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Neuss
Chronische Schmerzen können gelindert werden

Neuss: Chronische Schmerzen können gelindert werden
Schmerztherapeut Dr. Werner Moser (l.) und Orthopäde Dr. Andreas Breil setzen auf eine individuelle Therapie gegen chronischen Schmerz. FOTO: L. Berns
Neuss. Das Department für Schmerzmedizin sowie die Orthopädie des Johanna-Etienne-Krankenhauses setzen auf multi-modale Therapie. Von Bärbel Broer

Schmerzen sind eine Warnfunktion des Körpers. Sie signalisieren: Achtung, es ist etwas nicht in Ordnung! Sobald Schmerzen jedoch chronisch werden - und das gilt ab einer Dauer von drei Monaten - haben sie ihre Warn- und Schutzfunktion verloren. Die Schmerzen verselbständigen sich, beeinflussen die Psyche, und die Veränderungen sind in der Rückenmarks- und Gehirnebene nachweisbar. Mittlerweile leiden etwa 17 Prozent aller Deutschen unter chronischen Schmerzen. Für sie wurde der "Aktionstag gegen den Schmerz" ins Leben gerufen, der immer am ersten Dienstag im Juni stattfindet. An dem Aktionstag der Deutschen Schmerzgesellschaft beteiligen sich auch das Department für Schmerzmedizin sowie die Orthopädie des Johanna-Etienne-Krankenhauses (JEK).

"Sobald Schmerzen chronisch werden, ist es egal, was einmal der Ursprungsschmerz war", sagt Dr. Werner Moser, Leiter des Departments für Schmerzmedizin, das im Oktober 2015 am JEK gegründet wurde. Seitdem sind etwa 50 Patienten mit einer multi-modalen Schmerztherapie behandelt worden. Dazu zählen psycho-, physio-, ergo-, aber auch kunsttherapeutische Angebote. "Unter unseren Patienten waren Muskel-, Tumor-, Polyneuropathie- Kopfschmerz- sowie natürlich Gefäßerkrankte, weil wir einen Schwerpunkt Gefäßmedizin haben", so Moser weiter. Nicht selten seien auch Entzugsbehandlungen notwendig, da zahlreiche Schmerzpatienten über viele Jahre zu viele Opiate einnehmen.

Gemeinsam mit seinem Team aus einer Assistenzärztin, drei "Pain Nurses" - Anästhesie-Schwestern, die diese Zusatzqualifikation erworben haben -, einer Psychologin sowie einem Kunsttherapeuten, versucht er, den diffusen, chronischen Schmerz, der oft den gesamten Körper betrifft, zu behandeln.

Diese multi-modale Therapie gibt es in der Orthopädie des JEK bereits seit über einem Jahr für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Um sich dieser Behandlung unterziehen zu können, müssen mindestens drei von fünf Kriterien erfüllt sein. "Das können fehlgeschlagene unimodale Therapien, drohende Arbeitsunfähigkeit, psychische oder somatische Begleiterkrankungen, aber auch Medikamentenabhängigkeit sein", zählt der Orthopäde Dr. Andreas Breil auf.

Im Rahmen einer "aktivierenden" Schmerztherapie versuchen die Mediziner am JEK, ein Leben mit dem Schmerz zu ermöglichen. Schmerzfreiheit werden sie nicht erreichen - das wissen sowohl Breil als auch Moser. Aber mit Entspannungstechniken, Krankengymnastik und zahlreichen anderen Therapien sei es möglich, den Schmerz zu reduzieren. "Mein Anliegen ist es, gegen den chronifizierten Schmerz in all seinen Facetten anzugehen", sagt Moser.

Dafür müsse der Patient jedoch auch aktiv mitmachen. "Nur jammern geht nicht", so der Anästhesist, der die Zusatzqualifikation zum Schmerztherapeuten erworben hat. Die erlernten Therapien müssten zu Hause auch umgesetzt werden.

Die Mediziner sind überzeugt: Nur so sei es möglich, den Teufelskreis aus Schmerz, Anspannung, Angst, Bewegungseinschränkung, Depression, Rückzug und Schmerzverstärkung zu durchbrechen.

Quelle: NGZ
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