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Neuss
Das Neusser Gesicht des Buddhistentages

Neuss: Das Neusser Gesicht des Buddhistentages
Gia Phuoc Nguyen hat bereits zum zweiten Mal den vietnamesisch-europäischen Buddhistentag nach Neuss geholt. Die Turnhalle der Gesamtschule an der Erft haben die Teilnehmer zur Gebetshalle umfunktioniert. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Der 43-jährige Gia Phuoc Nguyen ist in den 80er Jahren aus Vietnam nach Neuss geflüchtet. Bereits zum zweiten Mal hat er den vietnamesisch-europäischen Buddhistentag in die Stadt geholt. Über 500 Buddhisten aus Europa nehmen teil. Von Katrin Haas

Chánh Diên steht auf dem weißen Zettel, der an der Tür der Turnhalle hängt - Gebetshalle. Morgens um 6 Uhr beginnt hier in der Gesamtschule an der Erft die Andacht. Diese Zeit des Tages genießt der 43-jährige Gia Phuoc Nguyen am meisten: "Da denkt man klarer und hat noch wenige Gedanken im Kopf. Dort spürt man auch die Aura der Mönche und Nonnen am besten."

Nguyen arbeitet als Bauleiter beim Technischen Gebäudemanagement der Stadt Neuss und hat bereits zum zweiten Mal den vietnamesisch-europäischen Buddhistentag in die Quirinusstadt geholt.

Der gebürtige Vietnamese ist mit zehn Jahren mit der deutschen Hilfsorganisation "Cap Anamur - Deutsche Not-Ärzte" aus seiner Heimat geflüchtet. Zwei Jahre verbrachte er in einem Flüchtlingslager auf den Philippinen, bevor er nach Deutschland kam. Sechs Monate lang lebte er in einem Auffanglager in Oberhausen, schließlich zog er nach Neuss, wo er auch seine Frau kennenlernte.

Zwar lernte er schon in der Kindheit den Buddhismus kennen, intensiver mit der Religion beschäftigte er sich erst in Deutschland. "Nach dem Krieg waren viele Tempel und Klöster zerstört, und die Kommunisten haben viele Religionen verboten", erinnert sich Nguyen. 1992 legte er das buddhistische Bekenntnis ab, "die Zuflucht zu den drei Juwelen" Buddha, der Buddha-Lehre Dharma und Sangha, der Gemeinschaft der Erwachten. Nguyen verpflichtete sich den fünf Silas: nicht zu töten, zu lügen, zu stehlen, Ehe zu brechen und Rauschmittel zu nehmen. "Ich habe 1992 ein Kloster in Lyon besucht, ein entfernter Verwandter von mir ist dort der Abt", erzählt Nguyen. Zu der Zeit gab es noch nicht so viele buddhistische Gemeinden in Europa, erst mit der zunehmenden Zahl der Flüchtlinge gründeten sich immer mehr Gemeinden.

Im Alltag versucht der Vater von zwei Kindern achtsam zu leben und nicht hektisch zu handeln. Falls das mal weniger gut gelingt, als er sich das wünscht, versucht er sich mit Atemübungen wieder zu sammeln. Dass Elemente des Buddhismus zu modischen Trends werden, findet er in Ordnung. "Viele Leute, die sich mit Achtsamkeit und Meditation beschäftigen, kommen dem Buddhismus näher", sagt er. Aber: "Beim Buddhismus bekehrt man niemanden." Die Kinder der Gläubigen lernen während der zehn Tage in eigenen Kursen, der Dai Hoc Oanh Vu, der "Universität für die Kleinen". Auch Nguyens Kinder, neun und zwölf Jahre, nehmen teil.

Die Organisation des Buddhistentages war eine Herausforderung. Über ein halbes Jahr hat Nguyen Anträge gestellt, Schlafräume und Verpflegung organisiert. Auch während der zehn Tage ist er Ansprechpartner für die rund 500 Teilnehmer des Buddhistentages. So können diese die Lehren Buddhas vertiefen und sich in Achtsamkeit üben, während Nguyen sich um alles kümmert. In seiner Glaubensrichtung, dem Mahayana, einer der Hauptströmungen des Buddhismus, ordnen die Gläubigen ihr Wohl dem der anderen unter. Nguyen scheint da auf einem guten Weg zu sein.

Quelle: NGZ
 
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