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Neuss
Der Chef eines "heimlichen Riesen"

Neuss: Der Chef eines "heimlichen Riesen"
Neuss. Thomas Geupel ist seit über 21 Jahren Geschäftsführer bei Alunorf, dem weltweit größten Schmelz- und Walzwerk für Aluminium. Aber das weiß kaum jemand. Heute heute vor 50 Jahren wurde es gegründet. Morgen feiert die Belegschaft. Von Christoph Kleinau

Bei Alunorf wird an der Erweiterung der Walzstraße eins gearbeitet. Abgeschlossen wird das 80-Millionen-Euro-Vorhaben zum Jahresende mit Fertigstellung des vierten Walzgerüstes in der sogenannten Fertigstraße der Warmwalze eins. Gebaut wird es in ein Fundament, das schon beim Bau der Anlage vor einem halben Jahrhundert geplant und vorbereitet wurde. Für Thomas Geupel ist das ein Beleg für eine weitsichtige Unternehmensstrategie, die aus der Aluminium Norf GmbH das weltweit größte Walz- und Schmelzwerk für Aluminium gemacht hat. Genau heute vor 50 Jahren wurde der Gesellschaftervertrag unterzeichnet, schlug die Geburtsstunde für das Werk. Das soll morgen ab 11 Uhr mit den Mitarbeitern bei einem Betriebsfest gefeiert werden.

Geupel ist seit über 21 Jahren Geschäftsführer bei Alunorf und der Kaufmann an der Spitze der Firma, die heute zu gleichen Teilen dem Hydro-Konzern und der Firma Novelis gehört. Als er antrat, zählte die Belegschaft schon weit über 1000 Köpfe, aktuell stehen bei Alunorf 2259 Beschäftigte in Lohn und Brot. Tendenz steigend. "Amerikanische Geschäftsfreunde sagen immer, dass wir alles falsch gemacht haben", sagt Geupel mit Blick auf Rationalisierungsdruck und immer kleinere Belegschaften. Der gebürtige Bayer kann diese Sicht aber nicht teilen - und freut sich, dass bei Alunorf noch Arbeitsplätze entstehen.

Mit Alunorf leitet Geupel ein Werk, das er gerne einen heimlichen Riesen nennt. "Auf unseren Produkten steht Coca Cola oder Daimler, aber nie Alunorf", sagt er zur Erklärung. Einen eigenen Vertrieb hat das Werk nicht. Was es herstellt - Aluminiumbänder in unterschiedlichen Dicken und Legierungen -, nehmen die Gesellschafter ab und machen daraus sogenanntes Halbzeug, also Vormaterial oder Teile. "Aus denen werden erst von den Kunden Endprodukte hergestellt", sagt Geupel. So weiß kaum jemand, dass Alunorf eigentlich der größte Getränkedosenhersteller der Welt ist.

Im Werk selbst sind die aber verboten. Das klingt kurios, hängt aber - weil sich Flüssigkeiten und Flüssigmetall nicht vertragen - mit den Sicherheitsstandards zusammen, auf die auch Geschäftsführer Geupel großen Wert legt. Die Zahlen geben ihm Recht. Die Zahl der Unfälle, die in den 1970er Jahren noch bei über 200 im Jahr lag, ist auf aktuell fünf gesunken. Das Verletzungsrisiko liegt damit ungefähr bei 1:450.

Zu den Anstrengungen um den Arbeitsschutz kommen Investitionen in Umwelt- und Klimaschutz. "Alunorf wurde für ihre Energieeffizienz Ende 2014 gleich doppelt ausgezeichnet", erinnert Geupel. Von der privatwirtschaftlichen Energy Academie und der staatlichen deutschen Energieagentur Dena.

Das geht nur dank High-Tec - und das macht das Werk auch für andere Besucher interessant. Kamerateams, zum Beispiel. Schon fünf- bis sechs Mal, so erinnert sich Geupel, erkannten die, dass sie bei ihren Recherchen für Beiträge zum Thema Aluminium und Aluminium-Recycling an Alunorf nicht vorbeikommen. Erst Mitte März war Aluminium-Recyling das zentrale Thema in der "Sendung mit der Maus" - und Moderator Christoph dazu in Norf zu Gast. "Der Beitrag steht noch in der Mediathek", sagt Geupel, der selbst auch Kamerateams durch die Werkshallen geschickt hat. Entstanden ist ein acht Minuten langer Beitrag über das Werk, der, auf CD gebrannt, mit der Festschrift zum Jubiläum an alle "Alunorfer" verteilt wird.

Mit seinem Design - Umschmelzwerk, Gießerei, zwei Warmband- und fünf Kaltband-Walzstraßen an einem Standort - ist Alunorf weltweit einmalig. Noch. Geupel weiß aber von Plänen etwa in China, wo ähnlich groß dimensionierte Anlagen entstehen sollen. Die Antwort darauf könnte ein weiterer Ausbau am Standort Norf sein. Die Pläne für eine dritte Walzstraße hat Geupel schon längst fertig in der Schublade.

Quelle: NGZ
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