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Neuss
Der Super-Pianist wieder in Neuss

Neuss. Der Jungstar bot beim Zeughauskonzert ein sorgfältig durchdachtes Programm zwischen "Traum und Ekstase".

Der Ausnahmepianist Joseph Moog bleibt Neuss und dem Zeughaus treu. Vor 12 Jahren hatte Kulturdezernent Rainer Wiertz den 1987 in Ludwigshafen geborenen Musiker, den damals noch die Aura des Wunderkindes umgab, auf die Museumsinsel Hombroich geholt. Inzwischen hat der Pianist international in selten steiler Karriere reüssiert und zahlreiche bedeutende Preise eingesammelt.

Ganz aktuell ist er für den "International Classic Music Award 2017" nominiert. Eine große Fangemeinde hat Joseph Moog in Neuss spätestens seit dem 2. Mai 2014. Vor gut zwei Jahren hat er in einem Sonderkonzert im Zeughaus ohne Gage den neuen Steinway-Flügel "ausprobiert". Auch dieser Besuch in Neuss war ein wichtiges Datum, denn zu diesem Konzert kam ein Vertreter der renommierten Londoner Künstleragentur "Askonas Holt". Seit diesem Abend in Neuss wird der Super-Pianist von ihr vertreten.

Nun war der Jungstar ohne jegliche Allüren wiederum beim Zeughauskonzert und bot ein sorgfältig durchdachtes Programm zwischen "Traum und Ekstase". Mit Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel "Nun komm, der Heiden Heiland" in der Transkription von Ferruccio Busoni begann ein Abend, den die Zuhörer im gut besuchten Zeughaus nicht vergessen werden. Spätestens seit Joseph Haydns Meisterwerk "Fantasie in C-Dur" mit häufigem Übergreifen der Hände und den "15 Variationen über ein Originalthema in Es-Dur" (Opus 35) von Ludwig van Beethoven staunte man über die Klangschönheit, die Joseph Moog den großen Werken - mal fesselnd, dann meditativ versunken - mit seiner reifen Interpretation und wunderbar entwickelten Anschlagskultur gab.

Das rühmen Kritiker auch so: Er ist "eine der auffallendsten Erscheinungen des gegenwärtigen Musiklebens, ein Schatzgräber mit überirdischer Technik". In transzendente, gelegentlich elegische Welten führte Joseph Moog die Zuhörer mit Max Regers "Träume am Kamin" (op. 143). Weil das Regers letztes Klavierwerk von 1916 (sein Todesjahr) ist, sprach das im übrigen ausgezeichnete Programm von "reifem Altersstil". Nun ist Max Reger leider nur 43 Jahre alt geworden. Ekstatische Gewalt bietet schließlich "L'isle joyeuse" von Claude Debussy. Der virtuos berauschende Vortrag sorgte für stürmischen Applaus.

Bemerkenswert auch die beiden Zugaben: Zunächst spielte Joseph Moog in einer eigenen Transkription "I got Rhythm" aus George Gershwins bekanntestem Musical "Girl Crazy" und zuletzt wieder im Rahmen seines klaren Programmkonzeptes eine "Bilder-Etüde" (aus dem Opus 33) von Sergej Rachmaninov.

(Nima)
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