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Neuss
Das Museum braucht Platz und Personal

Neuss: Das Museum braucht Platz und Personal
Uta Husmeier-Schirlitz FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Eine Schenkung stellt das Clemens-Sels-Museum vor Herausforderungen. Sie wurde nun Gegenstand einer Diskussion. Von Dagmar Fischbach

Es klingt nach einem Sechser im Lotto: Das Clemens-Sels-Museum soll eine kostbare Sammlung geschenkt bekommen. Zahlreiche Gemälde, Möbel, Glas- und Keramikobjekte, insgesamt 600 Exponate, will ein privater Sammler dem Museum übereignen. Die weltweit wichtige Sammlung zum Jugendstil hat einen geschätzten Wert von rund 35 Millionen Euro. Aber an die Gabe ist eine Bedingung geknüpft: Das Clemens-Sels-Museum muss erweitert werden. Für das Museum Anlass zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Fachkollegen aus anderen Häusern der Republik. Unter dem Titel "Museum heute - professionelles und verantwortliches Handeln" hatte es zur Podiumsdiskussion eingeladen.

Professor Eckhart Köhne zeigte sich begeistert. Der Präsident des Deutschen Museumsbundes gestand, zum ersten Mal in Neuss zu sein. "Das Gebäude versteckt sich nicht. Es präsentiert sich einladend und offen. So sollten Museen heute sein. Ankerpunkte der Kultur und Orte der Zusammenkunft", sagte er. Die Schenkung sei eine Chance, das Museum in den Focus und in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. "Sie scheint ideal zum Haus zu passen."

Das Clemens-Sels-Museum sei ein traditionsreicher Standort für den Symbolismus, ergänzte Direktorin Uta Husmeier-Schirlitz. "Aber die neue Sammlung muss sichtbar sein. Sie braucht Platz und Personal", erläuterte sie. Das Museum habe zwar insgesamt 2700 Quadratmeter, durch die großzügigen Bewegungsräume aber nur rund 900 Quadratmeter Ausstellungsfläche. "Und durch die Sanierung haben wir keine zusätzliche Fläche bekommen. Wir haben jetzt zwar einen Ausstellungsraum mehr, dafür ist aber die Bibliothek weggefallen", sagte sie. Der Direktor des Osthaus Museums in Hagen, Tayfun Belgin, unterstrich: "Kunstwerke müssen präsentiert werden." Sein Haus bildet mit dem Emil-Schumacher-Museum das vor rund sechs Jahren eröffnete Kunstquartier Hagen. Durch Um- und Anbauten hatte es damals rund 380 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzu gewonnen. "Trotzdem stellen wir nur rund zehn Prozent dessen aus, was wir haben. Ein Museum muss lebendig gehalten werden", sagte er. Auch die Anforderungen an die Museen und ihre Mitarbeiter hätten sich verändert. "Die Bürger wollen den Dialog mit der Wissenschaft", stellte er fest. Um dem gerecht zu werden, bedürfe es Personal. Im Essener Museum Folkwang kümmern sich 80 Angestellte um Erhalt, Pflege, Erforschung und Ausstellung der Exponate, berichtete Direktor Tobia Bezzola. "Was das Publikum von einem Museum sieht, ist in etwa die Spitze eines Eisberges. Ein großer Teil der Arbeit läuft im Verborgenen", erklärte er. Im Neusser Museum gebe es nur neun Angestellte, zwei davon in Teilzeit, die vor und hinter den Kulissen arbeiten, erläuterte Husmeier-Schirlitz. "Wir sind personell bescheiden aufgestellt. Sollte die neue Sammlung kommen, würde das auch einen Personalzuwachs bedeuten."

Quelle: NGZ
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