diskutierte er bei sechs Stadtteilkonferenzen, er holte mit Staatssekretär Günter Krings MdB und Fraktionsvize Peter Biesenbach MdL Politprominenz als Referenten zum Thema Sicherheit nach Neuss. Er arbeitete sauber und erfolgreich den Programm-Parteitag ab. Der alte Vorsitzende, der nach dem 15. März auch der neue Vorsitzende der 1350 Neusser Christdemokraten sein will, macht im parteiinternen Wahlkampf die Ochsentour. Er sucht die Nähe der Mitglieder und versucht, die nach Niederlagen verletzte christdemokratische Seele zu streicheln. Dabei spüre er Rückenwind, sagt er. Geerlings hält sich nach wie vor für den richtigen Kandidaten: "Die CDU Neuss benötigt politische Kompetenz und breite Führungserfahrung. Darum stelle ich mich." Außerdem, so fügt er hinzu, "passt mein Alter."

Seit 2005 führt der inzwischen 43 Jahre alte, promovierte Jurist die Neusser CDU, doch noch nie zweifelten so weite Teile der eigenen Partei an der Führungskraft ihres Spitzenmanns. Vor allem zwei Wahlniederlagen haben das Vertrauen in Geerlings erschüttert. Er verlor 2012 das Landtagsmandat an Reiner Breuer (SPD), der drei Jahre später auch der erste sozialdemokratische Bürgermeister der Stadt Neuss wurde. Geerlings und die CDU hatten auf Thomas Nickel gesetzt - und verloren. Von diesen Niederschlägen hat sich die in Neuss erfolgsverwöhnte CDU bis heute nicht erholt. Geerlings redet die Niederlagen nicht klein, gibt sich aber als Badmintonspieler und Langstreckler sportlich kämpferisch: "Wenn es nicht gut läuft, dann muss man wieder aufstehen." Er sehe sich als Kapitän - und der verlasse nicht die Brücke, wenn es einmal stürmt.

Und seit ihm mit Michael Werhahn ein ernsthafter Mitbewerber um den CDU-Vorsitz entgegentritt, ist Jörg Geerlings aufgestanden und hat den Kampf angenommen. Selbstbewusst blickt er auf seine lange Amtszeit als Vorsitzender des Stadtverbandes zurück: "Die Mehrheit aller meiner Entscheidungen war richtig." Da fuchst es ihn, dass nahezu ausschließlich Niederlagen aufgezählt werden. Er redet lieber über seine Wahlerfolge. So habe er 2013 als Wahlkampfleiter den heutigen Minister Hermann Gröhe zum Wahlkreis-Erfolg mit einem "starken Ergebnis" begleitet, und Geerlings erinnert daran, dass Gröhe 2002 das Direktmandat an den SPD-Kandidaten Kurt Bodewig verloren hatte: "Das hatten andere zu verantworten. Unter meinem Vorsitz haben Hermann und ich das Mandat zurückgeholt."

Wenn die CDU zuletzt Verluste bei den Wahlen hinnehmen musste, hat das für Geerlings vor allem einen Grund: "Wir mobilisieren unser Potenzial nicht mehr ausreichend." Um eine Wende zu ermöglichen, bedürfe es "vieler aktiver Mitglieder in der CDU". Daher gehe er bewusst in die Ortsverbände, in die Stadtteile und suche das Gespräch an der Basis: "Ich höre, welche Sorgen und Nöte die Menschen vor Ort drücken. Ich werbe aber auch dafür, dass wir gemeinsam die Ärmel hochkrempeln". Allein sei das nicht zu schaffen. Den Vorwurf, er habe erst angesichts des Mitbewerbers Michael Werhahn parteipolitische Aktivitäten im großen Maße entwickelt, weist Geerlings zurück. "Ich arbeite nur ab, was die Mitglieder dem Vorstand und mir aufgetragen haben und was ich versprochen habe. "

In die Vorstandswahl gehe er "bewusst" ohne Team. Er stelle sich dem Votum der Mitglieder, "denn die Mitglieder stellen dem Vorsitzenden anschließend die Mannschaft auf". Er könne sich gut vorstellen, dass auch Michael Werhahn in dieser Mannschaft mitwirkt: "Ich biete ihm das jedenfalls an."

Quelle: NGZ
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