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Neuss
Der Sommer in Neuss beginnt literarisch

Neuss: Der Sommer in Neuss beginnt literarisch
Hanns Zischler ist Schauspieler, Dramaturg, Übersetzer, Essayist und Romanautor. Er liest im Theater am Schlachthof. FOTO: Julia Baier
Neuss. Mit neun Lesungen ist das Neusser Programm des städteübergreifenden Literarischen Sommers so umfangreich wie noch nie. Insgesamt gibt es 29 Lesungen acht Städten und Gemeinden, zwei davon liegen in den Niederlanden. Von Helga Bittner

Der Literarische Sommer in Neuss wird lang. Neun Lesungen stehen auf dem Programm, das in Neuss am kommenden Dienstag mit einer Lesung von Ralph Dutli startet. "Seit den Jüdischen Kulturtagen haben wir keine Veranstaltungen mehr gemacht", sagt Bibliotheksleiter Alwin Müller-Jerina, der gemeinsam mit Marion Kallus das städteübergreifende Lese-Festival organisiert, "deswegen wollen wir nun mehr als sonst anbieten."

"Sonst" umfasst der eigene Anteil der Lesungen beim Literarischen Sommer um die fünf. Für das Mehr an Lesungen muss die Stadtbibliothek allerdings auch mehr zahlen: "Das ist in Ordnung", betont Müller-Jerina, der sein Veranstaltungsbudget zudem in den vergangenen drei Monaten geschont hat. Mit dem Wechsel von Projektleiterin Ursel Hebben an die VHS hatte sich in der Bibliothek eine Lücke aufgetan, die erst jetzt mit Christine Breitschopf geschlossen wurde. Sie übernimmt denn auch weitgehend die Organisation der Neusser Lesungen.

Die 16. Auflage des Literarischen Sommers in acht Kommunen bietet zwei inhaltliche Premieren. Zum ersten Mal wird in allen Städten fortlaufend aus einem Buch gelesen, und zum ersten Mal werden Literatur-Verfilmungen gezeigt. J.J. Voskuil aus den Niederlanden hat bei seinem Tod 2008 ein siebenbändiges Werk mit dem schlichten Titel "Das Büro" hinterlassen, das mehr als 800 Seiten umfasst. Für Lesungen in Aachen, Krefeld, Mönchengladbach, Düsseldorf und Neuss wurde daraus Material zusammengestellt. Die Filmvorführungen von "Als wir träumten" nach dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer und "Von Hunden und Pferden" indes finden nur in Aachen statt, weil der Autor dort auch liest. Das Programm in Neuss:

Ralph Dutli hat Müller-Jerina mit seinem Auftritt in der Ausstellung "Bienchen, Bienchen, gib mir Honig" der Alten Post überzeugt, aber auch mit seinem Buch "Soutines letzte Fahrt", aus dem er am Dienstag (30.) lesen wird.

Arjan Visser aus den Niederlanden kommt am 7. Juli mit seinem ersten Roman, der auch ins Deutsche übersetzt wurde: "Der blaue Vogel kehrt zurück". Er selbst spricht allerdings nicht so gut Deutsch, dass er seine Geschichte über einen Exilanten, der zurückkehrt, auch lesen könnte. "Es wird einen deutschen Vorleser geben", verspricht Müller-Jerina.

Steffen Kopetzky nimmt die Zuhörer bei der Lesung aus seinem Roman "Risiko" am 15. Juli mit auf eine (Zeit-)Reise durch die Welt und in das 20. Jahrhundert. Das Buch ist gerade erst erschienen und zudem bestückt mit Aquarellen seines Sohnes Erasmus, die bei der Lesung auch gezeigt werden. "Vermutlich müssen wir unseren Saal dann etwas anders einrichten", sagt Müller-Jerina schmunzelnd.

Norbert Scheuer ist ein Schriftsteller, den die Stadtbibliothek schon lange auf der Wunschliste hat. Sein für den Leipziger Buchpreis nominierter Roman "Die Sprache der Vögel" erzählt von einem Ornithologen, der als Sanitäter der Bundeswehr nach Afghanistan geschickt wird (22. Juli).

Michael Kleeberg wurde gerade mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet, ist in Neuss beileibe kein Unbekannter und liest am 28. Juli aus seinem Buch "Vaterjahre". Es erzählt von einem Mann, der vieles erreicht hat und dennoch fragt, ob es das schon ist mit dem Leben.

Hanns Zischler ist nicht nur ein bekannter Schauspieler, sondern viel mehr - unter anderem auch ein Schriftsteller. Er stellt am 6. August seinen Roman "Das Mädchen mit den Orangenpapieren" im Theater am Schlachthof (TaS) vor. Müller-Jerina freut sich, dass die Lesung mit Zischler so schnell zustande kam. "Ich kann es kaum glauben", meint er, "wo er doch so viel macht."

Daniel Metzger ist Müller-Jerina zunächst über das Cover seines Buches "Land spielen" aufgefallen. Es ist sein Debüt und in einem kleinen Verlag erschienen, aber dem Bibliotheksleiter gefiel die Geschichte über eine fünfköpfige Familie auf Anhieb. Metzger stellt sie am 13. August vor.

J.J. Voskuils Roman "Das Büro" wird in einem ebensolchen von TaS-Chef Markus Andrae gelesen. Kulturdezernentin Christiane Zangs räumt dafür am 20. August ihr Zimmer im Rathaus. Nur 25 Zuhörer haben darin Platz, Karten gibt es nur nach verbindlicher Anmeldung.

Raoul Schrott ist wohl der berühmteste Name unter den neun, die im Neusser Programm stehen. Er beschließt den Literarischen Sommer am 9. September in Neuss und kommt mit seinem Buch "Hesiods Theogonie - Sex and Crime anders gesehen".

Quelle: NGZ
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