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Neuss
Das Gerangel um günstige Wohnungen

Neuss: Das Gerangel um günstige Wohnungen
Trennung, Jobverlust, Krankheit - nicht immer ist ein Wohnungswechsel vorherzusehen. Wer nur wenig Geld hat, muss in Neuss lange suchen, bis er eine neue Bleibe findet. FOTO: Archiv
Neuss. Eine bezahlbare Bleibe ist in Neuss nur schwer zu finden. Schon jetzt reicht das Angebot nicht für alle Menschen mit geringem Einkommen. Darüber hinaus sucht die Stadt Unterkünfte für Obdachlose und Flüchtlinge. Von Susanne Genath

Noch kann Neuss durchatmen. Vor einigen Wochen hatte die Stadtverwaltung befürchtet, schon jetzt 100 bis 200 Flüchtlinge pro Woche unterbringen zu müssen. Das ist bislang nicht der Fall. So bleibe etwas mehr Zeit, sich nach passenden Räumen umzuschauen, sagt Hans-Peter Oebel vom Sozialamt. Denn günstiger Wohnraum ist in der Quirinusstadt knapp.

"Das Angebot in Neuss reicht bereits jetzt nicht, damit alle, die von Hartz IV oder der Grundsicherung leben, eine Wohnung zu der vorgeschriebenen Höchstmiete finden", weiß der eigentlich pensionierte Sozialamtsleiter, der noch bis Jahresende im Dienst ist. Der Hartz-IV-Satz sehe für eine Einzelperson rund 390 Euro für Kaltmiete und Betriebskosten vor, für ein Paar 480 Euro und für eine vierköpfige Familie 665 Euro.

Hinzu komme, dass es bei günstigen Wohnungen nur wenig Fluktuation gebe. "Wer einmal eine gefunden hat, zieht nicht so schnell wieder aus." Dementsprechend lang seien die Wartelisten bei den Sozialwohnungen der Neusser Wohnungsbaugesellschaften. Eine genaue Übersicht darüber hat die Stadt nicht. "Wir stellen zwar Wohnberechtigungsscheine aus. Aber wir vermitteln nicht in entsprechende Wohnungen." Die Betroffenen müssten selbst suchen.

Auch für Obdachlose benötigt die Stadt regelmäßig passende Räume. "Wir haben es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durch aufsuchende Sozialarbeit geschafft, Räumungen zu vermeiden", berichtet Oebel. Dadurch habe die Stadt einen Großteil der früheren Obdachlosenunterkünfte aufgeben können. Nichtsdestotrotz werde es in den noch verbliebenden Unterkünften mitunter eng, gerade im Winter. Zumal nicht nur Neusser in Not ein Obdach bräuchten, sondern regelmäßig auch Ausländer auf Durchreise. "Wir haben hier im Schnitt 20 bis 30 Reisende - überwiegend aus Osteuropa -, die eine Unterkunft suchen", berichtet Oebel. Jeder dürfe über Nacht in eine der städtischen Einrichtungen kommen. "Soweit ich zurückdenken kann, ist hier noch niemand auf der Straße erfroren."

Die Stadt hält, je nach Personenkreis, verschiedene Angebote vor: Im Haus am Derendorfweg nächtigen durchschnittlich 25 alleinstehende wohnungslose Männer. Für Männer mit besonderen sozialen Schwierigkeiten stehen 38 Plätze im "Haus Lebensbrücke" an der Normannenstraße zur Verfügung. Wohnungslose Frauen werden in Neusser Hotels, vereinzelt auch in Privatwohnungen oder in betreute Wohnungen untergebracht, teilt Ernst Goertz vo der Zentralen Fachstelle für Wohnen mit. Für Familien, die nach einer Zwangsräumung auf der Straße stehen, habe die Stadt separate Unterkünfte.

"Bislang versuchen wir, Flüchtlinge und Obdachlose getrennt unterzubringen", sagt Oebel. Eventuell sei dies künftig aber nicht mehr möglich. "Das wird eine Herausforderung. Gegebenenfalls brauchen wir dann auch mehr Ressourcen."

Quelle: NGZ
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