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Neuss
Der Mann für die perfekte Welle

Neuss: Der Mann für die perfekte Welle
Heinz Peter Melder macht die Wellen im Stadtbad. FOTO: Woitsch�tzke, Andreas
Neuss. Das Stadtbad an der Niederwallstraße ist eine Rarität. Es gehört zu den wenigen Wellenbädern, die es in Deutschland noch gibt. Von Dagmar Fischbach

Es ist ein winziger Knopf in der Schwimmmeisterkabine, aber er hat eine große Wirkung. "Wer hier drauf drückt, setzt die Maschinerie für den Wellenbetrieb in Gang", erklärt Heinz Peter Melder. Er leitet das Stadtbad an der Niederwallstraße und weiß, dass es nicht nur wegen seines 50-Meter-Schwimmerbeckens eine ganz besondere Attraktion ist. "Wir sind das einzige Wellenbad in der Region", sagt er stolz.

In den Ferien bekommt das große Schwimmerbecken mittwochs, freitags und sonntags einen Hauch von Atlantik. Auf mächtigen Wogen können sich die Wasserratten durch die Halle tragen oder im sanft ausplätschernden Wasser am Rand die Füße baumeln lassen. "Vor allem für Kinder und Jugendliche ist das ein Riesenspaß. Aber auch viele Erwachsene genießen bei uns ein bisschen Urlaubsgefühl", so Melder.

Das Stadtbad an der Niederwallstraße gehört zu den wenigen Wellenbädern, die es in Deutschland noch gibt. FOTO: Stefanie Paul

Als das Bad im Jahr 1981 eröffnet wurde, wogte das Wasser im 50 mal 21 Meter großen Becken jeden Tag. "Aber das Bäderkonzept in Neuss hat sich verändert. Wir sind heute mehr Schul- und Vereinsbad", erklärt Melder. Für die Sportler ist das wogende Wasser eher hinderlich. Deshalb gäbe es den Wellenbetrieb außerhalb der Ferienzeiten nur noch für einige Stunden an Freitagnachmittagen und sonntagvormittags.

Angekündigt wird das Spektakel von einem Gong und einer Stimme vom Band: "In drei Minuten beginnt der Wellengang." Rund eine Viertelstunde vorher hat Heinz Peter Melder den Knopf in der Schwimmmeisterkabine gedrückt. So lang ist die Vorlaufzeit, denn hinter dem Wasserspaß steckt eine enorme technische Leistung. "Wir müssen zunächst die Ventilatoren auf Leistung bringen", erklärt Melder. Denn die Wellen im Schwimmbad werden mit Hilfe von Druckluft gemacht. Vier riesige Rotoren verstecken sich unter den Sprungböcken im Schwimmerbereich und pusten später Wasser aus Druckkammern durch die Gitter in der Beckenmauer.

"Vorher muss aber noch Wasser aus dem Becken abgelassen werden, damit das Bad nicht überflutet. Rund 630 Kubikmeter verschwinden innerhalb von drei Minuten", sagt der Herr der Wellen im Stadtbad. Sie fließen in ein riesiges Auffangbecken unter dem Boden des Hallenbades. Dann springen die Ventilatoren an und schieben mit enormem Druck das Wasser aus Kammern unter den Sprungböcken ins Becken. Eine Welle entsteht.

"Das passiert immer abwechselnd bei mehreren Kammern. So produzieren wir viele Wellen nebeneinander", erklärt Melder. Immer wieder füllen sich die Kammern mit Wasser, immer wieder wird es herausgedrückt. Ein energieintensiver Spaß. "Damit wir unsere Strom-Spitzenwerte nicht überschreiten, wird für die Dauer des Wellengangs zum Beispiel die Lüftung zurück gefahren", erklärt Melder.

Rund zehn Minuten lang schaukelt das Wasser. Dann werden die Wellen langsam kleiner und schließlich beruhigt sich die Oberfläche. Das Wasser aus dem Auffangbecken wird langsam zurück ins Becken gedrückt. Der Wasserspiegel steigt. Das Stadtbad hat wieder ein ganz normales Sportbecken - bis zum nächsten Gong.

Info Das Stadtbad an der Niederwallstraße wurde im Jahr 1981 als "Bad für alle" eröffnet. Heute ist es überwiegend Schul- und Vereinsbad. Sein 50 mal 21 Meter großes Becken kann per Hubwand in einen 25-Meter-Schwimmer- und einen 23-Meter-Nichtschwimmerbereich geteilt werden. Wellenbetrieb ist freitags von 15 bis 17.45 Uhr und sonntags von 9 bis 12.45 Uhr.

Quelle: NGZ
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