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Neuss
City im Wandel der Zeit
100 Prozent Neuss: Das sagen Inhaber von Traditionsgeschäften
100 Prozent Neuss: Das sagen Inhaber von Traditionsgeschäften FOTO: Berns, Lothar
Neuss. Die Neusser Innenstadt blickt auf einen regen Wandel in den vergangenen Jahren zurück: Die Reduzierung des Verkehrs in der City änderte das Stadtbild erheblich. Händler und Experten sehen Neuss auf einem guten Weg. Es gibt aber auch weiterhin Kritikpunkte. Von Urs Lamm

Dicht gedrängt durch die City bummeln, eingeengt von der Straßenbahnlinie 709, die in beide Richtungen unterwegs ist: So sah die Situation zwischen Kastellstraße und Markt lange aus. Bis die Stadt 2008 das Rückgrat der City umbaute. Kanalrohre mussten saniert werden, Gleise erneuert werden. Außerdem wurde die Einkaufsmeile attraktiver gemacht, indem die Straßenbahn den Weg frei machte. Fortan rollte sie zwischen den Haltestellen Niedertor und Markt nur noch einspurig.

Kompromisslösung

Die einspurige Führung der Straßenbahn barg großes Diskussionspotenzial. Die Stadtoberen dachten zeitweise laut darüber nach, ob man die Straßenbahn nicht ganz aus der Innenstadt verbannen soll. Ein Bürgerentscheid förderte jedoch zutage, dass die Neusser gegen diese Idee waren. "Im Prinzip war es eine Kompromisslösung: Die einspurige Führung der Straßenbahn macht die Einkaufsmeile schöner. Gleichzeitig gibt es aber immer noch die Möglichkeit, die Straßenbahn als Verkehrsmittel zu nutzen“, sagt Christoph Napp-Saarbourg von der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN).

Autofreie Zone

Wenige Jahre zuvor hatte die Stadt aus dem Marktplatz bereits eine autofreie Zone gemacht. Folge: Es siedelte sich jede Menge Gastronomie an, der Platz entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt. Vorgabe an die die Inhaber: Sie müssen ihre Außengastronomie einheitlich gestalten: ähnliche Schirme, ähnliche Stühle. So ist es vertraglich mit der Stadt festgehalten. Neben dem Marktplatz zählen auch der Münsterplatz sowie der gerade neu gestaltete Platz am Romaneum zu beliebten Treffpunkten der Stadt.

1a-Lage

Neusser Händler sehen die Veränderungen der vergangenen Jahren grundsätzlich positiv. „Die Neugestaltung des Marktplatzes sowie die einspurige Führung der Straßenbahn waren gute Entscheidungen“, sagt etwa Dieter Bunse vom Blumengeschäft Bunse. Marcus Freistühler von der Gewürzmühle Engels sieht die Geschäfte am Büchel in einer 1a-Lage. Vera Kachulle von Süßwaren Mayser lobt die Gestaltung des Münsterplatzes, übt aber Kritik an der Straßenbahnführung. "Ich hätte die Straßenbahn gerne ganz aus der City“, sagt die 34-Jährige. Jochen Niehoff, Geschäftsführer Modehaus Heinemann, schlägt in die gleiche Kerbe: “Mit dem Autoverkehr hätte auch der Straßenbahnverkehr ganz aus der City verschwinden müssen. Das wäre konsequent gewesen.“ Kachulle und Freistühler bedauern außerdem den Einzug der großen Ketten in die Innenstadt, fügen aber auch an, dass diese Entwicklung in vielen Städten zu beobachten und nicht zu ändern sei. Niehoff fehlen Mitbewerber aus seiner Branche. "Ich hätte gegenüber unseres Modehauses lieber fünf große Textilgeschäfte."

Christoph Napp-Saarbourg sieht Neuss auf einem guten Weg. Die Veränderungen der vergangenen Jahre seien richtig. Es gelte, künftig dass passende Paket zu schnüren. Freizeitangebote müssten in der Innenstadt genauso gegeben sein wie Wohnraum, Schulen oder Arztpraxen. Die richtige Mischung mache die City attraktiv. Außerdem müsse offensiv mit der großen Tradition der Stadt umgegangen werden. „Neuss ist schön. Das müssen die Neusser künftig vielleicht noch besser kommunizieren.“

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