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Neuss
Das Risiko für Schnarcher erläutern

Neuss. Die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe kümmert sich seit 20 Jahren um Menschen, denen der nächtliche Schlaf oft wenig echte Erholung bringt. Am 17. Oktober organisiert die Gruppe einen ganzen Informationstag in Neuss. Von Bärbel Broer

Schnarchen ist eine Volkskrankheit. Nach Schätzungen deutscher Lungenfachärzte schnarcht fast jeder Zweite ab dem 65. Lebensjahr, bei unter 20-Jährigen ist es weniger als jeder Zehnte. Bloßes Schnarchen ist meist keine Gefahr für die Gesundheit. Unregelmäßiges, lautes Schnarchen hingegen kann auf ernste Atmungsstörungen hinweisen. Setzt die Atmung sogar wegen zu verengter Atemwege aus, leiden Betroffene meist unter einer Schlafapnoe. Übersetzt bedeutet dies: Atemstillstand im Schlaf. Seit 20 Jahren kümmert sich die Selbsthilfegruppe "Schlafapnoe Neuss und Umgebung" um die Betroffenen und deren Angehörige.

"Krankheiten wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzprobleme oder Diabetes können entstehen, da die Atemaussetzer zu mangelhafter Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Gehirns führen", sagt Rudolf Schick, Vorsitzender des Selbsthilfe-Vereins. Der 70-Jährige leidet unter der zentralen Schlafapnoe, die durch eine defekte Atemsteuerung im Gehirn entsteht.

Bis diese diagnostiziert wurde, verging viel Zeit. Schick fühlte sich oft abgeschlagen und meist auch tagsüber müde. Beim Autofahren drohte er sogar einzunicken. Nach einem Screening und Überwachung im Schlaflabor - eine Nacht ohne Hilfsmittel, die zweite mit entsprechender Atemmaske - war klar: Schick braucht ein CPAP-Gerät. Die Abkürzung steht für Continuous Positive Airway Pressure, eine Beatmungsform, die die Spontanatmung des Patienten mit einem dauerhaften Überdruck kombiniert.

"Wir sind abhängig von diesen Geräten", erklärt Paul Janßen, der unter der obstruktiven Apnoe leidet. Dies ist die am häufigsten auftretende Variante, bei der die Zunge beim Schlaf tief in den Rachen rutscht und die Schnarchgeräusche, aber eben auch Atemaussetzer verursacht. Janßen trägt nicht jede Nacht das CPAP-Gerät, gibt er zu. "Mir hilft auch ein Seitenschläfer-Rucksack."

Seit 16 Jahren ist der 79-Jährige auf derartige Hilfsmittel angewiesen. "Die Schlafapnoe wurde viel zu spät bei mir erkannt", sagt Janßen. Übermüdungserscheinungen während seiner Berufstätigkeit hätten verhindert werden können. "Denn die Schlafapnoe ist sehr gefährlich insbesondere für Berufsgruppen wie Kraftfahrer, Piloten, Zugführer oder Schichtarbeiter."

Um auf die Risiken, aber auch mögliche Hilfestellungen aufmerksam zu machen, hatten sich 1996 die ersten Mitglieder zu einer Selbsthilfegruppe zusammengetan. Damals war die Krankheit noch recht unbekannt. Heute zählt der Neusser Verein bereits 80 Mitglieder. Für die Zukunft plant der Vorsitzende Schick, dass die Selbsthilfegruppe auch Einschlaf- oder Durchschlafschwierigkeiten thematisiert "Die Krankheitsbilder treten gemeinsam auf und fließen ineinander", so Schick. Schlafapnoe sei mittlerweile als chronische Krankheit akzeptiert. Ein Schwerbehindertengrad von 20 Prozent werde Betroffenen zugestanden.

Jeden dritten Donnerstag trifft sich die Selbsthilfegruppe. Häufig stehen Fachvorträge auf dem Programm. Denn der Verein erhält viel Unterstützung aus dem Bereich der Ärzteschaft und der Medizintechnik. "Wir sind teure Patienten", erklärt Janßen und zählt auf: Mehrere medizinische Fachrichtungen seien beteiligt, die Geräte, die etwa alle fünf Jahre ausgetauscht werden müssen, kosten ab 2000 Euro aufwärts. Zudem seien jedes Jahr neue Masken fällig und manchmal erneute Untersuchungen im Schlaflabor.

Nicht alle Betroffenen kommen mit der Maske oder anderen Hilfsmitteln wie Zahnschienen zurecht. Daher sieht sich die Selbsthilfegruppe auch hier gefordert. Schick: "Wir unterstützen Betroffene, therapietreu zu sein."

Quelle: NGZ
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