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Neuss
"Den Kulturstandort Neuss stärken"

Neuss: "Den Kulturstandort Neuss stärken"
Das Bild zeigt den Blick von der Holzbrücke im Stadtgarten auf den Erweiterungsbau nach dem Modell C. FOTO: gernot schulz:architektur GmBH
Neuss. Für die Erweiterung des Clemens-Sels-Museum und Unterbringung der Jugendstil-Sammlung ist es notwendig, den Kulturetat aufzustocken. Sein Anteil am Gesamthaushalt der Stadt würde statt 3,25 Prozent dann 3,55 Prozent betragen. Von Helga Bittner

Wenn der Rat am kommenden Freitag das Thema "Erweiterung des Clemens-Sels-Museum und Annahme einer Jugendstil-Sammlung" aufruft, geht es auch um viel Geld. Rund 11, 7 Millionen werden für die einfachste Lösung (Modell A) veranschlagt, 16,5 Millionen für die mittlere (B) und 20,2 Millionen Euro für die große Lösung C. Allerdings wird dieser Betrag nicht auf einen Rutsch fällig. Berechnungsgrundlage für die jährliche Belastung (inklusive Miete) ist die Nutzung des Baus über 50 Jahre.

Die Belastung des Kulturetats würde damit um 0,16 Prozent für Modell A, um 0,24 Prozent für Modell B und um 0,30 Prozent für Modell C steigen.  

In Zahlen bedeutet dies einen Zuwachs des Haushalts von 780.000 Euro für Modell A, 1,15 Millionen. Für Modell B und 1,43 Millionen für Modell C. Der geringere Sprung zu Modell C hat damit zu tun, dass keine Planungskosten mehr anfallen, weil es sozusagen das Endstück der beabsichtigten Modulbauweise ist. Der Anteil des Kulturetats am Gesamthaushalt der Stadt würde von derzeit 3,25 auf maximal 3,55 Prozent steigen. Die vom Architekten Gernot Schulz errechneten Folgekosten schließen auch Personalkosten (etwa für Reinigung und Wachdienst) ein. Für die Pflege der neuen Sammlung entstehen hingegen keine Folgekosten, da der Sammler dafür Vorsorge tragen wird.

Dass für Sammlung und deren Unterbringung Geld in die Hand genommen werden muss, ist nicht nur den Neusser Kulturpolitikern klar, die bei einer Enthaltung das Modell C empfehlen, sondern auch vielen anderen, die das Geschehen eher von außen betrachten.

Bettina Jahnke zum Beispiel, Intendantin des Landestheaters, weiß zu genau, dass sie nur an der Oberstraße arbeiten kann, weil vor mehr als 15 Jahren die mutige Entscheidung getroffen worden sei, in Neuss ein Theater zu bauen, als andere Städte das Ihrige lieber schlossen. "Ich bin schon schwer beeindruckt davon, dass sich die Stadt es etwas kosten lässt, die Kultur nach vorne zu bringen", sagt sie auch mit Blick auf die Museumspläne. Sie gebe damit ein deutliches Zeichen für die Wertschätzung der Kunst: "Egal, aus welcher Richtung sie kommt." Die neue Sammlung und die Erweiterung strahle in die Stadt hinein und auch hinaus: "Und davon haben alle in der Stadt was."

Bert Gerresheim, Bildhauer aus Düsseldorf und langjähriger treuer Freund des Neusser Museums, sieht in der Ausstellung der Jugendstil-Sammlung in einem erweiterten Clemens-Sels-Museum die große Chance, deutlich zu machen, dass es auch einen anderen Weg in die Moderne gibt als über den Impressionismus. "Diese Perspektive ist sehr wichtig und nimmt in der Forschung auch mehr und mehr Raum ein", sagt er und ergänzt: "Das Haus besitzt eine wunderbare Symbolisten-Sammlung und könnte damit seinen Bestand um viele Facetten erweitern."

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, NRW-Kulturstaatssekretär a.D, erweist sich als Kenner der Jugendstil-Sammlung. "Ich habe sie mehrfach besucht und durch Vergleiche europa- und sogar weltweit festgestellt, dass sie wirklich einzigartig ist", sagt er. Der Grund: Als Düsseldorfer Kulturdezernent wollte er die Sammlung in die Landeshauptstadt holen. Drei Gebäude hatte er damals dafür im Blick - unter anderem auch in Verbindung mit den Glassammlungen Hentrich und Köpff -, aber keines hat geklappt. "Das ist einer der Negativ-Punkte auf meiner Liste", sagt er. Mittlerweile ist der gebürtige Neusser ein Düsseldorfer, aber er noch trägt zwei Seelen in seiner Brust: "So sehr die Sammlung auch nach Düsseldorf passt - mindestens so viel spricht dafür, sie mit der Symbolisten-Sammlung des Clemens-Sels-Museum zusammenzuführen." Allerdings, so räumt er ein, brauche es dafür Präsentationsform, die einen räumlichen Zusammenhang mit der Museumssammlung herstelle. In der Ausstellung der Sammlung und der Erweiterung des Museums sieht er die große Chance, dass "Neuss zum Wallfahrtsort für Freunde der Jugendstil-Kunst wird". Und ergänzt: "Nicht nur aus Europa, sondern auch aus Übersee." Er kennt auch die Entwürfe des Architekten Schulz und hält sie für die richtige Fassung für eine Sammlung, die eine landesweite Bedeutung habe.

Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW, sieht in Sammlung und Museumserweiterung eine große Chance, "eine zukunftsweisende Entscheidung für den Kulturstandort Neuss" zu treffen. "Aus Sicht der Kultur kann man nur zu Mut raten", meint er, aber ergänzt auch, dass die Finanzierung in Zeiten, in denen es nirgendwo rosig aussehe, schwierig sei. "Aber manchmal muss auch darüber hinausdenken." Dass die Kunststiftung das Projekt bezuschusst, sei unmöglich: "Wir fördern nur Projekte, keine Gebäude."

Oliver Kruse, Vorstandsvorsitzender Stiftung Insel Hombroich, begrüßt es, "wenn sich das Clemens-Sels-Museum durch die Schenkung einer europaweit bedeutenden Sammlung so sensationell entwickeln würde". Diese "sicherlich einmalige Chance" soll sich die Stadt nach Meinung des gesamten Stiftungsvorstandes nicht entgehen lassen, sagt er und ergänzt: "So würde es sich für die Besucher der Insel Hombroich, die mitunter von weither kommen, dann um so mehr lohnen, Neuss zu besuchen."

Quelle: NGZ
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