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Neuss
Der Geisterjäger aus Neuss

Neuss: Der Geisterjäger aus Neuss
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Neuss. Heute kommt der dritte Ghostbusters-Film in die Kinos. Bei Geisterbahn-Besitzer Hans Derenbach steigt die Vorfreude. Von Simon Janssen

Hans Derenbach überlegt wenige Sekunden, dann hat er die Lösung parat. "Ich würde versuchen, den Geist durch Nebel sichtbar zu machen, um ihn dann einzufangen", sagt der 47-Jährige augenzwinkernd. Eine sogenannte Protonenkanone besitzt der Neusser zwar nicht, um gruseligen Wesen mit zerstörerischen Strahlen den Garaus zu machen, aber Derenbach ist ja auch kein Ghostbuster.

Heute kommt der dritte Teil der berühmten Fantasy-Komödie in die Kinos. 27 Jahre hatte der Kult zuvor auf Eis gelegen. Erstmals ist das Geisterjäger-Quartett weiblich, aber wie in den beiden ersten Teilen geht es natürlich wieder um die abenteuerliche Geisterjagd mit allerhand Hightech. "Ich bin neugierig und werde ihn mir ansehen", sagt Hans Derenbach.

Auf gewisse Art und Weise ist der Neusser auch ein Geisterjäger. Schließlich sammelt er alles, was einem den Schreck in die Glieder fahren lässt. Egal, ob Totenköpfe oder Skelette. Unechte, versteht sich. Besonders angetan haben es ihm aber gruselige Masken, nach denen er regelmäßig im Internet Ausschau hält. Derenbach stellt sich diese Objekte aber nicht in die Vitrine, sondern erweitert mit ihnen seine Geisterbahn, die er im Keller hat. Ja, seine eigene Geisterbahn.

Als vor rund 20 Jahren das amerikanische Halloween-Fest nach Deutschland kam - und die ersten beiden Ghostbusters-Teile längst über die Kinoleinwände geflimmert waren -, ging der Trend auch nicht an Derenbach vorbei. In seinem Partykeller veranstaltete er regelmäßig Gruselfeten. Von Jahr zu Jahr gab es mehr Dekoration. Irgendwann erweckte er Monster und Zombies per Elektronik zum Leben. Doch damit nicht genug: Durch einen ehemaligen Kohlekeller konnte er seine Räumlichkeiten auf gut 25 Quadratmeter erweitern - und nutzte die Gelegenheit, sich die wohl kleinste private Geisterbahn der Welt zu bauen. Rund sieben Minuten dauert die Fahrt in der kleinen Gondel, in der ein Erwachsener oder zwei Kinder Platz finden. Wegen des hohen Gruselfaktors ist die Mitfahrt aber erst ab zwölf Jahren erlaubt - dieselbe Altersbeschränkung gilt auch für die Ghostbusters-Filme. Nicht nur zu Geburtstagen kommen Geisterfans vorbei, oft rufen auch Schützenzüge oder Kegelclubs an, um sich zu schaudern. Nicht nur wenn Kinder mitfahren, dringen Schreie aus dem stockfinsteren Keller. Zu Beginn kippt die Godel, die von einem Scheibenwischermotor angetrieben wird, plötzlich nach vorn. Es wirkt wie die Abfahrt zur Hölle. Auch die schaurige Musik wirkt nicht sonderlich beruhigend. Sekunden später sieht der Fahrgast auf der rund 13 Meter langen Strecke verschiedenste Horror-Gestalten, denen man unter normalen Umständen nicht unbedingt im Dunkeln begegnen möchte. Es gibt wohl viele, die sich in diesem Moment einen Ghostbuster an ihrer Seite wünschen, der die Kreaturen einfängt. Um den Spaßfaktor für diejenigen zu erhöhen, die außerhalb der Bahn warten, wird die Fahrt per Beamer in den anliegenden Tanzraum übertragen. Die Kamera zeigt dabei die ganze Zeit auf das Gesicht des Fahrgastes.

Derenbach kann mit Stolz von sich behauten, sein inneres Kind am Leben gehalten zu haben. Auch seine Frau Birgitt ist im wahrsten Sinne des Wortes begeistert. "Als ich sie vor fünf Jahren kennenlernte, hatte ich die Bahn ja schon", sagt der Elektriker.

Die Medienanfragen zählt der Hobby-Bastler schon lange nicht mehr. 22 Kamerateams warfen bereits einen Blicken in sein Gruselkabinett. Das Yps-Heft widmete ihm gleich mehrere Seiten. Jede Geisterbahn im Umkreis hat Derenbach bereits besucht. Egal, ob auf Rummelplätzen oder in Vergnügungsparks. Nicht selten ist der 47-Jährige aber enttäuscht. "Oft sieht man die Kreaturen schon frühzeitig, dann ist der Gruselfaktor natürlich weg", sagt er.

Momentan ist die Bahn jedoch außer Betrieb, die Figuren sind mit Staub bedeckt. Der Grund: Genau über der Bahn befand sich bis vor Kurzem noch ein großer ehemaliger Backofen, den Derenbach, abgerissen hat. "Dadurch habe ich 20 Quadratmeter mehr Wohnfläche, aber der Keller wurde dabei etwas in Mitleidenschaft gezogen", sagt der 47-Jährige, der nebenbei im Bundesfanfarenkorps Neuss-Furth Tuba spielt. Wirklich fertig wird die Geisterbahn nie sein. Immer wieder bastelt Derenbach an ihr herum, tauscht Figuren aus oder sorgt für neue Effekte. Ganz oben auf seiner Wunschliste steht Nebel, in dem der Fahrgast ein Gesicht erkennen kann. Der Effekt kostet jedoch mehrere tausend Euro. Der Vorteil: Dann kann er seine Methode, Geister sichtbar zu machen, um sie schließlich einzufangen, in die Tat umsetzen. Spätestens dann wären die Ghostbusters zu fünft.

Quelle: NGZ
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