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Neuss
Das Herzstück der Parkinson-Selbsthilfe

Neuss: Das Herzstück der Parkinson-Selbsthilfe
Immer freitags trainiert Egon Negele in der Halle der St.-Konrad-Schule mit Parkinson-Patienten, damit diese ihre Fitness erhalten. FOTO: Parkinson-Verband
Neuss. Vor 35 Jahren wurden in Neuss der Bundesverband und die erste Regionalgruppe der Deutschen Parkinson-Vereinigung gegründet. Das soll am kommenden Sonntag im Landestheater gefeiert werden, wo sich der Verband vorstellt. Von Christine Sommerfeld

Beim Gitarrespielen fehlte plötzlich die nötige Beweglichkeit der Finger, beim Nordic Walking fiel es ihm immer schwerer, die Hände abwechselnd zu öffnen und zu schließen. Ein Termin beim Neurologen brachte vor rund fünf Jahren Gewissheit: Egon Negele (75) leidet unter Parkinson. Eine Diagnose, die so manchen Menschen aus der Bahn wirft. Schließlich ist Parkinson nicht heilbar, nur die Symptome lassen sich lindern. Doch Negele, der bis zu seinem Ruhestand als Leitender Stadtverwaltungsdirektor im Neusser Rathaus tätig war, lässt sich nicht unterkriegen: Er treibt viel Sport, sucht täglich die körperliche und geistige Herausforderung, um trotz "Morbus Parkinson" so fit wie möglich zu bleiben. Von seinem positiven Umgang mit der Erkrankung sollen auch andere Menschen profitieren: Seit drei Jahren leitet Negele die Regionalgruppe Neuss der Deutschen Parkinson-Vereinigung und gründete dort eine eigene Reha-Sportgruppe.

"Meine Tätigkeit für die Parkinson-Selbsthilfe kommt zeitlich einem Halbtags-Job gleich", berichtet der Gruppenleiter. So gilt es nicht nur die Post zu bearbeiten, Mitteilungen zu schreiben und die Buchführung zu erledigen, sondern auch Erkrankte und deren Angehörige zu beraten, Vorträge zu halten und Veranstaltungen zu planen. Im Moment ist Negele mit der Vorbereitung einer Geburtstagsfeier beschäftigt, die am Sonntag, 11. September, um 15 Uhr im Foyer des Rheinischen Landestheaters beginnt: Dann feiert die Parkinson-Regionalgruppe Neuss ihre Gründung vor 35 Jahren.

Am 21. Oktober 1981 gründete der Neusser Hans Tauber mit einigen Mitstreitern zunächst die Deutsche Parkinson-Vereinigung. Der Bundesverband hat noch heute seinen Sitz in Neuss. Wenig später wurde auch die erste deutsche Regionalgruppe in Neuss aus der Taufe gehoben. Trotz oder gerade wegen des ernsten Hintergrunds soll am Sonntag viel gelacht werden: "Wir haben noch nie gemeinsam gefeiert und wollen den 35. Geburtstag zum Anlass nehmen, ein paar fröhliche Stunden miteinander zu verbringen - ohne lange Reden", wünscht sich der Regionalleiter.

Dazu haben die Mitglieder einiges vorbereitet: Es singt der Chor der Reha-Sportgruppe, die zudem Partytänze zeigt. Außerdem gibt es eine Stepptanz-Vorführung und ein "allgemeines Tanzvergnügen".

Dass bei der Geburtstagsfeier so viel getanzt und gesungen wird, hat einen doppelten Grund. Denn dies macht nicht nur Spaß, sondern kann vor allem für Parkinson-Erkrankte sehr hilfreich sein: "Sport ist neben der medikamentösen Behandlung die wichtigste Therapie zur Verbesserung der Beweglichkeit, der Koordination und des Gleichgewichts", erklärt Negele. Und das Singen verbessere die Artikulation. Denn Parkinson geht mit einer zunehmenden Versteifung der Muskeln einher, worunter auch die Aussprache leidet. Jeden Freitag versuchen die Mitglieder der Reha-Sportgruppe unter der Anleitung von Negele daher gemeinsam, ihre Beweglichkeit und allgemeine Fitness zu erhalten und zu verbessern. Dazu steht in der Turnhalle der St. Konrad-Schule in Gnadental Balancieren, Ball spielen oder Rückentraining auf dem Programm. Denjenigen, die ebenfalls die Diagnose Parkinson erhalten, rät Negele, offen mit der Erkrankung umzugehen. Die Selbsthilfegruppe sei für alle "wie eine große Familie", in der man sich austauschen und gegenseitig unterstützen könne.

Quelle: NGZ
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