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Neuss
Das VfR-Stadion ist ab heute Geschichte

Neuss: Das VfR-Stadion ist ab heute Geschichte
"Gepflegter Kick" auf roter Asche: Der 1919 in Betrieb genommene VfR-Platz Anfang der 1920er-Jahre. Die Anlage wurde im Krieg zerstört, die Holztribüne – aktuell die einzige ihrer Art weit und breit – 1952 wieder aufgebaut. FOTO: Fotos (2) Stadtarchiv
Neuss. Nach 94 Jahren wird am Montag der Betrieb auf der Sportanlage an der Hammer Landstraße eingestellt. Das größte Neusser Fußballstadion mit Platz für bis zu 15 000 Zuschauer war zuletzt Ziel von "Groundhoppern". Folgen jetzt Souvenirjäger? Von Christoph Kleinau

Im Stadion an der Hammer Landstraße darf das Gras ab Montag wachsen. Die Sportanlage, wo in der Vorwoche noch Trainingsbetrieb lief, ist Geschichte. Ein Abschiedsspiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf, von der beim auf der Anlage beheimateten VfR 06 lange die Rede war, wird es nicht geben, bestätigte Markus Heller, Sprecher des Düsseldorfer Zweitligisten.

Der Verein für Rasensport, seit 1919 Hausherr auf der Anlage, verabschiedete sich am Wochenende deshalb mit einem Grillfest für die Jugend von der Anlage. Ralf Criens war auch eingeladen, aber er blieb daheim. "Ich habe tagtäglich Gelegenheit, Abschied zu nehmen", sagt der Platzwart, der vor seinen 17 Dienstjahren auf der Anlage in noch einmal so viel Jahren als Spieler und Trainer "schöne und böse Zeiten erlebt" hat, wie er sagt. "Kein Anlass zum Heulen", meint Criens nüchtern und mokiert sich etwas über rührseligere Abschiedsveranstaltungen wie das Treffen vieler Ehemaliger in der Vorwoche: "Die Superlegenden, die 30 Jahre nicht auf der Anlage waren, die trauern jetzt."

Die Aufgabe der Bezirkssportanlage am Derendorfweg 7 – so die postalisch korrekte Anschrift – hatte sich lange abgezeichnet. Und letztlich wird mit Datum am Montag nur vollzogen, was spätestens seit 2010 im Rat beschlossene Sache war. Angesichts des Hin und Her vergangener Jahre sagt Sportdezernent Stefan Hahn vielleicht zurecht: "Die weitere Verwendung des Stadions ist klarer denn je."

Seit der Sportausschuss im März die Schließung bestätigte, pilgerten aus vielen Teilen der Bundesrepublik so genannte Groundhopper zur Anlage des VfR. Sie "sammeln" sozusagen Sportstadien, in denen sie einmal gewesen sind, und dokumentieren ihren Besuch fotografisch. Andere Besucher mit Kamera wurden aus einem anderen Interesse auf der Anlage gesehen. Sie wollten die 1952 fertiggestellte Holztribüne, weit und breit die letzte ihrer Art, noch einmal ablichten.

Was zu tun ist, wenn den Groundhoppern nun Souvenirjäger folgen, die sich ein Stück Fußballgeschichte sichern wollen, ist für Stefan Hahn klar. "Wenn jemand meint, über den Zaun steigen zu müssen, um etwas zu stehlen oder zu beschädigen", so Hahn, werde man das mit rechtlichen Mitteln ahnden. Hahn sagt aber auch: "Wir schließen ab. Eine Wache aber können wir natürlich nicht aufstellen."

Innerhalb der nächsten Tage muss der VfR sein Vereinsheim an die Stadt übergeben. Vorher wird aufgeräumt – auch unter der Tribüne, wo Dinge lagern, von denen Criens behauptet: "Nicht einmal der VfR weiß noch, was er da liegen hat." Auch er wird klar Schiff machen und nicht zuletzt den Rasenmäher auf eine andere Anlage umsetzen. An der Hammer Landstraße braucht er ihn nicht mehr.

Bis der Berliner Investor Kurt Krieger seine Pläne für das Hammfeld umsetzt und das größte Neusser Stadion dafür endgültig abgerissen wird, wird die Anlage nur noch einmal jährlich geöffnet: Zur Neusser Kirmes, wenn dort Schausteller ihre Wagen auffahren und der Feuerwerker am Kirmesdienstag sein (Abschieds)-Feuerwerk abbrennt.

Quelle: NGZ
 
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