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Neuss
Detektivische Suche nach verlorenem Fluss

Neuss: Detektivische Suche nach verlorenem Fluss
Geograph Karl Remmen nahm die Teilnehmer der "Neusser Natur"-Tour mit auf eine spannende Suche nach dem Flüsschen Krur. FOTO: WOI
Neuss. "Neusser Natur" suchte nach der Krur, einem kleinen Fluss in Neuss, der einst verschwand, bis Karl Remmen ihn wiederentdeckte. Von Ute Böhm

Mit einer guten Portion Neugier und detektivischem Gespür machten sich am Samstag elf Teilnehmer mit Karl Remmen auf die Suche nach der Krur. Angeboten von NGZ und Neuss Marketing führte der pensionierte Lehrer die Gruppe mit viel Fachwissen um die Geographie der Stadt zu den verbliebenen Zeugnissen eines kleinen Flusses, den es heute nicht mehr gibt.

Den Leitsatz seines Professors hat sich Karl Remmen zu eigen gemacht: Der Geograph geht zu Fuß und guckt. So kam es dann auch, dass Remmen, der in den 1960er Jahren nach Neuss kam, stutzte, als er an der Lützowstraße Besonderheiten in der Bodenstruktur entdeckte. "Ich habe mir dann die Fließrichtung von Nordkanal und Stadtgraben angesehen und dachte: Da stimmt doch was nicht", erklärte er. Merkwürdige Gräben in der Gegend entlang der Lützowstraße und der Jahnstraße brachten ihn auf die Idee, dass es dort einmal ein Gewässer gegeben haben muss. Also zog er in die Archive und grub die Krur buchstäblich wieder aus. Inzwischen ist er ein echter Kenner der Neusser Geographie und hat ein Buch über die Krur geschrieben.

Eine Quelle der Krur lässt sich nicht lokalisieren, sie ist wohl entsprungen aus mehreren kleinen Quellen und dem Grundwasser der Neusser Mitteltrasse, zog sich in großen Bögen zum Stingesbach hin und schlängelte sich Richtung Rhein. Für das Verschwinden der Krur ist das mittelalterliche Neuss verantwortlich. Damals verlagerte der Rhein sein Bett, und die Neusser lenkten die Krur in den Stadtgraben ab, um die Wasserversorgung zu sichern. Heute erinnert nur noch die Krurstraße an den Fluss gleichen Namens.

Beim Bau des Nordkanals wurde das Bett der Krur zum Teil genutzt. Auf seinen Spürsinn musste sich Karl Remmen auch auf seiner Suche nach der Krur verlassen, denn es gibt wenig Belege, aber viele Spuren. Sein Fachwissen machte die Tour für die Teilnehmer besonders interessant. Mit geschultem Auge machte er auf auffällige Senken aufmerksam und machte so den Weg der Krur nachvollziehbar. Für die Teilnehmer eine gelungene Mischung aus historischen Details und Blick für die Natur in der Stadt. Zwar hatten es sich einige der angemeldeten Teilnehmer wohl wegen des feuchten Wetters spontan anders überlegt, aber jene, die dem Regen trotzten, erklärten nach der Tour, es sei ein echter Gewinn gewesen.

"Ich lebe schon seit einigen Jahren hier, aber aus diesem Blickwinkel habe ich Neuss noch nicht betrachtet", erklärte eine der Teilnehmerinnen. Die Tour ging weiter zur Preußenstraße. An der Kreuzung zur heutigen Jahnstraße muss einmal ein Sumpfgebiet gewesen sein, es gibt Zeugnisse, dass dort sogar Torf gestochen wurde. Als das Jahnstadion vor 100 Jahren gebaut wurde, gab es viele Bodenbewegungen. Auffällig ist bis heute, dass die Gärten um einiges tiefer liegen als die Straße. Der Blick auf eine Karte aus Napoleons Zeiten zeigt, dass es rund um Neuss viele Indizien für Wasservorkommen gegeben hat. Im Stadtwald erklärte Karl Remmen einiges über die Vegetation. Ein kleiner Bach, vermutlich einmal ein Zufluss der etwas größeren Krur, wurde von den Teilnehmern spontan einfach als "Baby-Krur" bezeichnet. Damit ist zumindest ein Stückchen des alten Neusser Gewässers erhalten geblieben.

Quelle: NGZ
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