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Neuss
Das letzte Programm von zwei Musikvereinen

Neuss. Das Jahreskonzert des Städtischen Musikvereins Neuss 1844 und des Musikvereins Grevenbroich 1927 in der gut besuchten Further Christ-König-Kirche verbreitete allein deshalb eine besondere Stimmung, weil die Zusammenarbeit dieser festen Chorgemeinschaft mit diesem Konzert beendet ist. Am kommenden Sonntag singen beide Chöre noch einmal in der katholischen Pfarrkirche St. Stephanus in Grevenbroich zusammen, dann endet eine Tradition mit vielen Höhepunkten besonders im oratorischen Bereich, die seit 1934 bestand.

Der Grevenbroicher Musikverein hat in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen gefeiert und dann beschlossen, aus Alters- und finanziellen Gründen die Chorarbeit aufzugeben. Christine Hillert, die Vorsitzende des Neusser Musikvereins, bedauert diesen Schritt sehr, ist aber fest entschlossen, für das eigene Jubiläum "175 Jahre Musikverein Neuss" im Jahre 2019 zu arbeiten und freut sich, dass vor allem jüngere Mitglieder aus Grevenbroich weiter nach Neuss zur Probe kommen.

Für die Zuhörer in der Christ-König-Kirche kam diese Nachricht überraschend, denn die rund 60 Mitglieder der Chorgemeinschaft präsentierten sich bei Antonio Vivaldis "Gloria in D" bis zu großen Schlussfuge als sehr homogenes Ensemble. Bereits die Fuge "Propter magnam" hatte der Sopran sehr rein intoniert.

Seit vielen Jahren begleitet die Niederrheinische Philharmonie die Chorgemeinschaft, an das präzise Dirigat des neuen Dirigenten Christian Parsiegel müssen sie sich noch gewöhnen, denn einige Male nahmen sie das geforderte Tempo erst spät auf. Die Zeiten, wo man mehr auf den Konzertmeister achtete, sind Geschichte.

Das Hauptwerk des Konzertes war das "Stabat Mater" von Gioacchino Rossini. Der bedeutende italienische Opernkomponist verleugnet auch in diesem Werk, das die Schmerzen der Mutter Maria angesichts ihres gekreuzigten Sohnes in ein Gebet fasst, seine opernhafte Schreibweise nicht.

Belcanto steht neben Fuge, Buffooper neben A-cappella-Stil. Die "Introduktion" bringt ein "Lamento" in fast barocker Form, aber schon der zweite Satz ist eine Bravourarie für den Tenor, in diesem Fall also für Thorsten Büttner, die angesichts des tieftraurigen Textes fast zu schön ist. Thorsten Büttner hatte wie auch die anderen Solisten Arminia Friebe (Sopran), Ulrike Kamps-Paulsen (Alt) und Milcho Borovinov (Bass) genügend Opernerfahrung, um diese Musik authentisch zu präsentieren. Gleichwohl gelang ihnen im "Quando corpus morietur" ein sorgfältig und geschmackvoll gestaltetes A-cappella-Quartett.

Die oft dramatisierenden Choreinwürfe kamen vollendet, die gute Leistung des Chores endete in der "Amen"-Doppelfuge von Rossinis Werk zum Finale geradezu überwältigend.

(Nima)
 
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