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Neuss
Chefarzt Mingers geht in Ruhestand

Neuss: Chefarzt Mingers geht in Ruhestand
Für Dr. Bernd Mingers geht eine mehr als zwei Jahrzehnte währende Zeit am Johanne-Etienne-Krankenhaus zu Ende. Am 30. Juni hat er seinen letzten Arbeitstag als Chefarzt. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Seinen Nachfolger hat Dr. Bernd Mingers selbst eingearbeitet, zum 1. Juli erfolgt der offizielle Stabwechsel in der Gefäßchirurgie des Johanna-Etienne-Krankenhauses (JEK). Die neue Freizeit möchte er für seine Hobbys nutzen. Von Bärbel Broer

Zeitschriftenberge liegen aufgetürmt auf den Tischen, diverse Kartons stehen bereit: Schon auf den ersten Blick ist klar, Dr. Bernd Mingers, langjähriger Chefarzt der Gefäß- und Thoraxchirurgie am Johanna-Etienne-Krankenhaus (JEK), ist im Aufbruch. Zum 30. Juni geht der 60-Jährige in den vorzeitigen Ruhestand. 21 Jahre lang war er am JEK tätig, zunächst als leitender Oberarzt, seit 2001 als Chefarzt der Gefäßchirurgie. Er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, verrät der gebürtige Aachener. Lachend, weil er sich auf neue Aufgaben freue, die er aber vorerst nicht verraten mag. Schweren Herzens deshalb, weil er eine Gefäßchirurgie verlässt, die zu den 20 größten in Deutschland zählt, und die er maßgeblich mit aufgebaut hat.

Zum Vergleich: Insgesamt gibt es bundesweit bis zu 300 gefäßchirurgische Abteilungen. "2001 wurde auf Erlass des Regierungspräsidenten eine eigenständige gefäßchirurgische Abteilung gefordert", erinnert sich Mingers, der zeitgleich zum Chefarzt ernannt wurde. "Im Vergleich zu damals ist die Abteilung heute etwa vier- bis fünfmal so groß. Darauf bin ich stolz", gibt er zu. Wie hoch die medizinischen Standards in seiner Abteilung sind, belegen auch die Doppelzertifizierungen durch die Deutschen Gesellschaften für Gefäßchirurgie und Radiologie. Interdisziplinäres Arbeiten ist Alltag in der Abteilung. "Wir arbeiten eng mit Radiologen, Diabetologen, Nephrologen und Neurologen zusammen", erklärt Mingers.

In der wöchentlichen Gefäßkonferenz bespricht das Team gemeinsam das diagnostische und therapeutische Vorgehen für jeden einzelnen Patienten. Schwerpunkte sind chirurgische Eingriffe bei Verengungen der Halsschlagader oder bei Erweiterungen der Hauptschlagader im Bauchraum, dem sogenannten Bauchaortenaneurysma. Die Gefäßchirurgen sind zudem gefordert, wenn arterielle Verschlusskrankheiten im Leisten-, Knie- oder Fußbereich - beispielsweise bei Diabetikern, Dialyse-Patienten oder Rauchern - auftreten. Und auch die Gliedmaßen-Amputation zählt zur Gefäßchirurgie.

Mingers hinterlässt nicht nur eine gutaufgestellte Abteilung, er hat sogar seinen Nachfolger, Dr. Jens Schulte-Herbrüggen, der offiziell ab 1. Juli die Abteilung leiten wird, eingearbeitet. Denn bereits seit drei Monaten hat die Gefäßchirurgie zwei Chefärzte. "Das war ein kleines Experiment", erklärt Mingers, der zufrieden ist, dass er seinen Nachfolger beratend begleiten konnte.

"Mein Vater, der Rektor einer großen Hauptschule war, hatte sich immer gewünscht, dass sein Nachfolger bereits eher kommt. Mir war das vergönnt", sagt Mingers. Ein wenig war das "Experiment" aber auch der kurzfristigen Personalnot geschuldet. Denn seit bekannt geworden war, dass Mingers vorzeitig das JEK verlassen will, waren drei Fachärzte bereits zum 31. Dezember gegangen. Mittlerweile sind alle Stellen wieder besetzt.

Bis vor kurzem hat Mingers noch pro Woche bis zu zehn Operationen durchgeführt. "Meist große Aorten-Eingriffe", sagt er. Künftig wird der Gefäßchirurg es ruhiger angehen lassen und freut sich, Zeit für seine Hobbys zu haben. Gemeinsam mit Frau Gisela tanzt er Standard und Latein. Zudem ist er Mitglied im Chor "Lucivers", der unter anderem auf Gospel- und Rockballaden spezialisiert ist.

Quelle: NGZ
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