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Neuss
Der lange Weg zum Job in Deutschland

Neuss: Der lange Weg zum Job in Deutschland
Der Liebe wegen kam Kateryna Nezhentseva (38) im September 2014 nach Neuss. In Deutschland als Krankenschwester arbeiten zu dürfen, war jedoch schwieriger als angenommen. FOTO: Lothar Berns
Neuss. 17 Jahre lang hat Kateryna Nezhentseva als Intensiv-Krankenschwester in der Ukraine gearbeitet. Ihre Ausbildung wurde jedoch in Deutschland nicht ohne weiteres anerkannt - sie musste sich 920 Stunden lang nachqualifizieren. Von Bärbel Broer

Sie hat es geschafft: Seit dem 1. April darf Kateryna Nezhentseva als Intensiv-Krankenschwester am Lukaskrankenhaus arbeiten. Eine Selbstverständlichkeit war dies nicht. Dabei hat die 38 Jahre alte Ukrainerin bereits 17 Jahre lang als Intensiv-Krankenschwester in einem Krankenhaus in Charkiw, der zweitgrößten Stadt in der Ukraine, gearbeitet - davon zehn Jahre lang auf der Kinderintensivstation. Ihre Ausbildung wurde jedoch in Deutschland nicht ohne weiteres anerkannt. Sie musste sich erst 920 Stunden lang nachqualifizieren. Volker Schmidtke, Pflegedienstleiter am Lukaskrankenhaus, das sie gerne einstellen wollte, unterstützte sie bei dieser erschwerlichen Odyssee.

Zuvor hatte Nezhentseva, die im September 2014 der Liebe wegen nach Neuss gekommen war und bereits monatelang in der Ukraine Deutsch gelernt hatte, ihre Zeugnisse übersetzen und von einem Notar beglaubigen lassen. Die Bezirksregierung Düsseldorf prüfte ihren Antrag auf Berufsanerkennung nach dem Krankenpflegegesetz und teilte ihr mit, dass sie noch einen sogenannten Anpassungslehrgang absolvieren müsse, um ihre Berufsausbildung nach EU-Richtlinien anerkennen zu können.

Im Bereich der theoretischen Ausbildung hatte die Bezirksregierung keine wesentlichen Unterschiede festgestellt, wohl aber in der praktischen Ausbildung. Danach musste Nezhentseva 280 Stunden im stationären Bereich sowohl in der Inneren Medizin als auch 240 Stunden in der Psychiatrie absolvieren. Im Bereich der ambulanten Versorgung fehlten ihr insgesamt 400 Stunden.

Nezhentseva erhielt den Bescheid der Bezirksregierung im Sommer vergangenen Jahres: "Im ersten Moment war ich ein wenig persönlich beleidigt", erzählt sie. Schließlich habe sie ja bereits viele Jahre als Intensiv-Krankenschwester gearbeitet. "Aber ich kann auch verstehen: Ich bin in einem anderen Land, möchte hier arbeiten, dann will man erst prüfen, ob ich das auch wirklich kann."

Das hat sie mittlerweile unter Beweis gestellt. Die Stunden in der Inneren Medizin holte sie im Lukaskrankenhaus nach. Schmidtke half ihr auch bei der Vermittlung ins St.-Alexius-/St.-Josef-Krankenhaus sowie zu einem Pflegedienst, um die notwendigen Stunden in der Psychiatrie und der ambulanten Versorgung leisten zu können.

Normalerweise hätte sie sich diese Anlaufstellen selber suchen müssen. "Unsere Bürokratie zu verstehen und dabei allein auf sich gestellt zu sein in einem fremden Land - das ist jedoch zu viel verlangt", sagt Schmidtke. Auch wenn Nezhentseva immer durch ihren Partner, der jedoch nicht aus der Gesundheitsbranche kommt, unterstützt wurde.

Schmidtke: "Wir haben einen Pflegenotstand und dann müssen wir auch unseren Teil erfüllen." Er ist überzeugt: "Wenn das Lukaskrankenhaus sie nicht dabei unterstützt hätte, hätte das auch bis zu zwei Jahre dauern können." Er sei glücklich, dass dieser Arbeitsvertrag jetzt unterschrieben ist. Denn es sei generell schwierig, Pflegepersonal zu finden. "Daher können wir es uns nicht leisten, diese Berufsgruppen abzuweisen."

Nezhentseva ist nun anerkannte Gesundheits- und Krankenpflegerin. "Den halben Berg habe ich geschafft." Als sie den verwunderten Blick von Schmidtke registriert, erwidert sie lächelnd: "Wenn ich meine Probezeit bestanden habe, habe ich den Berg erreicht."

Quelle: NGZ
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