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Neuss
Christuskirche ohne Kantor

Neuss. Weil die Orgel der Christuskirche nach einer aufwendigen Renovierung vermutlich erst Weihnachten 2011 wieder in das Gotteshaus zurückkehrt, wird auch die Kantorenstelle in der Gemeinde vorerst nicht wiederbesetzt. Von Helga Bittner

Voraussichtlich bis Ende nächsten Jahres wird die Kantorenstelle an der Christuskirchengemeinde vakant bleiben. Vor dem Wiedereinbau der Orgel, die ab Herbst diesen Jahres in der Werkstatt ist, dürfte es problematisch sein, einen Nachfolger für den Anfang März ins mecklenburgische Neustrelitz abgewanderten Michael Voigt zu bekommen, sagt Brigitte Hintze als Vorsitzende des Presbyteriums.

So hat die Gemeindeleitung die aufwendige Renovierung des Instruments zum Anlass genommen, sich bei der Suche nach einem neuen Kirchenmusiker Zeit zu lassen. Zudem ist noch in mehrfacher Hinsicht unklar, wie die Stelle überhaupt beschaffen sein wird. Voigts Vorgänger Professor Cordt-Wilhelm Hegerfeldt hatte als hauptamtlicher Kirchenmusiker noch auf einer mit 100 Prozent ausgestatteten so genannten A-Stelle gesessen; bei Voigts Amtsantritt war sie auf 80 Prozent gekürzt, später dann mit 33 Stunden auf 85 Prozent angehoben worden.

Ob das in Zukunft so bleibt, der Posten wieder reduziert oder gar auf eine B-Stelle für nebenamtliche Musiker herabgestuft wird, ist zurzeit ebenso wenig absehbar wie die Antwort auf die Frage, wer sie tragen wird. "Wir überlegen auch, ob Fusionen mit anderen Gemeinden möglich sind", sagt Hintze. Die drängenden Finanzprobleme der evangelischen Kirche machten die Lösung nicht einfacher. Für die Übergangszeit soll es ein Ersatzorgel geben; die Koordinierung der Kirchenmusik in den Gottesdiensten übernimmt Barbara Degen.

Mit der diplomierten Kirchenmusikerin Katharina Gulke, die zurzeit ihr künstlerisches Aufbaustudium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf macht, hat die Gemeinde zudem eine Fachkraft gefunden, die sich um die Chorarbeit kümmert. Die 1981 in Wuppertal geborene Musikerin leitet die Kantorei, arbeitet mit ihr gerade an der Aufführung des "Paulus"-Oratoriums von Mendelssohn im Rahmen der Kirchenmusikwoche und gestaltet einmal im Monat einen Gottesdienst. Zudem betreut sie einen neuen Chor in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche.

Damit fühlt sich die Musikerin, die nebenamtlich noch als Organistin und Chorleiterin in Gnadental agiert, auch voll ausgelastet: "Aber es macht mir auch unglaublich viel Freude." Katharina Gulke, für die "Kirchenmusik das Herz einer Gemeinde ist", hat sich schon im Studium für den Schwerpunkt Chorleitung entschieden und mag besonders, dass sie "das ganze Spektrum vom Kindergartenkind über Jugendliche bis zu den Älteren" abdeckt. Dabei hatte Gulke nach dem Abitur erst eine Bankausbildung gemacht, aber dann "festgestellt, dass mein Herz an der Kirchenmusik hängt", sagt sie lachend.

Quelle: NGZ
 
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