| 00.00 Uhr

Neuss
Der Chef der Suchtstation verlässt das Alexius

Neuss. Dr. Johann Endres schaut ein wenig betreten. "Eigentlich bin ich viel zu traurig, als dass ich viel erzählen könnte", sagt der leitende Arzt der Suchtabteilung im St. Alexius-/St.-Josef-Krankenhaus. Noch ein paar Tage hat nur noch bis zur Rente. Dann aber sprudelt es aus dem 65-Jährigen doch heraus, als er die 32 Jahre Arbeit mit Suchtkranken Revue passieren lässt. Von Bärbel Broer

Endres kennt die Folgen unterschiedlichster Drogen und die Ausbreitung von Chrystal Meth, Badesalzen oder anderen Designer-Drogen. "Aber so schillernd diese Drogen auch auf die Öffentlichkeit wirken mögen", sagt Endres, "die gesellschaftlich gefährlichste Droge ist der Alkohol." Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie rattert die Zahlen nur so runter: "Wir haben 1,8 Millionen Alkohol-Abhängige, zwei Millionen, die Alkoholmissbrauch betreiben und sechs Millionen Menschen, deren Alkoholkonsum riskant ist."

Dass Endres in seiner Tätigkeit als Facharzt für Suchtkranke jemals so aufgehen würde, war anfangs nicht abzusehen gewesen. Denn nach seinem Abitur im Allgäu studierte er zunächst Zahnmedizin in Düsseldorf. "Nach dem zweiten Semester wurde ich zum Zivildienst eingezogen und arbeitete in der Trinkerheilstätte Sulzbrunn", sagt Endres. Diese Zeit war prägend. Er entschied sich fürs Medizin-Studium. Am Klinikum in Krefeld absolvierte er anschließend seine fachärztliche Ausbildung zum Neurologen. "Damals hieß das noch Nervenheilkunde."

Bereits 1983 kam er nach Neuss in die Suchtabteilung des damaligen St.-Alexius-Krankenhauses, zunächst als Stationsarzt für Alkohol-Abhängige und ab 1989 als Abteilungsarzt. In dieser geschützten Akutstation gab es seinerzeit noch keine Differenzierung. "Geronto-psychiatrisch Kranke, allgemein psychisch Erkrankte und suizidale Suchtabhängige waren gemeinsam untergebracht", erinnert sich Endres. Im Klartext: Ältere Demenzkranke, Patienten mit Depressionen, Psychosen oder Angststörungen wurden mit selbstmordgefährdeten Abhängigen in einer geschlossenen Station behandelt. Die Psychiatrie habe einen schweren Stand in dieser Zeit gehabt. "Ihr hing noch nach, was Psychiater und Ärzte im Dritten Reich mit psychisch Kranken gemacht haben", sagt Endres.

Auch im "Alexius" habe es insbesondere in den 1990er Jahren turbulente Zeiten gegeben, erzählt Endres. Ständig wechselten die Geschäftsführer, und er selbst sei zwar Chefarzt gewesen, doch in starker Außenseiterposition. Das war auch seiner Unterbringung anzusehen. "Ich war Chefarzt im Container." Mit der Fusion 2005 zum St. Alexius-/St.-Josef-Krankenhaus unter dem Dach der St.-Augustinus-Kliniken änderte sich dies abrupt, "und ich bekam eines der schönsten Büros". Bald muss er es dennoch räumen.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Der Chef der Suchtstation verlässt das Alexius


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.