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Neuss
Die Erbauer des schnellen Internets

Neuss: Die Erbauer des schnellen Internets
FOTO: Berns, Lothar (lber)
Neuss. Ab Samstag wirbt die Deutsche Glasfaser im Neusser Süden um Kunden für schnelles Internet auf dem Land. Wer aber ist das Unternehmen, das mit Millionen aus den USA das schaffen will, woran Bund und Telekom bisher scheiterten? Von Andreas Gruhn

Die Bürgerversammlung in Uedesheim hat große Tradition. Unter anderem muss der Bürgermeister persönlich erscheinen. Am Samstag begrüßt Reiner Breuer (SPD) dann aber auch Gäste, diesehr neu sind in der Stadt: Die Deutsche Glasfaser GmbH beginnt bei der Versammlung damit, Kunden zu finden für den Ausbau eines Glasfasernetzes in den südlichen Regionen der Stadt. Entsprechende Vereinbarungen haben Stadt und Unternehmen bereits unterzeichnet. Rasend schnelles Internet in ländlichen Regionen - wer ist das eigentlich, der verspricht, das zu schaffen, woran Bundesregierung und Netzbetreiber Deutsche Telekom bisher scheiterten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer ist die Deutsche Glasfaser? Ein Unternehmen aus den Niederlanden, das im Jahr 2012 von einer niederländischen Investmentgesellschaft gegründet wurde - auch wenn der Name nach einer ehemaligen Bundesbehörde klingt. Im Juli dieses Jahres stieg die US-amerikanische Investorengruppe KKR ein und investierte 450 Millionen Euro in das Wachstum. Mit diesem Geld sollen in den kommenden Jahren etwa eine halbe Million Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen werden.

Wie ist das Geschäftsmodell? Wenn in einem Plangebiet 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag abschließen, wird gebaut. Kunden müssen sich für zwei Jahre an das Unternehmen binden, aber auch andere Internet-Provider dürften theoretisch das Netz benutzen - und dafür zahlen. So ist auch das Geschäftsmodell: Die Deutsche Glasfaser versteht sich als Netzbetreiber, die langfristig mit einer zukunftssicheren Technik Geld verdienen will. Kalkül: Wenn die Glasfaserleitung einmal liegt, haben Internet-Provider kaum eine andere Wahl. Die Kosten pro Anschluss liegen zwischen 1500 und 2000 Euro. "Wir rechnen mit einer Amortisierungszeit von 15 Jahren", sagt Nicole Holländer, Marketingchefin für diese Region. "Aber wir bauen die Netze für die Zukunft."

Welche Gebiete sind in Neuss geplant? In Uedesheim (1516 Hausanschlüsse), Helpenstein, Speck, Wehl, Rosellerheide-Neuenbaum, Rosellen (3073 Anschlüsse), Derikum (1161 Anschlüsse) sowie Hoisten, Schlicherum und Bettikum (1801 Anschlüsse) sollen Nachfragebündelungen kurzfristig beginnen. 2016 sollen dann Nachfragebündelungen in den Gebieten Allerheiligen, Holzheim, Grefrath, Norf und Weckhoven folgen.

Wie schnell ist das Internet? Durch die Glasfaserkabel werden die Daten per Licht geleitet, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Mbit pro Sekunde - das Vierfache von dem, was sich die Bundesregierung bis 2018 vorgenommen hatte. "Mit der heutigen Technik sind sogar zehn Gigabit pro Sekunde möglich", sagt Projektleiter Wolfgang Greven, der in Helpenstein wohnt und sich dort etwa Youtube-Videos nicht ruckelfrei anschauen kann.

Warum kann die Deutsche Glasfaser, was die Telekom nicht kann? Weil einerseits viel Geld aus den USA vorhanden ist, um die Marktlücke zu schließen - allein für Neuss stehen knapp 30 Millionen Euro bereit. Und weil sie andererseits die Kabel mit einer schnelleren und günstigeren Technik namens Micro-Trenching verlegt. Dabei werden die Leerrohre zwischen 7 und 20 Millimeter Dicke in eine geringe Tiefe verlegt. Dafür braucht es nur einen dünnen Schlitz im Asphalt. Verlegen und schneiden sind eine Arbeitsphase, anschließend wird das Kabel durch die Rohre per Druckluft verlegt. "Die Gräben, die morgens offen sind, sind zu 95 Prozent abends wieder zu", sagt Greven. Das Verlegen der Leitung vom Haus bis zur Straße soll komplett unterirdisch funktionieren. Die Erlaubnis für diese Technik hat sich das Unternehmen mit Vertragsunterzeichnung eingeholt.

Wo ist die Deutsche Glasfaser schon aktiv? In der niederländischen Heimat sind nach eigenen Angaben bisher drei Millionen Anschlüsse gelegt worden, in Deutschland etwa 130.000 Anschlüsse, davon rund 50.000 allein im Kreis Heinsberg. Jetzt geht der Ausbau in Grevenbroich und Jüchen los, aber auch in Bayern und Schleswig-Holstein ist das Unternehmen auf Kundensuche für den Netzausbau in ländlichen Regionen. Firmensitz ist in Borken (Westmünsterland).

Wie ist es mit der Netzneutralität? Die Telekom hatte zuletzt angekündigt, teure Premiuminhalte in langsamen Netzen bevorzugt durchzuleiten. Eine solche Überholspur gegen Preisaufschlag schließt die Deutsche Glasfaser aus. "Das ist zwar eine Sache der Provider, aber das Netz ist so leistungsfähig, dass man schlicht keine Priorisierung braucht", sagt Nicole Holländer.

Quelle: NGZ
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