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Neusser Woche Galoppsport In Neuss
Das lange Sterben eines Markenzeichens

Neuss. Der Reit- und Rennverein kommt erneut seinen Verpflichtungen gegenüber der Stadt nicht nach. Hat der Turf in Neuss überhaupt noch eine Zukunft?

Als ich vor fast 40 Jahren nach Neuss kam, hatte ich von drei Institutionen gehört. Ich kannte den VfR 06, die Blumenversteigerung und die Galopprennbahn. Inzwischen dümpelt der VfR 06 in der Kreisliga C und die Blumen werden längst in Straelen versteigert. Nur die Rennbahn gibt es noch, Rennen zuweilen auch. Doch wer hören will, der hört am Hessentor das Totenglöckchen.

Derbysieger wurden dort trainiert; zuletzt Nicaron 2005. Gerade einmal etwas mehr als zehn Jahre ist das her. Die großen Jockeys ritten in Neuss, darunter Lester Piggott. Auch der legendäre Stallbesitzer vom Golf, Scheich Al Maktoum, war schon zu Gast. Die Silvestermeetings mit Championatsehrung waren gesellschaftliche Ereignisse. Vergangenheit. Vorbei. Der gastgebende Verein kann als Betreiber nicht einmal mehr die Pacht für die Nutzung der Bahn aufbringen und kommt seinen Verpflichtungen bei der Grünpflege gegenüber der Stadt nicht nach. Einmal mehr soll nach einer zukunftsfähigen Lösung gesucht werden ...

Dass das Rennbahn-Gelände als grüne Lunge erhalten bleibt, sollte oberste Priorität haben. Die Turngemeinde dort mit einem Sportzentrum anzusiedeln, macht Sinn, ebenso eine Sporthalle - aber bitte mit ausreichend Zuschauer-Kapazität auch für einen Handball-Zweitligisten. Ob aber auch der Galoppsport letztlich Teil dieser Lösung sein wird, bleibt offen. Der Turf ist - zumindest in Deutschland - in der Krise. Rat und Verwaltung sind keine Vorwürfe zu machen. Immer wieder wurde in die Infrastruktur investiert. Allwetterbahn, Flutlicht, neues Rennbahn-Gebäude und auch der Verein erhielt meist Verträge mit für ihn wohlwollenden Klauseln.

Jetzt ist der Vereinsvorstand um Jan-Antony Vogel an der Reihe. Er muss entscheiden, ob er Galoppsport in Neuss lebensfähig organisieren kann. Über kleine Hilfestellungen der öffentlichen Hand kann man reden, aber der Verein ist am Zug. Tradition allein recht nicht.

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Quelle: NGZ
 
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