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Neuss
Der Gärtner ohne grünen Daumen

Neuss: Der Gärtner ohne grünen Daumen
Frank Jolitz leitet die Gärtnerei der Gemeinnützigen Werkstätten in Neuss. (GWN). Die haben der Stadt gerade erfolgreich Hilfe bei der Grünpflege angeboten und sind mit ihren Kolonnen für den Uferpark und Straßengrün zuständig. FOTO: woi
Neuss. Frank Jolitz leitet die Gärtnerei der GWN am Leuchtenhof. Seine Grünkolonnen unterstützen die Stadt. Gerade haben sie die Pflege des Insel- und Uferparks übernommen. Ihr Chef ist zuständig für die Organisation dieser Zusammenarbeit. Von Bärbel Broer

Sein neuer Arbeitsplatz ist rund vier Hektar groß und umfasst Gewächshäuser, Außenbeete, Betriebshof und Büros mit Kantine: Frank Jolitz ist der neue Leiter der Gärtnerei der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) am Leuchtenhof. Der gebürtige Lübecker folgte auf Klaus Hempel, der 13 Jahre lang die Gärtnerei leitete und nun im Integrationsmanagement der GWN tätig ist. Seit 1980 bietet die GWN-Gärtnerei Menschen Behinderung Integration in die Arbeitswelt und persönliche Förderung.

"Die meisten unserer Mitarbeiter haben so wesentliche Behinderungen, dass sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen", erklärt GWN-Geschäftsführer Christoph Schnitzler. "Unsere Aufgabe ist es, die Fähigkeiten jedes Einzelnen zu fördern und weiter zu entwickeln."

Während einige Mitarbeiter ganz eng angeleitet werden müssen, können andere einfache Tätigkeiten nahezu selbstständig ausführen. "Wir versuchen, für jeden Einzelnen angemessene Tätigkeiten anzubieten", sagt Schnitzler. Die Vermittlung in den normalen Arbeitsmarkt sei dennoch schwierig. "Das gelingt nur bei ein bis vier Menschen pro Jahr", so Schnitzler.

Die Mitarbeiter sind meist in Kolonnen von acht bis zehn Personen unterwegs. "Diese großen Gruppen sind auch der Grund, warum wir für Privatkunden nicht tätig sind", erklärt Jolitz. Mit dabei ist immer ein Gruppenleiter mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung, der das Team anleitet und beaufsichtigt.

Diese zusätzliche Ausbildung, die 800 Unterrichtsstunden umfasst und zwei Jahre dauert, steht Jolitz noch bevor. Der 51-Jährige hat in Osnabrück Garten- und Landschaftspflege studiert, als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. 16 Jahre lang war der Vater von drei Kindern zunächst Geschäftsführer in einem Lübecker Unternehmen. "Danach folgten fünf Jahre als Projektleiter in Speyer ", erzählt er.

Als Leiter der Gärtnerei und Chef von 120 Mitarbeitern mit Behinderungen und 20 weiteren Angestellten versteht er sich vor allem "als Schnittstelle zum Markt". "Meine Aufgaben sind die Leitung der Produktion, der Kundenkontakt - insbesondere die Akquise - sowie die Organisation der Auftragsabwicklung", erklärt er.

Mit dem eigentlichen Garten- und Landschaftsbau hat er nicht viel zu tun. "Aber ich war ohnehin nie der große Botaniker", sagt Jolitz und gibt zu: "Mein Vater, der auch Gärtner ist, meinte immer, ich sei ein Betongärtner." Den "grünen Daumen" muss Jolitz auch nicht vorrangig haben. "Dafür steht mir ein gutes Team von Fachleuten zur Seite."

Die Mitarbeiter sind das ganze Jahr über im Einsatz - mal bei der Bepflanzung und Pflege, mal bei der Anzucht und Neuanlage, mal in der Floristik und Hydrokultur. Der grüne Service der GWN-Gärtnerei ist breit aufgestellt: Etwa die Hälfte des Aufgabenbereichs liegt im Landschaftsbau. "Die Grünflächenpflege im gewerblichen Bereich, aber auch die Pflege von Außenanlagen, Parks und dem sogenannten Straßenbegleitungsgrün im öffentlichen Bereich zählen dazu", so Jolitz.

Im städtischen Bereich habe die GWN soeben die Aufträge für die Pflege des erst vor einem Jahr eröffneten Areals des Insel- und Uferparks uf der Hafenmole I sowie des Straßenbegleitgrüns in Selikum erhalten, sagt Schnitzler. "Bei öffentlichen Aufträgen stehen wir im Wettbewerb mit anderen Anbietern", erklärt er. "Mal bekommen wir den Zuschlag, mal nicht."

Auch große Wirtschaftsunternehmen wie 3M, Euromoda oder Thywissen wissen den Service der GWN-Gärtnerei zu schätzen. Ebenso die Provinzial-Versicherung in Düsseldorf: "Unsere Mitarbeiter kümmern sich um die rund 1.300 Hydrokultur-Gefäße in den Büros der 3000 Mitarbeiter", sagt Jolitz.

Quelle: NGZ
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