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Sabine Bode, Buchautorin
"Der Demenz kann der Schrecken genommen werden"

Neuss. Der Demenz den Schrecken nehmen - das will die Autorin und Journalistin Sabine Bode erreichen. Dafür besuchte sie Pflegeheime, sprach mit Pflegepersonal, Wissenschaftlern und porträtierte Helfer, die unermüdlich Demenzerkrankten helfen, in Würde zu altern. Ihr Buch "Frieden schließen mit der Demenz" hat sie kürzlich in der Neusser Stadtbibliothek vorgestellt.

Frau Bode, wer soll Frieden schließen mit der Demenz?

Sabine Bode Die Gesellschaft. Sie sollte aufhören zu sagen, Demenz ist das Schlimmste, was es im Alter gibt. Wir haben eine Art Blockade. Geschätzte 80 Prozent der Bevölkerung gucken weg bei dem Thema, die anderen 20 Prozent sind überfordert. Es gibt viele Menschen, die gute Demenzpflege leisten und die wissen, was man dafür braucht - aber sie werden nicht gehört. Dazu zählen mehr Personal, bessere Räumlichkeiten und eine grundsätzlich offenere Gesellschaft, die mit demenzkranken Menschen fürsorglich und nicht ausgrenzend umgeht.

Ihr Verlag schreibt: "Dieses Buch ist ein Plädoyer für ein Umdenken." Welche positive Vision haben Sie im Zusammenhang mit Demenz?

Bode Es sollte sich rumsprechen, dass es die gute Demenzpflege gibt. Wenn diese umfassender umgesetzt wird - vor allem in Familien mit Unterstützung von außen - kann der Demenz der Schrecken genommen werden. Dann ist es eine Lebensphase und nicht die Hölle auf Erden.

Wie sind Sie an die Recherchen für Ihr Buch herangegangen?

Bode Zunächst habe ich in einer Einrichtung in der Schweiz hospitiert. Bevor ich da war, dachte ich, ich würde das schiere Elend antreffen. Doch ich war positiv überrascht. Es war ein großes Haus mit 200 Betten, mit 25 Jahren Erfahrung und ungeheuer innovativ. Die Menschen dort sind nicht unglücklich. Es wird viel gelacht, es ist ein entspannter Umgang. Unruhigen Menschen wird auch ohne Medikamente mit viel persönlicher Betreuung geholfen.

Welche Lösungsvorschläge haben Sie bezüglich des Themas Demenz?

Bode Der Kern ist der Personalschlüssel. In der Schweiz ist er tagsüber bei 1:3 und in unseren Einrichtungen liegt er bei 1:8 bis 1:10. Wenn ich dies vergleiche, höre ich immer: Wer soll das bezahlen? Wir sehen doch, was wir alles bezahlen können. Wenn andere Länder, die auch nicht mehr Geld haben als wir, aber mehr für ihre Demenzkranken tun, ist dieses Argument nicht stimmig für mich. Um hier was zu ändern, braucht man Bürgerwillen. Ein starker Bürgerwille kann dazu beitragen, dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dann kann er auch die Politik beeinflussen, uns die Angst vor Demenz zu nehmen und die Finanzierung von guter Demenzpflege zu ermöglichen.

Heißt das, Sie selbst haben keine Angst (mehr), an Demenz zu erkranken?

Bode Seit meinen Recherchen nicht mehr. Es gibt gute Einrichtungen - und wenn ich dran bin, wird es sie hoffentlich mehr und mehr geben -, in denen ein würdevoller Umgang mit dementen Menschen gepflegt wird. Und diese Einrichtungen müssen nicht unbedingt die teuersten sein.

DAS INTERVIEW FÜHRTE BÄRBEL BROER.

Quelle: NGZ
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