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Neuss
Der dienstälteste Chorleiter geht in Rente

Neuss: Der dienstälteste Chorleiter geht in Rente
Nach 53 Jahren künstlerischer Leitung gibt Johann-Martin Sentis mit dem MGV "Haideröschen" seinen letzten Chor ab. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Johann-Martin Sentis (83) verabschiedet sich mit einem Chorkonzert nach 53 Jahren vom MGV "Haideröschen" und seinem Publikum. Von Christoph Kleinau

Der Deutsche Chorverband konnte Johann-Martin Sentis schon vor drei Jahren für das äußerst seltene goldene Chorleiter-Jubiläum auszeichnen, doch weitere Anlässe für eine Ehrung wird es nicht mehr geben. Denn der inzwischen 83-Jährige legt nun endgültig den Taktstock aus der Hand.

Verabschieden wird sich der diplomierte Kirchenmusiker natürlich mit Musik. Mit dem Männergesangverein "Haideröschen", dem letzten von ihm betreuten Chor, sowie zwei befreundeten Ensembles gestaltet Sentis am Samstag, 18. November, ein letztes Chorkonzert. Beginn ist um 18 Uhr, Aufführungsort die Trinitatiskirche an der Koniferenstraße. "Zauber der Musik" haben die Veranstalter ihren bunten Melodienstrauß überschrieben, von dem Haideröschen-Sprecher Heinz London überzeugt sagt: "Das wird der kulturelle und musikalische Höhepunkt im südlichsten Neusser Stadtteil."

Der 1911 gegründete MGV "Haideröschen" ist einer von 17 reinen Männerchören unter dem Dach des Sängerkreises Neuss. Aktuell vertritt dieser die Interessen von 43 Chören im Kreisgebiet, die 1395 aktive Sänger zählen, darunter 229 Kinder und Jugendliche. Dem vierstimmigen Chor aus Rosellerheide, bestätigt Sängerkreis-Geschäftsführer Gerd Peiffer, steht mit Johann-Martin Sentis aber der dienstältesten Chorleiter vor. Er ist einer von nur sechs künstlerischen Leitern in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte.

Die ununterbrochene Zusammenarbeit von Chor und Dirigent begann 1964. Damals suchten die "Haideröschen" einen Nachfolger für Johann Hilgers und wurden in Reuschenberg fündig. "Sie haben mich einfach nach dem Hochamt angesprochen", sagt Sentis.

Der war da schon einige Jahre in Reuschenberg verwurzelt - und hatte als Organist an St. Elisabeth seine Traumstellung gefunden. "Ich wollte immer Kirchenmusiker werden", sagt Sentis, der im Aachener Revier aufwuchs und schon als Kind mit der Musik in Berührung kam. Die erste Liebe galt dem Klavier, die große Liebe der Orgel.

Mit dem Studium an der Kirchenmusikschule St.-Georgius-Haus Aachen machte er diese Liebe zum Beruf. Eine erste Anstellung fand Sentis in Barenberf/Aachen, doch schon 1957 wechselte er als hauptamtlicher Kantor und Organist an die Reuschenberger Pfarrkirche St. Elisabeth. Schon in dieser Position tätig, widmete Sentis parallel auch viel Zeit seiner Weiterbildung an der Musikhochschule Köln im Fach Orgel-Literaturvorspiel (1957/58) und anschließend dem vertiefenden Choralstudium im Kloster Maria Laach (1958/59).

Als Organist verabschiedet wurde Sentis 1995, doch die Musik blieb Begleiter des Mannes, der sonntags im Lukaskrankenhaus weiter in der Messe Orgel spielt. Zwar haben alle drei Kinder ein Instrument gelernt, doch nur ein Sohn wurde Berufsmusiker wie der Vater. Wenn er aus Wuppertal zu Besuch kommt, werde auf dem Flügel daheim auch mal vierhändig gespielt, sagt Sentis.

In seiner Laufbahn hat Sentis viele Chöre geleitet, treu geblieben sind ihm bis zuletzt die "Haideröschen". Mit Margarete Wegener aus Neukirchen steht schon eine Nachfolgerin fest, die den Männergesangverein nun übernehmen wird.

Quelle: NGZ
 
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