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Neuss
Das "Etienne" schreibt schwarze Zahlen

Neuss: Das "Etienne" schreibt schwarze Zahlen
Paul Kudlich leitet als Geschäftsführer das Johanna-Etienne-Krankenhaus seit August 2014. Niederlagen habe er seitdem nicht hinnehmen müssen, sagt der 38-Jährige, sein Haus schreibe schwarze Zahlen. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Paul Kudlich zieht als Geschäftsführer des Johanna-Etienne-Krankenhauses eine zufriedenstellende Bilanz. Den Kampf um eine anerkannte geriatrische Fachabteilung hat er noch nicht aufgegeben. 2018 wird ein Jubiläum gefeiert. Von Bärbel Broer

Mindestens ein Jahr lang werde das Hauptsacheverfahren wohl noch laufen, vermutet Paul Kudlich (38), Geschäftsführer am Johanna-Etienne-Krankenhaus. Gemeint ist damit die Klage gegen den Bescheid der Bezirksregierung, am Lukaskrankenhaus eine Fachabteilung für altersspezifische Erkrankungen (Geriatrie) zu etablieren, die sowohl die Kreiskrankenhäuser als auch das JEK gerne gehabt hätten. "Eine geriatrische Fachabteilung macht eigentlich in jedem Krankenhaus einen gewissen Sinn", sagt Kudlich. Allein schon aufgrund der demografischen Entwicklung. Eine Geriatrie sei aber auch nicht per se ein "Goldesel". Sie erfordere auch viel "sprechende Medizin". "Dahinter stehen Menschen, selten große Operationen", erklärt er.

Eine Niederlage sei es daher nicht, dass das "Etienne" nicht den Zuschlag für eine Geriatrie erhalten habe. "Niederlagen habe ich ohnehin noch keine erlebt", zieht er Bilanz, seitdem er vor anderthalb Jahren ans Haus gekommen ist. Am 1. August 2014 hatte er zunächst als Krankenhausdirektor begonnen und ab 2015 im Zuge der Umstrukturierung des "Etienne" die Geschäftsführung übernommen.

Seine offizielle Vorstellung erfolgte zeitgleich mit der Eröffnung des neuen Parkhauses, das 353 zusätzliche Stellplätze für Besucher und Mitarbeiter aber auch Anwohner bietet. "Es lief erst schleppend an. Doch nach etwa einem halben Jahr wurde das architektonisch schöne Gebäude auch als Parkhaus erkannt und wird mittlerweile gut angenommen", sagt Kudlich. Das hat umliegende Straßen deutlich entlastet.

Rückblickend zeigt sich Kudlich mit dem Erreichten sehr zufrieden: "Wir sind etwas wirtschaftlicher geworden, haben ein starkes, solides Krankenhaus mit schwarzen Zahlen." Er habe sich bewusst für das Klinikum auf der Furth entschieden, so Kudlich. "Denn im Rhein-Kreis gibt es ein gesundes Miteinander. Das Lukaskrankenhaus hat nicht alles, was wir haben und umgekehrt. Das ist ein Riesenvorteil. Wenn man den Rhein überquert, ist das schon ganz anders - dort gibt es aus meiner Sicht einen Überwettbewerb."

Alleinstellungsmerkmale und bedeutende Schwerpunkte des "Etienne" seien unter anderem das Brustzentrum, die Neurologie mit der Stroke-Unit für Schlaganfallpatienten, das Gefäßzentrum, die Orthopädie sowie die onkologischen Bereiche Darm, Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und die Thoraxchirurgie. Die größtenteils zertifizierten Zentren leisteten qualitativ hochwertige Arbeit. Deshalb habe er sich geärgert über die Klinikbewertungen der AOK Rheinland/Hamburg, bei denen sowohl das "Lukas" als auch das "Etienne" nur durchschnittliche Noten erhielten.

"Die Datenerfassung dabei weist viele Ungereimtheiten auf", kritisiert Kudlich die AOK-Methodik. So unterscheide die Codierung nicht zwischen akuten und geplanten Gallenoperationen, nennt er ein Beispiel. Deshalb habe er mit dem AOK-Regionaldirektor den Dialog gesucht. "Es heißt ja nicht, dass wir nicht auch unsere Hausaufgaben machen müssen. Aber wir sind nicht so schlecht, wie das Ranking suggeriert", sagt Kudlich.

Bis zum 50-jährigen Bestehen des Hauses im Jahr 2018 hat Kudlich noch einiges zu erledigen. Vor allem die Sanierung einiger Gebäudeteile sei geplant. Denn noch verfügt nicht jedes Zimmer im Bettentrakt über eine eigene Dusche. Patientenkomfort sei ein wichtiges Thema für ein Krankenhaus, so Kudlich. Ebenso wichtig wie gutes Essen.

Quelle: NGZ
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