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Neuss
Das Comeback des Hermann-Josef Baaken

Neuss. Die neue Stimme der CDU-Ratsfraktion gehört einem alten Bekannten: Hermann-Josef Baaken (55). Er soll die Politik der größten Fraktion dem Bürger besser erklären. An dieser Aufgabe ist Baaken schon einmal gescheitert - fraktionsintern. Von Ludger Baten und Christoph Kleinau

Hermann-Josef Baaken (55) ist nicht das, was der Volksmund einen Leisetreter nennt. Der promovierte Agraringenieur ist laut, spontan, meinungsfreudig. Harmonie auf niedrigem Niveau ist ihm langweilig. Er liebt und spricht Klartext. Dem Uedesheimer mit Wahlkreis in Grimlinghausen fällt fortan die Aufgabe zu, die Ergebnisse der Politik seiner CDU-Fraktion, immerhin die kopfstärkste im Rat, den Neussern besser zu erklären. Den Aufstieg zum Kommunikationschef verdankt Baaken vor allem seiner Vorsitzenden. Helga Koenemann ernannte ihn auf der jüngsten Sitzung der Christdemokraten zum Pressereferenten der Fraktion: "Wir müssen nach außen darstellen, wie breit die Fraktion ist - und wie fleißig."

Zunächst ist Baaken nur bis zur Halbzeit der laufenden Wahlperiode in einem Jahr bestellt. Dann steht turnusgemäß die Wahl des kompletten Fraktionsvorstandes an. Als "gute Wahl" bezeichnet Ratsherr Sebastian Rosen die Berufung Baakens: "Er besitzt die Fähigkeit, unsere Politik pointiert in der Öffentlichkeit darzustellen." Baaken geht seine Aufgabe mit Elan und Selbstbewusstsein an: "Kommunikation ist mein Leben!" In der aktuellen politischen Situation sei es wichtiger denn je, die CDU-Positionen in einem Spannungsfeld deutlich zu machen: "Die CDU führt als mit Abstand stärkste politische Kraft die schwarz-grüne Koalition an. Sie muss ihre Rolle gegenüber dem Bürgermeister als Verwaltungschef deutlich machen."

Dass Hermann-Josef Baaken nach mehr als zehnjähriger Pause auf den Posten des Kommunikationschefs seiner Fraktion zurückkehrt, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. In seinem ersten politischen Leben (Ratsherr von 1994 bis 2004) stieg er bis zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden auf. 2003 probte er den Aufstand. Gemeinsam mit Bernd Koenemann, Heinz Hick, Anne Holt und Michael Werhahn attackierte er den damaligen Bürgermeister Herbert Napp. Später preschte er mit der Idee vor, den Grünen das Vorschlagsrecht für einen Beigeordneten einzuräumen, um eine Option für eine schwarz-grüne Ratskoalition zu schaffen. Was heute Realität ist, löste damals ein politisches Erdbeben aus. Am Ende zog sich Baaken weitgehend aus der Politik zurück. Wohl aber leitete er 2004 den Kommunalwahlkampf. Das Ergebnis: Herbert Napp wird mit 66,2 Prozent als Bürgermeister im Amt bestätigt; die CDU schafft mit 50,8 Prozent die absolute Mehrheit. "Alte Geschichten", sagt Baaken ungewohnt defensiv, "heute haben wir eine ganz andere Situation. Heute steht es uns zuweilen gut zu Gesicht, auch Demut zu üben."

Genau an diesem Punkt setzt offenbar Helga Koenemann ein. Sie will zwar politische Realitäten anerkennen, strebt aber gleichzeitig die Meinungsführerschaft an. Das Bürgermeisteramt habe die CDU an die SPD verloren. Die Folge: "Wir haben von der Partei einen Kampfauftrag erhalten." Diesen Kampf habe sie als Fraktionsvorsitzende im Rat zu führen und zu organisieren. Darum sei ihr der Aufbau einer neuen Kommunikationsstruktur so wichtig. In Hermann-Josef Baaken habe sie den richtigen Mitstreiter gefunden: "Er kann das und er hat Ideen." Sie habe kein Problem, Dinge zu delegieren: "Das gehört zu meiner Art, die Fraktion zu führen."

Quelle: NGZ
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