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Neuss
Der heilige Josef kehrt in die Münsterstraße zurück

Neuss. Die sanierte Heiligenfigur bezog gestern ihre Nische im Giebel des denkmalgeschützten Hauses Nummer vier. Von Christoph Kleinau

Er schaukelte spektakulär, stand dann aber fest: Seit gestern blickt die Josefsfigur wieder allen mit mildem Lächeln entgegen, die vom Glockhammer in die Münsterstraße einbiegen - und den Blick nach oben wenden. Die Rückkehr des Heiligen in seine Nische im gotischen Treppengiebel markiert das Ende der Fassadensanierung des denkmalgeschützten Hauses Nummer vier. "Ich bin schon sehr stolz", gestand Steinbildhauerin Cornelia Pastohr, obwohl sie gestern "nur" darauf zu achten hatte, dass die Blickrichtung der Figur dem Original entspricht. Auf den Punkt irgendwo Richtung Meererhof, auf dem sein steinerner Blick jetzt ruht, hatte er wohl schon seit dem Bau des Hauses im Jahr 1860 geblickt.

Gut sind dem Heiligen die Jahre in seiner Nische nicht bekommen. Das konnten auch die elf Farbschichten nicht kaschieren, die Pastohr von dieser gegossenen Tonfigur abknibbeln musste - eine sogar mit Blattgold. "Der halbe Kopf und eine Schulter fehlten, der Lidbogen über dem Auge war ausgebrochen", zählt Pastohr nur die größten Schäden auf. Die hat sie in monatelanger Kleinarbeit ausgebessert und ergänzt und - weil der Heilige sonst arg fleckig ausgesehen hätte - unter einem Schutzanstrich in einem Anstrich in warmem Terrakotta-Ton "versteckt".

Für sie als Handwerkerin sei dieser Auftrag ein Traum gewesen, erklärt Pastohr, für Hausbesitzer Josef Stappen war die Renovierung nie eine Frage. Lob spendet auch Stadtarchivar Jens Metzdorf dem Gesamtvorhaben. "Es ist eine große Freude zu sehen, mit welcher Sorgfalt und Mühe Sie die Sanierung dieses wunderbaren historischen Hauses angehen", schrieb Metzdorf, der vor allem gebeten worden war, die Person des Heiligen eindeutig zu bestimmen. Sein Urteil war klar: Es ist eine Josefsdarstellung, wie sie im 19. Jahrhundert im Rheinland beliebt und verbreitet war.

Die Baugeschichte des Hauses Nummer vier, in dem um 1900 der Quirinuslied-Komponist und Architekt der Further Josephs-Kirche Julius Busch lebte, reicht aber weiter zurück. Mit Baubeginn Anfang des Jahres wurden im Keller des Hauses Fundamente und Tuffsteinmauern aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Im März 2017 soll auch der Innenausbau abgeschlossen sein, so dass die Versicherungsmakler von Remy+Nauen dort einziehen können.

Doch während diese Baustelle noch nicht fertig ist, haben Marina und Franz-Josef Stappen bereits die Sanierung des Nachbarhauses mit der Nummer sechs in Angriff genommen. Ein Foto von Jean Simons, das Theo Schillings zufällig am Wochenende auf einem Kölner Flohmarkt fand, soll dazu jetzt als Blaupause dienen. Die Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert zeigt an der Stelle, wo zuletzt das Schaufenster eines türkischen Reisebüros war, eine Durchfahrt, breit genug für ein Pferdegespann. So soll es wieder werden. Stappens Wunschmieter für das Ladenlokal wäre ein Blumengeschäft. In den beiden darüber liegenden Etagen wollen die Besitzer Wohnungen schaffen.

Quelle: NGZ
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