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Neusser Natur
Dichtung parallel zur Natur

Neusser Natur: Dichtung parallel zur Natur
Die Natur und die Idylle am Soumagne-Weg prägten den Dichter, der dort bei täglichen Spaziergängen seine Ruhe fand. FOTO: Woi
Neuss. Die Veranstaltungsreihe "Neusser Natur" stellt am kommenden Samstag den Soumagne-Weg entlang des Norfbachs vor. Geführt wird die Tour von Achim Thyssen. Der Leiter des Internationalen Mundartarchivs kannte den Dichter persönlich.

Wenn der Neusser Dichter Ludwig Soumagne Ruhe und Inspiration finden wollte, suchte er sie in der Natur. Bei einem ausgiebigen Spaziergang durch sein Heimatdorf Norf konnte er Kraft schöpfen für seine zwei völlig unterschiedlichen Berufe. Denn während Ludwig Soumagne den Norfern vor allem als Bäcker bekannt war, der allmorgendlich in der Backstube anpackte, war er gleichzeitig ein international bekannter Dichter.

Ludwig Soumagne gehört zu den prominenten Vertretern der sogenannten "Neuen Deutschen Dialektdichtung". Er verfasste mehrere Gedichtbände, Hörspiele und ein Theaterstück, hielt Gastvorlesungen für Studenten - unter anderem in Mexiko. Sein Gedicht "Die Litanei" wurde in mehr als 300 Mundarten und Sprachen übertragen. Bereits zu Lebzeiten benannte der Rhein-Kreis Neuss sein Internationales Mundartarchiv nach diesem außergewöhnlichen Dichter.

In Norf wurde Soumagne nach seinem Tod eine besondere Ehrung zuteil. Der Weg seiner täglichen Spaziergänge wurde als Ludwig-Soumagne-Weg ausgewiesen. Auf 17 Tafeln entlang des Weges finden Spaziergänger ausgewählte Texte des Dichters. Am Samstag ist dieser Weg das Ziel der Reihe "Neusser Natur", zu der Neuss Marketing und die NGZ gemeinsam einladen.

Geführt werden die Besucher dabei von Achim Thyssen, einem echten Kenner Soumagnes. Thyssen ist - seit dessen Gründung im Jahr 1986 - Leiter des "Internationalen Mundartarchiv Ludwig Soumagne". In der Zeit hat er Soumange kennen gelernt und intensiv mit ihm zusammen gearbeitet. "Er war ein sehr schwieriger Mensch", erinnert sich Thyssen, "ein typischer Dichter, der meisterhaft schreiben konnte und doch immer mit seiner Dichtung gehadert und sich nach Anerkennung gesehnt hat."

Das Leben und die Kunst Soumagnes will Thyssen den Besuchern der Tour nahe bringen und ihnen dabei zeigen, wie die Natur aussieht, in der sich Soumagne so wohl gefühlt hat, welchen Einfluss sie auf sein Werk hatte. Außerdem kennt Thyssen noch Geschichten über den Weg, die Soumagne ihm erzählt hat. Etwa dass auf dem Grundstück einer verlassenen Villa mehrere Nussbäume standen, bei denen Soumagne regelmäßig Nüsse gesammelt habe.

"Er ist die Strecke später auch oft mit seinem Enkel gegangen", sagt Thyssen. Ihm habe er dann auch erzählt, welcher Vogel da gerade singe oder welcher Baum am Wegesrand steht. Auch traf er immer wieder auf seine Norfer Nachbarn, mit denen er sich auf Platt unterhielt. Selbstverständlich erscheint das nicht. Denn Ludwig Soumagne schrieb zwar immer in dem Dialekt seiner Heimat, über seine Gedichte sprach er aber immer in bestem Hochdeutsch. Wirklich gut schreiben konnte er trotzdem nur in Mundart. "Das war nunmal seine Muttersprache, und darüber hat er sich auch sehr viele Gedanken gemacht", sagt Thyssen. Das Nachdenken über Sprache war sicher der größte Begleiter auf seinem Weg durch die Norfer Natur.

Bis Oktober laden Neuss Marketing und NGZ mit der Reihe "Neusser Natur" alle zwei Wochen zu Aktiv-Touren ein, um Neussern ihre Stadt aus ungewohnten Blickwinkeln näher zu bringen. Die Teilnehmer sind aufgerufen, sich ihre Heimat mit der Fotokamera zu erschließen. Begleitet wird die Reihe darum von einem Foto-Wettbewerb. Die schönsten Bilder zeigt Neuss Marketing auf seiner Homepage.

Quelle: NGZ
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