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Neuss
Der Auszug des Schützenglockenspiels

Neuss: Der Auszug des Schützenglockenspiels
Im Vogthaus gingen Helmut Beuershens (l.) und Michael Diekmannvon der Firma Korfhage und Söhne gestern daran, das Schützenglockenspiel abzubauen. Heute werden die Figuren verladen, im Frühjahr sollen sie zurückkommen. FOTO: Foto. L. Berns
Neuss. Seit fast einem Jahr steht der Schützenzug am Giebel des Vogthauses, heute verlassen die Figuren ihren Platz. Bis zum kommenden Frühjahr sollen sie aufgearbeitet und die Gesamtanlage technisch modernisiert werden. Von Christoph Kleinau

Einmal nur, ein einziges Mal, ist das Neusser Regiment im Rückwärtsgang marschiert. "Das muss man sich mal an Schützenfest vorstellen", sagte gestern Michael Diekmann amüsiert, als er im Giebel des Vogthauses daran ging, das Schützenglockenspiel abzubauen. Im vergangenen Jahr wusste sich der Elektriker der Firma Korfhage und Söhne nicht anders zu helfen, als den Motor der defekten Anlage umzupolen und den Schützenzug, dessen Figuren zum Teil tagelang im Freien gestanden hatten, rückwärts in die Ausgangsstellung zu manövrieren. Dieser "Rückzug" war für lange Zeit auch der einzige Umzug, denn seitdem steht das Schützenglockenspiel. Doch nun wird wieder vorwärts gedacht.

Seit am Donnerstag an der Fassade des Lokals am Münsterplatz ein Gerüst aufgebaut wurde, wissen Passanten, dass das Schützenglockenspiel endlich instandgesetzt wird. Heute können Interessierte nach langer Zeit zum ersten und vorläufig auch zum letzten Mal die Schützenfiguren wieder aus der Nähe sehen. Denn die Figurengruppen, die Diekmann und sein Kollege Helmut Beuershens gestern Stück für Stück von der Schienenbahn abgeschraubt haben, werden am Vormittag mit einem Hubsteiger aus dem Dachgeschoss gehievt und verladen. In der Werkstatt der Firma Korfhage im westfälischen Melle-Buer, wo sie vor mehr als 40 Jahren entstanden, sollen sie nun generalüberholt werden. Auf Wiedersehen im kommenden Frühjahr.

Die Renovierung wird eine totale. Die 24 Bronzeglocken des Glockenspiels, das den Schützenzug begleitet, die Uhr aber auch die Stahlschienen des Umlaufs samt Unterkonstruktion auf dem Balkon sowie der Motor werden ausgebaut und erneuert oder überholt, teilt die Stadt mit. Im Innern werden vor allem mechanische Elemente wie Ketten, Spannräder, Laufrollen oder Schalter ausgetauscht. Mehr als 70.000 Euro wird das kosten.

Knapp 60.000 Euro davon hat der Verkehrsverein in den vergangenen Monaten an Spenden eingeworben, berichtet Vorstandsmitglied Rolf Lüpertz nicht ohne Stolz. Die Restsumme kommt nun aus dem Innenstadtstärkungsfonds, in dem zehn Millionen Euro aus dem Grundstücksverkauf für das Höffner-Möbelhaus angelegt wurden.

Als Werbeträger in eigener Sache hatten einzelne Figuren schon einmal ihre kalte Dachstube verlassen. Schützenkönig samt Edelknaben wurden zum Königsehrenabend in die Stadthalle gebracht, weil Markus Reipen, der Schützenkönig des Jahres 2015, ihre Instandsetzung zahlen wird. Drei andere Figuren wurden an Partner des Verkehrsvereins als Schaufensterfiguren ausgeliehen. Danach aber mussten alle zurück ins Vogthaus und dort auch wieder fest verschraubt werden. Die Sorge, jemand könnte die Tür zur Kammer des Glockenspiels aufbrechen und einfach eine der Figuren stehlen, war zu groß. "Die Figuren haben heute einen Stückpreis von 10.000 Euro", sagt Lüpertz. Sie haben sich so gut erhalten, dass in vielen Fällen ein Anstrich reicht. Welche Farbe Korfhage benutzt, habe dieser aber auch auf Nachfrage nicht preisgegeben. "Betriebsgeheimnis", vermutet Lüpertz.

Quelle: NGZ
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