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Persönlich
Der letzte Kohlenhändler aus Neuss

Neuss. Mit seiner Tätigkeit ist Peter Brüggen ein echtes Unikat - doch lange kann er den Job nicht mehr machen.

Neuss (jasi) Eigentlich wollte er seine Kohlenwaage schon längst im Garten mit Blümchen bepflanzt haben, doch Peter Brüggen kann es einfach nicht lassen. "Eigentlich solle ich aufhören", gibt der 72-Jährige zu. Doch er möchte seine Stammkundschaft nicht im Stich lassen. Schließlich sind gerade ältere Kunden auf seine Dienste angewiesen - Peter Brüggen ist der letzte Kohlehändler von Neuss.

Der gelernte Autoelektriker macht keinen Hehl daraus, dass sich die Arbeit nicht mehr wirklich lohnt. Nur noch rund 50 Kunden beliefert er. Nicht nur in Neuss, sondern unter anderem auch in Korschenbroich, Kaarst oder Düsseldorf. Meistens handelt es sich dabei um ältere Menschen mit entsprechenden Öfen. "Viele von ihnen sind nicht so gut zu Fuß", sagt Brüggen. Auch deshalb brauchen sie ihn.

Brüggen stieg 1969 - als 25-Jähriger - in den Betrieb ein, im Jahr darauf übernahm er ihn von seinem Damals begann der Knochenjob bereits um 7 Uhr in der Früh, Feierabend hatte er nicht selten erst nach 20 Uhr. "Das waren drei Fitness-Studios auf einmal", scherzt der Kohlehändler über die harten Arbeitstage. Eine mehrtägige Silvestertour, wie er sie mit seiner Frau beim jüngsten Jahreswechsel machte, sei damals undenkbar gewesen - es war einfach zu viel zu tun. "Das hätte ich mir nie erlauben können", sagt er. Fuhr er früher täglich mehr als zehn Stunden durch den Rhein-Kreis, absolviert er heute nur noch maximal eine Liefer-Tour pro Tag. Bei Kälte werden es schon mal zwei.

"Die Leute, die noch fit sind, fahren in den Baumarkt, weil es günstiger ist", sagt Brüggen. Sein Vorteil ist jedoch, dass er Eierkohle und Anthrazitkohle mit hoher Heizkraft liefert - Sorten, die woanders nur äußerst schwer zu kriegen sind.

Quelle: NGZ
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