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Neuss
Der Traum vom Silicon Valley

Neuss: Der Traum vom Silicon Valley
Denken spielerisch, kreativ und wagemutig: Annika Kneppel. Natalie Mietzner, Lehrerin Hilde Moore (obere Reihe; v. l.), Lara Yilmaz , Lena Peschkes und Vanessa Hilgers (untere Reihe, v. l.). FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Fünf Schülerinnen vom Neusser Berufskolleg Weingartstraße nehmen an der "Technovation Challenge" 2016 teil, einem IT-Wettbewerb für Mädchen. Sie entwickeln eine App, die sie bis zum IT-Standort nach San Francisco bringen könnte. Von Jan Dobrick

Fünf Schülerinnen arbeiten in ihrem Klassenraum im Berufskolleg für Informatik und Wirtschaft an der digitalen Zukunft. Genau genommen ist "Klassenraum" der falsche Begriff. Eigentlich müsste es "Praxiswerkstatt für App-Entwicklung" heißen. Lara Yilmaz, Annika Kneppel, Vanessa Hilgers (alle 17), Lena Peschkes und Natalie Mietzner (beide 18) üben sich im Silicon-Valley-Denken: spielerisch, kreativ und wagemutig. Sie wollen eine Idee in ein Geschäft verwandeln, wie es in dem US-amerikanischen IT-Standort in San Francisco, in dem alles als machbar erscheint, rund um die Uhr passiert.

Unterstützung bekommen sie von ihrer Lehrerin Hilde Moore und von Caroline West, die in Deutschland von Düsseldorf aus das weltweite IT-Programm "Technovation Challenge" betreut. Das soll den technischen Unternehmergeist von Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren fördern. "Wir helfen ihnen, ihre innovative Seite zu entdecken", sagt West.

"Technovation" ist ein gemeinnütziger Verein aus den USA, der Ingenieure und Wissenschaftler darin ausbildet, junge Menschen zu betreuen. Der Auftrag: Insbesondere Mädchen und Frauen sollen lernen, Probleme mit Technologie zu lösen. Sie sollen zu Erfinderinnen werden. "Mädchen haben es oft schwerer als Jungs, ihre Interessen und Ideen bei technischen Themen umzusetzen, darum brauchen sie Hilfe", sagt Caroline West.

Die schöpferische Leistung der fünf Neusserinnen aus der US Business Class bisher: die Idee einer Android-App, die zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt, indem sie viele Menschen und Kulturen übereinander informiert, sie verbindet und dadurch den interkulturellen Dialog fördert. "Nicht nur in unserer Stadt, sondern auf der ganzen Welt", sagt Lena Peschkes. Auch skizziert ist die Idee mit einer Weltkarte und einer Messenger-Funktion schon. Mehr wird nicht verraten. Es ist eine Vielfalt an Gedanken, die den Mädchen in den Stift geflossen sind. Das Motto: "Denke groß, starte klein."

2010 begann die "Technovation Challenge" - unterstützt von der Unesco und UN Frauen - als Modellversuch mit 45 Mädchen. Seitdem ist das IT-Programm stetig gewachsen. Inzwischen kommt es auf mehr als 3000 Teilnehmerinnen aus 28 Ländern. Deutschland ist 2016 erstmals dabei. Das Team aus Neuss hat sogar einen kleinen Vorsprung, da die Anmeldung noch bis Januar möglich ist. Im April muss das Projekt abgeschlossen sein, damit es beim deutschen Vorentscheid in der Landeshauptstadt präsentiert werden kann. Die weltweit zehn besten Teams dürfen ihre App schließlich in San Francisco vorstellen. Sie kämpfen um etwa 9.500 Euro Preisgeld für die Produkt-Entwicklung.

Lara Yilmaz erklärt zwar, dass "der Weg sei das Ziel" sei. "Aber bei einem Wettbewerb macht man natürlich mit, um zu gewinnen", betont Natalie Mietzner, die genau wie ihre Mitschülerinnen "in kurzer Zeit extrem viel Neues lernt" und sich später - wie auch die anderen - einen Job in der IT-Branche vorstellen kann. Markt und Konkurrenz haben die Schülerinnen des Abschlussjahrgangs bereits analysiert. Hilfe gab es dabei von zwei Mentoren des Telekommunikationskonzerns Verizon. "Langsam kann das Team damit beginnen, die App zu programmieren und zu designen", sagt Lehrerin Hilde Moore. "Dafür nutzen sie unter Anleitung den MIT App Inventor."

Die Mädchen haben alle Hände voll zu tun. "Wir arbeiten nicht nur in der Schule an dem Projekt. Privat organisieren wir uns in Video-Konferenzen", sagt Lena Peschkes. Parallel bereiten sich die Zwölftklässlerinnen auf die Abschlussprüfungen im Mai vor. "Die überschneiden sich hoffentlich nicht mit der Präsentation in San Francisco", bemerkt Natalie Mietzner. An kreatives Scheitern verschwenden die ehrgeizigen Erfinderinnen scheinbar keinen Gedanken. "Denke groß, starte klein" ist das Motto - und davon weichen die Fünf nicht einen Millimeter ab.

Quelle: NGZ
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