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Serie Rätsel Der Stadt (3)
Das Tranktor öffnete einst Tieren den Weg zur Tränke

Serie Rätsel Der Stadt (3): Das Tranktor öffnete einst Tieren den Weg zur Tränke
Das Parkhaus an der Hessenstraße erinnert mit seinem Namen an ein kleines Tor in der Stadtmauer, das den Tieren den Weg zur Tränke ermöglichte: das Tranktor eben. FOTO: L. Baten
Neuss. Neuss Wo heute Pferde(-stärken) im Parkhaus an der Hessenstraße abgestellt werden, dort suchten sich im Mittelalter Pferde und weiteres Vieh den Weg zum Wasser - das Tranktor führte zur Tränke. Da es in Neuss bereits zwei Parkhäuser gab, die den Namen ehemaliger Stadttore trugen - Rheintor und Niedertor -, wählte die städtische City-Parkhaus GmbH, als sie Ende der 1990er Jahre die Großgarage mit 458 Stellplätzen von der Warenhaus-Kette Horten übernahm, in der Fortsetzung erneut einen Stadttor-Namen: Tranktor. Die Idee hatte damals Stadtarchäologin Sabine Sauer, Klaus Harnischmacher setzte sie um. Er war vor 20 Jahren Chef des städtischen Bauvereins und in Personalunion auch Chef der City-Parkhaus GmbH. Von Ludger Baten

Als im 13. Jahrhundert eine Stadtbefestigung gebaut wurde, erhielt Neuss unter anderem eine Mauer mit fünf Torburgen: Das Niedertor im Norden - und dann im Uhrzeigersinn - das Rheintor im Osten zum Strom hin, das Obertor im Süden, das Zolltor im Südwesten und das Niedertor im Nordwesten. Das Hessentor, an das noch die Hessentorbrücke erinnert, wurde erst im 17. Jahrhundert während der so genannten Hessenzeit errichtet.

Neben den mächtigen fünf Torburgen gab es in der südöstlichen Stadtmauer aber noch ein Törchen, das Tranktor. Es wurde geöffnet, um das Vieh auf die Weide in den Rheinauen zu treiben, wo die Tiere auch im Fluss beziehungsweise im Zulauf der Erft saufen konnten. Das Tranktor öffnete sich, um den Weg zur Tränke frei zu geben.

Bei der heute als Tranktor-Parkhaus firmierenden Großgarage handelt es sich um das älteste Parkhaus in der Stadt. Es diente erst dem Warenhaus Merkur, aus dem später "Horten" wurde, als überdachter Parkplatz. Die Brücke über die Hessenstraße war befahrbar und mündete auf den Platz hinter dem Kaufhaus - heute Fußgängerbereich hinter dem Landestheater -, so dass die Kunden ganz kurze Wege hatten. Als Horten vom Kaufhof-Konzern übernommen wurde, der keine zwei Warenhäuser eines Betreibers in Neuss erhalten mochte, wurde das Horten-Haus geschlossen. Die Immobilie kauften je zur Hälfte der Rhein-Kreis und der Bauverein für die Stadt. In einer Metamorphose wurde nach Plänen des Architektenbüros Ingenhoven & Ingenhoven aus dem Warenhaus ein Theater sowie das Kreishaus mit Ladenzeile und dem Programmkino "Hitch". Der Neubau mit neuer Nutzung wurde Ende des Jahres 2000 eröffnet.

Quelle: NGZ
 
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