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Betrüger tricksten Neusser aus
Einbruch nach Chat mit "Sweet Naddel 32"

Chat-Bekanntschaft "Sweet Naddel 32" bricht bei Mann aus Neuss ein
Nur noch Kabel erinnern an den großen Fernseher, der einst im Wohnzimmer der Eltern von Sergej Krylow zu finden war. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Sergej Krylow aus Neuss wollte eigentlich eine Frau aus dem Internet treffen. Am Ende wurde die Wohnung seiner Eltern von Unbekannten ausgeräumt. Von Simon Janssen

Nachdem sich Sergej Krylow mit einem Schraubenzieher Zugang zur Wohnung seiner Eltern verschaffte, setzte der Schock ein. "Die ganze Bude wurde ausgeräumt", erinnert sich der 28-Jährige. Wieso der Gabelstapler-Fahrer durch ein Fenster in das Gebäude einsteigen musste? Dazu später mehr.

Drei Fernseher, Schmuck und Geld sollen die Täter unter anderem mitgenommen haben. "Wir schätzen den Schaden auf rund 15.000 Euro", sagt er. Doch bei der Tat, die am vergangenen Samstag geschehen sein soll, handelt es sich nicht um einen "gewöhnlichen" Einbruch. Eine Geschichte von leichtsinnigen Fehlern, missbrauchtem Vertrauen und den Gefahren von Internet-Chats.

Von zu Hause weggelockt

Am vergangenen Mittwoch lernte Sergej Krylow, der bei seinen Eltern in Erfttal wohnt, auf der Kontakt-Plattform "Knuddels" eine Frau kennen, die sich "Sweet Naddel 32" nannte. "Sie war nett, aber irgendwann hat sie nicht mehr zurückgeschrieben", sagt Krylow. Am vergangenen Samstagmittag habe sie ihn dann erneut kontaktiert und um ein spontanes Treffen gebeten. Ein Date, dachte Krylow. Dass er im Verlauf des Chats angab, dass seine Eltern nicht zu Hause sind, sollte sich später als schwerwiegender Fehler erweisen.

Wenig später habe ihn "Sweet Naddel 32" mit dem Auto abgeholt. Seine Adresse hatte er ihr im Chat ebenfalls mitgeteilt. Am Steuer des Wagens saß ein Mann. Die Frau, die sich als Nadine vorstellen sollte, gab an, dass es sich dabei um einen Cousin handelt. Die Chat-Bekanntschaft schlug vor, zunächst zu ihr nach Wuppertal zu fahren, um einige Dinge zu holen. Danach sollte es nach Recklinghausen gehen. Dort wohne ihr Vater, der gerade nicht zu Hause sei. In seinem Haus könne man sich einen "schönen Abend machen". Der "Cousin" werde in der Zwischenzeit auf das Kind aufpassen, das auf dem Rücksitz des Autos saß. Krylow vertraute der Frau, die er auf Anfang 30 schätzt, und stieg ein.

Im Wald allein gelassen

Nach Stationen an einer Tankstelle und dem angekündigten Halt in Wuppertal bog der unbekannte Mann im Süden Recklinghausens plötzlich ab und parkte an einem Waldstück. "Nadine schlug vor, einen kleinen Spaziergang zu machen", sagt der 28-Jährige, der das Angebot annahm. Nach einem fünfminütigen Gang sei sie unter dem Vorwand, etwas vergessen zu haben, zurück zum Auto gegangen. Sekunden später hörte Krylow nur noch Motorengeräusche - und sah das Auto davon fahren. Das Problem: Sein Rucksack, in dem unter anderem Handy, Wohnungsschlüssel und Geldbörse verstaut gewesen seien, lag im Kofferraum.

Nach einem Fußmarsch durch den Wald nahm Krylow schließlich den Zug. Um 1.30 Uhr sei er in Neuss angekommen. Da seine Schlüssel gestohlen worden waren, entschloss er sich dazu, mit einem Schraubenzieher ein Fenster aufzuhebeln. "Dann habe ich den Einbruch bemerkt und sofort die Polizei gerufen", sagt der 28-Jährige, der noch nicht sicher ist, ob die Versicherung den Schaden übernimmt. Seinen Fehler bereut Krylow zutiefst. "Ich habe der falschen Person vertraut", sagt er, "und ihr meine Adresse zu geben, war leichtsinnig." In der Vergangenheit habe er fast ausschließlich gute Erfahrungen mit Internet-Dates gemacht. Eine langjährige Bekannte habe er einst bei Knuddels kennengelernt - auch wenn seine Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion angab, ihn vor Treffen mit fremden Personen gewarnt zu haben.

Die Polizei bestätigt den Einbruch im Stadtteil Erfttal. "Es wird ermittelt", teilte Sprecherin Daniela Dässel auf Nachfrage mit.

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Quelle: NGZ
 
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