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Neuss
Das Further Markisen-Kollektiv

Neuss: Das Further Markisen-Kollektiv
Udo Scheil hält im Büro die Stellung, Karl-Heinz Scheil (r.) und die vier anderen "Durchblick"-Gründer sind für die Kunden unterwegs. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Die Kündigung war ein Schock, dann rappelten sich fünf Kollegen auf und gründeten gemeinsam ein eigenes Unternehmen. Die Firma "Durchblick" auf der Furth. Nun machen sie auf eigenes Risiko, was sie als Angestellte taten. Von Christoph Kleinau

Sie waren fünf Kollegen, sie wurden zu fünf Leidensgenossen, jetzt sind sie fünf Partner: Karl-Heinz, Udo und Markus Scheil sowie Uwe Klöppel und Michael Lingoth haben sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig gemacht. "Durchblick" heißt ihr Unternehmen, dessen Geschäftskonstruktion von allen Stellen, mit denen die fünf Männer auf dem Weg zur eigenen Firma zu tun hatten, zunächst skeptisch beäugt wurde. Aber die Fünf glauben an den Erfolg – und bürgen für den Gründungskredit sogar mit einem Privathaus.

Die Kündigung im vergangenen Mai "war ein Schock", gibt Udo Scheil (49) zu. Er hatte in seiner alten Firma gelernt, den Meister gemacht, gehörte 32 Jahre lang zum Team, war mit seinem Chef verschwägert und befreundet. Vorbei. Auch seine Brüder und die beiden anderen Kollegen gehörten lange zur Achternbosch GmbH. Auch sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte, als ihnen Thomas Achternbosch die Umwandlung seiner Firma und damit auch ihre Kündigung zum Jahresende 2009 eröffnete.

Dem Schock folgte die trotzige Aufbruchstimmung: Warum nicht auf eigenes Risiko und eigene Rechnung genau das tun, was man über Jahre als Angestellter getan hatte? Garagentore, Haustüren und Fenster monieren, Markisen und Rollladen verkaufen? Dass das Erfolg haben könnte, daran glaubte Udo Scheil von Anfang an. Denn er saß bei der alten Firma im Büro und "sah, was wir für Umsatz machten."

Die neue Firma, die in drei Hallen einer ehemaligen Autowerkstatt an der Venloer Straße untergekommen ist, sollte allen fünf Gesellschaftern zu gleichen Teilen gehören. Alles Indianer – keiner ein Häuptling. Denn auch wenn Udo Scheil im Büro die Fäden organisatorisch in der Hand behält, so gilt doch, dass alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam gefällt werden. Nach dem Mehrheitsprinzip; Einstimmigkeit sei nicht Voraussetzung, sagt Scheil.

Dieses fasst schon kommunistische Prinzip wurde immer wieder hinterfragt. Denn wer sollte der zentrale Ansprechpartner, wer haftbar sein? "Alle haben gesagt, das geht nicht gut", sagt Udo Scheil. So wurde ein Gesellschaftervertrag erarbeitet, der zum Beispiel regelt, was passiert, wenn – nur mal angenommen – einer aus dem gemeinsamen Boot irgendwann einmal aussteigen möchte.

Der Gründerelan allerdings ist groß, denn die eigene Firma wird als Chance gesehen. "Wir wollen keine Reichtümer verdienen, wir brauchen ein Einkommen", sagt Scheil. "Jeder weiß, worum es geht." Bis zum Oktober wird die Gründung noch vom Arbeitsamt gefördert, dann muss das Unternehmen seine Gründer selbst ernähren können. Auch dann wird gelten, dass jeder das Gleiche verdient. Und selbst wenn es weniger sein sollte als früher – es ist die eigene Firma. "An Urlaub ist erst einmal nicht gedacht", sagt Scheil.

Quelle: NGZ
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