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Neuss
Der Pastor, der auch Türkisch kann

Neuss: Der Pastor, der auch Türkisch kann
Pastor Klaus Nickl verlässt nach acht Jahren den Pfarrverband Neuss-Nord. Verabschiedet wird er beim Pfarrfest der Gemeinde St. Thomas Morus am Sonntag, 26. Juni. FOTO: G. Salzburg
Neuss. Klaus Nickl verabschiedet sich aus dem Pfarrverband Neuss-Nord. Der 60-Jährige wechselt auf eigenen Wunsch ins Bergische Land. Weil er als Pfarrer auf dem Land viel unterwegs ist, wünscht er sich zum Abschied Geld für ein E-Bike. Von Elisabeth Keldenich

Eine zufällige Begegnung mit einer türkischen Mitbürgerin zeigt die große Beliebtheit von Klaus Nickl, dem scheidendenden Pfarrvikar der Neusser Nordstadt: Im Schatten der Christ-König-Kirche erkundigt er sich nach dem Befinden der Dame - auf Türkisch. Das kurze Gespräch zeugt von dem guten Miteinander, das der Geistliche in den acht Jahren seiner Tätigkeit aufbauen konnte. Gerade auch zu den Mitbürgern mit türkischen Wurzeln.

"Ich stehe seit 30 Jahren in Kontakt zu türkischen Familien und Jugendlichen", erläutert Nickl. Die Sprachkenntnisse eignete er sich in Volkshochschulkursen an.

Die Schwerpunkte seiner Arbeit, zu er in allen vier Nordstadtgemeinden beauftragt war, lag bei den priesterlichen Diensten. Dazu zählen etwa Sakramentenspendung, Eucharistiefeier, Predigt und die Schulpastoral. "Ich habe mehrere Schulen intensiv betreut", sagt Nickl, der einen guten Draht zu Kindern und früher seinen eineiigen Zwillingsbruder schon mal unerkannt im Chor vertreten hat. "Die Kinder habe ich als durchweg begeisterungsfähig wahrgenommen. Sie feierten die Gottesdienste sehr gerne mit", berichtet er.

Ein weiteres Standbein war die Jugend- und Ministrantenarbeit. "Ich erlebte viele hohe Leiter mit großem Überblick", sagt Nickl schmunzelnd über die Körpergröße der Jugendlichen. Es sei eine tolle Zeit gewesen. "Das kann ich hundertprozentig und ohne Abstriche sagen", fasst er zusammen.

Zu seinen weiteren Betätigungsfeldern gehörten Caritasaufgaben. Dabei kümmerte sich Nickl um alte und kranke Menschen und um Flüchtlinge. "Ich habe ihnen die Sakramente gespendet und Einzelgespräche geführt", erklärt er. Als Pfarrvikar war er von Verwaltungsarbeit befreit. "So hatte ich acht Jahre lang ein hohes Maß an Zeit und konnte viele Besuche machen", erinnert er sich.

Die Menschen seien immer sehr dankbar, sich ihm anvertrauen zu können. "Denken Sie an mich und beten Sie für mich", ist ihm oft mit auf den Weg gegeben worden. Der so entstandene Kontakt wurde von keiner Seite vergessen.

Kraft für seine Arbeit schöpft Nickl durch die Ruhe festgelegter Gebetszeiten. Außerdem hat er keinen Fernseher. "Wenn ich unbedingt etwas sehen will, besuche ich jemanden", sagt er schmunzelnd. Die gewonnene Zeit nutzt er zum Lesen theologischer Fachbücher.

Ein willkommener Arbeitsausgleich ist das seit Kindesbeinen betriebene Tischtennisspielen in der DJK Novesia und das Fahrradfahren. Zum Abschied wünscht er sich ein E-Bike, denn seine neue Stelle im Seelsorgebereich Engelskirchen in Kooperation mit dem Bereich Oberberg-Mitte erfordert die Überwindung großer Strecken und Höhenunterschiede. "Im Bergischen Land ist es bei Sonnenschein sehr schön", gibt Nickl zu, der auf eigenen Wunsch dorthin wechselt. "Mit 60 Jahren fühle ich mich noch fit für einen Neuanfang. Auf dem Land gibt es viel zu wenige Priester", erklärt er.

Zum Abschied gehört für ihn auch Wehmut, aber er freut sich auch auf die neue Aufgabe. Im Rahmen des Pfarrfestes in St. Thomas Morus wird Nickl am 26. Juni im Gottesdienst um 10 Uhr verabschiedet.

Quelle: NGZ
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